Angeschaut: The Ambulance (1990)

Als ich vor einigen Jahren, nachdem mein letzter Videorekorder dahingeschieden war, meine VHS-Sammlung auflöste, trennte ich mich damit von vielen Filmen, die es zu diesem Zeitpunkt noch nicht auf DVD bzw. Blu-ray gab. Hauptsächlich handelte es sich dabei um B- und C-Filme, die vielleicht nicht kulturell wertvoll, in meinen Augen aber verdammt unterhaltsam waren. Hätte ich damals gewusst, dass viele dieser Filme selbst heute nicht erhältlich sein würden, ich hätte mir eher einen neuen Videorekorder gekauft. Aber gut, aus Fehlern lernt man (hoffentlich). Umso größer war dafür gestern die Freude, als ich endlich die Blu-ray zu Larry Cohens Thrillerkomödie „The Ambulance“ in meinen Händen halten durfte. Und um es gleich vorweg zu nehmen: Der Film ist genau so unterhaltsam, wie ich ihn in Erinnerung hatte.

Worum geht’s

In jeder Mittagspause sieht Comiczeichner Josh (Eric Roberts) seine Traumfrau, traut sich aber nicht sie anzusprechen. Eines Tages gibt er sich einen Ruck und schafft es mit seinem losen Mundwerk sogar, ein paar Sympathiepunkte bei ihr zu sammeln. Doch dann bricht Cheryl (Janine Turner), die wegen ihrer Diabetes gerade auf dem Weg zum Arzt war, auf der Straße zusammen. Josh wartet mit ihr auf den Krankenwagen und verspricht, sie nach Feierabend im Krankenhaus zu besuchen. Abends muss er jedoch feststellen, dass Cheryl in keinem Krankenhaus angekommen ist. Da ihm der zuständige Lt. Spencer (James Earl Jones) keinen Glauben schenken will, beginnt Josh auf eigene Faust zu ermitteln – und findet heraus, dass Cheryl nicht die erste Person mit Diabetes ist, die von einem Krankenwagen abgeholt wurde und danach verschwand …

Meine Meinung

Kennt ihr das auch? Ihr habt einen Film seit Jahren nicht mehr gesehen, mochtet ihn damals sehr gerne, schaut ihn dann erneut und seid enttäuscht, weil ihr ihn viiieeel besser in Erinnerung hattet? Vermutlich kennt jeder diese Situation. Ich gebe es zu: Ich hatte ein wenig Angst, dass dies auch auf „The Ambulance“ zutreffen könnte. Aber Pustekuchen, der Film ist auch heute noch Spaß pur! Was größtenteils daran liegt, dass „The Ambulance“ einerseits zwar ein Thriller, vielmehr noch aber auch eine schwarzhumorige Komödie mit so schrägen wie liebenswerten Figuren und extrem bissigen Dialogen ist.

Insbesondere Eric Roberts läuft hier als zwar leicht unbeholfener, aber auch hartnäckiger Held wider Willen zu absoluter Höchstform auf. Wie er wieder und wieder verzweifelt versucht, überforderte Polizisten von seiner Geschichte zu überzeugen und dabei seine vorlaute Klappe nicht halten kann, ist einfach grandios anzusehen. Insbesondere mit der von Megan Gallagher gespielten Polizistin Malloy, die ihm als einzige glauben will, liefert er sich einige extrem bissige Wortgefechte. Übertrumpft wird Roberts jedoch von Red Buttons, der als alternder Reporter Elias seine letzte große Story wittert und dabei Sprüche (und sonstiges) herausposaunt, dass es eine Freude ist. Der großartige James Earl Jones hingegen darf zwar einige lässige Sprüche zum Besten geben, wird insgesamt aber leider etwas unter Wert verkauft. Immerhin liefert er mit seinem nie enden wollenden Vorrat an Kaugummis einen spaßigen Running Gag – und darf in seiner ersten Szene noch einmal eine Situation aus „Best of the Best“ nachspielen (in dem Jones ein Jahr zuvor mit Roberts zu sehen war).

Ihr lest es zwischen den Zeilen vielleicht heraus: Ich hatte mit den Figuren meinen Spaß. Leider führt dieser Spaß allerdings auch dazu, dass sich „The Ambulance“ nicht wirklich ernst nehmen lässt. Und das ist dann auch seine größte Schwächte, denn für einen packenden Thriller sind nicht nur die Figuren zu schräg und die Dialoge zu putzig, auch ist die Geschichte (selbst für damalige Verhältnisse) insgesamt viel zu vorhersehbar. Ein wenig wirkt der Film wie eine überzeichnete Comicversion von „Coma“. Was vielleicht sogar gewollt war und erklären würde, wieso Protagonist Josh von Beruf Comiczeichner bei Marvel ist und einen Chef namens Stan hat – der selbstverständlich von Stan Lee persönlich gespielt wird.

Egal, denn auch wenn die Spannung nicht in schwindelerregende Höhe getrieben wird, unterhaltsam ist der Film in jeder einzelnen der insgesamt 91 Minuten. Und das ist weit mehr, als andere B-Filme zu bieten haben!

Mein Fazit

Kurzweilige Mischung aus Thriller und Komödie, die dank schnippischer Dialoge, schräger Figuren und einem grandios aufgelegten Eric Roberts in jeder Minute unterhält. Über die vorhersehbare Geschichte (und kleinere Logiklücken) schaue ich da gerne hinweg.

Meine Wertung: 8/10

Kurz abgehakt: Headshot (2016)

Verwirrt und ohne Erinnerungen an seine Vergangenheit erwacht ein junger Mann (Iko Uwais) in einem Krankenhaus. Von der Ärztin Ailin (Chelsea Islan) erfährt er, dass er am Strand mit einer Schussverletzung am Kopf gefunden wurde. Als Auftragskiller im Krankenhaus auftauchen, sich nach einem Unbekannten mit einer Kopfverletzung erkundigen und kurz darauf die Jagd auf ihn eröffnen, stellt das vermeintliche Opfer fest, dass es mit körperlichen Auseinandersetzungen überraschend gut umzugehen weiß …

Ihr mögt handgemachte Action, die bereits beim Zusehen so richtig schmerzt? Ihr seid Martial Arts gegenüber grundsätzlich nicht abgeneigt? Story und Figuren sind für euch im Ausnahmefall auch mal nur bedingt von Bedeutung? Oder anders gefragt: Ihr mochtet den Actionknaller „The Raid“ und dessen grandiose Fortsetzung? Dann gebt auf jeden Fall auch „Headshot“ eine Chance!

Zugegeben, mit den beiden übergroßen Vorbildern kann der Film definitiv nicht mithalten. So ist die Geschichte zwar durchaus brauchbar, bietet aber auch keinerlei Überraschungen und dient insbesondere in der zweiten Hälfte lediglich dazu, die seeehr langen Kämpfe einigermaßen sinnvoll miteinander zu verknüpfen. Diese fallen erfreulich bodenständig und enorm brutal aus (eine Indizierung dürfte nur eine Frage der Zeit sein), liegen inszenatorisch aber mindestens zwei Stufen unter den perfekt choreografierten Actionszenen, die Regisseur Gareth Evans in den „The Raid“-Filmen auf die Leinwand gezaubert hat.

Spaß bereitet die Chose aber allemal – sofern ich bei brechenden Knochen und unzähligen Opfern überhaupt von „Spaß“ reden darf. Was ich eigentlich sagen möchte: Als Fan harter Actionfilme macht ihr mit „Headshot“ definitiv nichts verkehrt, auch wenn ich das auf dem Cover prangende „Der beste Actionfilm des Jahres“ so nicht unterschreiben möchte.

Meine Wertung: 6/10

„Tatsächlich… Liebe“ hat mit „Red Nose Day Actually“ eine Mini-Fortsetzung bekommen

Anlässlich des Red Nose Days hat Regisseur Richard Curtis mit dem Kurzfilm „Red Nose Day Actually“ eine Mini-Fortsetzung zu seinem Hit „Tatsächlich… Liebe“ gedreht. Unter anderem wieder mit dabei: Keira Knightley, Laura Linney, Chiwetel Ejiofor, Andrew Lincoln, Hugh Grant, Colin Firth, Liam Neeson sowie Bill Nighy und Rowan Atkinson. Damit sind zwar nicht alle Figuren aus dem Vorgänger vertreten, aber das wäre bei einer Laufzeit von 17 Minuten vermutlich auch zu viel verlangt gewesen.

Ich gebe es zu: „Tatsächlich… Liebe“ ist einer meiner Lieblingsfilme. Und schafft es immer wieder, mich in bestimmten Szenen zu Tränen zu rühren. Deswegen schäme ich mich auch nicht dafür, dass auch bei „Red Nose Day Actually“ wieder die eine oder andere Träne kullerte. Was soll ich sagen – ich bin halt eine Pussy.

Meinetwegen darf der Film nun gerne noch synchronisiert und dann auch verkauft werden (was mit den Einnahmen passieren sollte, ist denke ich klar). Ich würde ihn kaufen.

Angeschaut: Split (2016)

So, nun ist es doch passiert. Zum ersten Mal seit meiner mir selbst auferlegten Kinopause sah ich einen Film und dachte danach „Scheiße, hättest du den mal im Kino gesehen!“. Wegen einer ganz speziellen Szene. Einer Szene, die ich im Kino definitiv laut gefeiert hätte (und dabei vom restlichen Publikum vermutlich für bekloppt erklärt worden wäre). Aber es ist, wie es ist: Ich habe „Split“ zu Hause gesehen. Und mir die besagte Szene von M. Night Shyamalan selbst bei Twitter spoilern lassen. Da bleibt doch die Frage: Konnte mich der Film dennoch begeistern?

Worum geht’s

Während ihr Vater die letzten Geschenke im Kofferraum verstaut, wartet Claire (Haley Lu Richardson) mit ihrer Freundin Marcia (Jessica Sula) und der aus Höflichkeit eingeladenen Außenseiterin Casey (Anya Taylor-Joy) im Auto darauf, nach Hause gefahren zu werden. Plötzlich steigt ein Fremder (James McAvoy) ins Auto und betäubt die Mädchen. Als die drei wieder zu sich kommen, befinden sie sich in einem Kellergewölbe. Da der Entführer sich erst wie ein Mann, dann wie eine Frau und später wie ein neunjähriger Junge benimmt, wird den Mädchen schnell klar, dass er unter einer multiplen Persönlichkeitsstörung leidet. Während Claire, Marcia und Casey überlegen, wie sie ihrem Peiniger entkommen können, beginnt dessen Therapeutin Dr. Karen Fletcher (Betty Buckley) zu ahnen, dass ihr Patient ihr etwas verheimlicht …

Meine Meinung

Es fällt mir gerade unheimlich schwer, über „Split“ zu schreiben, ohne auf eine ganz spezielle Szene einzugehen. Eine Szene, die ich gar nicht mal unbedingt als Twist bezeichnen würde, durch die der Film jedoch noch mal neu betrachtet werden kann (bzw. muss) und für mich persönlich eine ganz besondere Bedeutung erhält, weil er dadurch einen lang gehegten Wunsch erfüllt. Ich versuche es trotzdem mal.

M. Night Shyamalan ist zurück! Ja, ich weiß, viele schrieben dies bereits bei seinem letzten Film „The Visit“. Doch auch wenn mir dieser durchaus sehr gut gefallen hat, ein „echter“ Shyamalan ist er meiner Meinung nach nicht. Echte Shyamalans sind für mich Filme wie „Sixth Sense“, „Unbreakable“, „Signs“, „The Village“, „Das Mädchen aus dem Wasser“ und „The Happening“ – allesamt Filme, die durch ihre extrem ruhige Inszenierung, hervorragende Kameraarbeit und einen gewissen Hang zum Übernatürlichen bestechen. Und genau hier reiht sich auch „Split“ ein. Was zur Folge hat, dass der Thriller dem einen oder anderen sicherlich zu wenig Thrill bietet, während ich mich nur frage, wie man von dem nur schwer vorhersehbaren Geschehen, und insbesondere von der hervorragenden Atmosphäre, nicht gefesselt sein kann.

Dass der Film so gut funktioniert, verdankt er jedoch nicht nur seiner spannenden Geschichte und der äußerst gelungenen Atmosphäre, sondern insbesondere auch seinen drei Darstellerinnen Haley Lu Richardson, Jessica Sula und Anya Taylor-Joy. Und dessen Figuren. Diese benehmen sich zur Abwechslung nämlich mal nicht wie hilflose Opfer (was ironischerweise im Film sogar angesprochen wird), sondern erstaunlich clever und zielgerichtet. Wobei besonders die von Anya Taylor-Joy gespielte Casey hervorsticht, deren Hintergrundgeschichte im Laufe des Films offenbart wird und sowohl dem Charakter als auch dem Film eine tiefere Bedeutung verleiht.

Und dann ist da natürlich James McAvoy, der die verschiedenen Charaktere seiner Figur schlicht genial spielt. Höhepunkt ist hierbei sicherlich eine Szene, in der sich eine Persönlichkeit als eine andere ausgibt, um die eigene Therapeutin zu täuschen – eine grandiose Leistung von McAvoy! Aber gut, etwas anderes sind wir von dem sympathischen Darsteller eigentlich ja auch nicht gewohnt.

Ihr habt es vielleicht bereits zwischen den Zeilen herausgelesen: Obwohl das Ende für mich keine Überraschung mehr war, hat mir „Split“ ausgesprochen gut gefallen. Um genau zu sein, setzt sich der Film spontan auf Platz 2 meiner persönlichen Shyamalan-Rangliste. Und nein, „Sixth Sense“ schafft es nicht auf Platz 1. 😉

Mein Fazit

Fantastischer Entführungsthriller mit tollen Darstellern und Gänsehautfinale, das allerdings nur dann seine volle Wirkung entfaltet, wenn es nicht erklärt werden muss. Mich hatte es schon bei der Musik …

Meine Wertung: 8/10

Kurz abgehakt: Underworld: Blood Wars (2016)

Seit sie sich aus Liebe gegen ihre eigene Art gewandt und zwei der Ältesten getötet hat, lebt Selene (Kate Beckinsale) ein Leben als Ausgestoßene. Als sich die Lykaner unter der Führung des charismatischen Marius (Tobias Menzies) neu formieren, benötigt der Rat des Östlichen Ordens jedoch Selenes Hilfe, um die jungen, unerfahren Vampire auf die bevorstehende Schlacht vorzubereiten. Selene willigt ein, nicht ahnend, dass Ratsmitglied Semira (Lara Pulver) eigene Interessen verfolgt …

Nachdem sich der unmittelbare Vorgänger „Underworld Awakening“ thematisch ein wenig von den bisherigen Filmen entfernte, heißt es nun wieder zurück zum Ursprung der Serie. Die Menschen spielen keine Rolle mehr, von der Endzeitatmosphäre ist nichts mehr zu spüren und die beinahe ausgerotteten Vampire und Lykaner erfreuen sich (nicht nur zahlenmäßig) bester Gesundheit. Dafür gibt es wieder mehr Liebschaften, Intrigen und Verrat – was zwar durchaus interessant ist, die Geschichte aber auch etwas inkonsequent fortsetzt. Immerhin tauchen so gut wie alle noch lebenden Figuren (und sei es nur in Erwähnungen) wieder auf, so dass zumindest diesbezüglich Kontinuität bewiesen wird.

Auch wenn ich es schade finde, dass „Underworld: Blood Wars“ sich vom eingeschlagenen Kurs des Vorgängers wieder entfernt, hatte ich durchaus meinen Spaß mit dem Film. Die Figuren bekommen wieder etwas mehr Tiefe, die Geschichte schlägt einige nette Haken (und wandelt mit der Einführung eines mystischen Volkes ziemlich stark auf Fantasy-Pfaden) und auch die Action wurde erneut stimmig inszeniert. Auch wenn sie, wie bereits im Vorgänger, teilweise etwas zu künstlich wirkt und zuweilen an ein Videospiel erinnert.

Dennoch bin ich der Meinung, dass die „Underworld“-Reihe nun so langsam ihr Ende finden sollte. Das Ende von „Blood Wars“ deutet noch mindestens einen weiteren Ausflug in die Welt der Vampire und Lykaner an – vielleicht wird die Chance auf einen würdigen Abschluss ja genutzt …

Meine Wertung: 6/10

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