Monatsarchiv für Juni 2006

 
 

Slither – Voll auf den Schleim gegangen

Es gibt Filme, bei denen man sich fragen muss, ob und was sich die Verantwortlichen dabei bloß gedacht haben. Bei „Slither – Voll auf den Schleim gegangen“ muss man sich diese Frage auch stellen, allerdings nicht bezogen auf den Film, sondern bezogen auf den deutschen Untertitel: Solch einen Schwachfug hat dieser Film nämlich definitiv nicht verdient!

Zum Inhalt: Im benachbarten Wald einer Kleinstadt schlägt ein Meteorit ein, dessen parasitärer Inhalt alsbald Besitz von dem in der Stadt ansässigen Grant ergreift. In dessen Körper macht sich die außerirdische Lebensform nun auf, diverse Menschen als Brutkästen zu nutzen und schon bald wimmelt es in der Stadt von schleimigen Würmern und willenlosen Zombies. Sheriff Pardy, dessen Jugendliebe und Grants Ehefrau Starla, Bürgermeister MacReady sowie die junge Kylie versuchen verzweifelt, die Invasion zu stoppen…

Klingt nach einem typischen 80er-Jahre-Trash-Horrorfilm? Ist es auch, aber durchaus gewollt und verpackt im Mantel moderner A-Filme – und dieser Mantel steht dem Film verteufelt gut: Der Film nimmt sich glücklicherweise niemals ernst, sondern stellt eine reinrassige Horrorkomödie dar, die mit guten Effekten, einem tollen Hauptdarsteller und einem herrlich trockenen Humor zu punkten vermag.

Der aus „Body Snatchers“ und „Night Of The Creeps“ zusammengeklaute Film versteht es, trotz des Humors, welcher glücklicherweise niemals in Albernheiten abdriftet, Spannung und sogar ein wenig Grusel zu erzeugen – und trotz der 16er-Freigabe enthält der Film Szenen, deren Härte durchaus eine 18er-Freigabe rechtfertigen würden.

Absoluter Pluspunkt des Films ist jedoch Nathan Fillion: Der aus „Buffy – Im Bann der Dämonen“ und „Firefly“ sowie dessen Kino-Ablegers „Serenity“ bekannte Darsteller trägt den Film dank seiner Mimik und Gestik beinahe alleine und macht Lust auf mehr. Alle anderen Darsteller leisten zweckmäßige Arbeit, fallen also weder besonders positiv noch negativ auf.

Fazit: Für Fans trashiger Horrorfilme ein Muss, alle anderen dürfen (wie eigentlich immer) gerne einen Blick riskieren.

Wertung: 9/10

Zum Schluss noch ein Hinweis: Wer den Film komplett sehen möchte, sollte bis zum Ende des Abspanns sitzen bleiben…

The Da Vinci Code – Sakrileg

Ein Film, der anfing, nicht enden zu wollen…

Klären wir zunächst das Wichtigste: Ich haben den Roman nicht gelesen, kann also keinen Vergleich zwischen Roman und Film herstellen, weswegen sich meine FILMkritik ausschließlich um Ron Howards Interpretation des Stoffes dreht. Ob sein Werk der Vorlage gerecht wird, werde ich ggf. nachreichen, sobald ich das Buch, welches bereits seit Monaten auf meinem Nachttisch liegt, gelesen habe.

Doch worum geht es eigentlich, dass dieser Film bereits Wochen vor seinem Start so hohe Wellen schlug? Der Kurator des Pariser Louvre wurde ermordet, schaffte es aber, vor seinem endgültigen Ableben mysteriöse Symbole und Schriftzeichen auf dem Boden zu hinterlassen. Der gerade in Paris tätige Symbologe Robert Langdon wird zu Rate gezogen und kommt gemeinsam mit der Enkelin des Ermordeten einem Geheimnis auf die Spur, welches seit Jahrtausenden von der Kirche gehütet wird – und für das sie bereit ist, zu töten…

Zugegeben: Die Geschichte hat durchaus Potenzial, doch leider vermag der Film nur in den ersten 30 Minuten zu fesseln und geht alsbald in eine Schnitzeljagd über, die weder besonders spannend noch besonders interessant, aber immerhin kameratechnisch sehr schön eingefangen, erzählt wird. Was fehlt ist ein Spannungsbogen, z.B. in Form einer durch die Verschwörer immer größer werdende Bedrohung. So dümpelt die Geschichte vor sich hin, nicht wirklich langweilig, aber für einen Thriller definitiv zu langatmig und gedrosselt erzählt.

Hinzu kommt, dass der Film sehr vorhersehbar ist: Trotz Unkenntnis des Romans wird einem viel zu schnell klar, wer letztenendes die Fäden in der Hand hält und auf welche Erkenntnis das (kitschige) Ende zusteuert. Oder sollte ich sagen „auf welches Erkenntnis die (kitschigen) Enden zusteuern“? Denn ist die Identität des Drahtziehers geklärt und befinden sich unsere Helden in Sicherheit, folgen noch zwei weitere Geheimnisse, welche aufgrund der nun nicht mehr vorhandenen Bedrohung unnötig und zu aufgesetzt wirken, um noch fesseln zu können.

Worüber man kein schlechtes Wort verlieren kann, sind die Darsteller, welche ihre Rollen allesamt sehr gut ausfüllen. Besonders erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang Paul Bettany, der den Killer Silas perfekt verkörpert.

Was bleibt, ist ein zahnloser Thriller, der zwar mit einer interessanten Geschichte aufwarten kann, aber viel zu früh an Fahrt verliert und sein Potenzial damit verschenkt. Kann man gesehen haben, muss man aber nicht…

Wertung: 5/10

Date Movie

„Scary Movie 2“ war euch zu anspruchsvoll?
„Nicht noch ein Teenie-Film“ war auch zu tiefgründig?

Willkommen bei „Date Movie“!

Da der Film keinerlei Wert darauf legt, niveauvoll oder politisch korrekt zu sein, passe ich mich dem mal ausnahmsweise an:

Julia Jones ist fett, ungepflegt und legt die Männer reihenweise flach – was in diesem Zusammenhang bedeutet, sie in den Suizid zu treiben. Als Julia ihrem Traumprinzen begegnet, gibt es nur eine Lösung: Ab zu Hitch mit der Bitch! Einen Besuch in der Pimp My Car-Werkstatt und viele abgesaugte Liter Fett später steht Julia auch schon als Bachelor-Kandidatin vor ihrem Auserwählten. Verliebt, verlobt, verheiratet – doch vorher müssen noch die griechisch-indisch-japanischen Juden-Eltern der Tochter mit den Hippie-Eltern des Sohnes unter einen Hut gebracht, eine Hochzeitsparty mit Breitarsch Jell-O geplant und natürlich die ultimative Sex- und Silikonbombe Andy, welche ihren Ex-Freund nicht kampflos abgeben möchte, beseitigt werden!

Klingt schwachsinnig? Ist es auch! Und dabei leider nicht einmal witzig!

Eine Parodie jagt in den knapp 80 Minuten die nächste, leider ohne zu berücksichtigen, dass zu einem Witz normalerweise auch eine Pointe gehören sollte. Was bleibt ist eine Nummernrevue, die weit hinter ihren Möglichkeiten bleibt und dessen Witze nur selten bis gar nicht zünden, ja teilweise sogar nerven, weil sie grundlos in die Länge gezogen werden.

Ach ja: Wer dachte, dass mit den beiden oben genannten Filmen der Tiefpunkt des Beklopptenhumors erreicht sei, darf sich von „Date Movie“ eines besseren belehren lassen – aber vielleicht bin ich auch einfach nur zu alt und spießig, um den diffizilen Humor eines Pickels zu erkennen, dessen Eiterstrahl beim Ausdrücken solch eine Wucht erzeugt, dass der bemitleidenswerte Pickelträger durch die Häuserwand geschleudert wird.

Das gibt einen Punkt für insgesamt zwei gelungene Lacher sowie einen für die halbnackte Sophie Monk – Frauen dürfen diesen Punkt gerne wieder von der Wertung abziehen!

Wertung: 2/10

Das Omen (2006)

In der 6. Stunde am 6. Tag des 6. Monats wird er geboren…

1976 brachte Richard Donner mit „Das Omen“ einen Film in die Kinos, welcher sich neben Filmen wie „Der Exorzist“ und „Rosemaries Baby“ einen festen Platz im Olymp der religiös angehauchten Gruselfilme sichern konnte und dank seiner zeitlosen Inszenierung auch 30 Jahre später nichts von seiner Faszination verloren hat. Heute, marketingtechnisch geschickt auf den 6.6.06 gelegt, startet das Remake – und man fragt sich: Wieso?

Es gibt Filme, bei denen Remakes durchaus Sinn machen: Zum Beispiel lassen sich dank moderner Tricktechnik Szenen erzeugen, wie sie vor einigen Jahren undenkbar gewesen wären – als Beispiel sei an dieser Stelle „King Kong“ genannt. Ebenso gerechtfertigt sind Remakes, welche an das aktuelle Zeitgeschehen angepasst werden müssen, um die gewünschte Wirkung zu entfalten – siehe das Remake von „Dawn Of The Dead“.
Doch es gibt auch jene seltenen Filme, die selbst nach Jahrzehnten noch funktionieren wie am ersten Tag und bei denen ein Remake nur verlieren kann, und sei es noch so professionell gedreht. Auch dafür gibt es bereits ein prominentes Beispiel: „Psycho“ – und nun „Das Omen“.

Für alle, die die Geschichte noch nicht kennen: Das Ehepaar Robert und Katherine Thorn erwartet ein Kind, doch während der Geburt kommt es zu Komplikationen, in Folge dessen das Baby sein Leben verliert. Ein Priester bietet Robert die Möglichkeit, ein an demselben Tag geborenes Kind zu adoptieren, dessen Mutter bei der Geburt verstarb. Ohne Kenntnis seiner Frau, welche, wie Robert von dem Priester erfährt, durch die Komplikationen keine Kinder mehr bekommen kann, akzeptiert er den Vorschlag und nimmt das Baby als das Ihre an. Doch schon bald häufen sich seltsame Vorkomnisse: An Damiens fünften Geburtstag stürzt sich dessen Kindermädchen vom Haus, Tiere geraten in Damiens Gegenwart in Panik und sogar Katherine beginnt, sich vor ihrem eigenen Sohn zu fürchten. Als dann auch noch ein Priester versucht, Robert davon zu überzeugen, dass das Kind, welches er aufzieht, der Antichrist sei und ein Reporter ihm Fotos zeigt, auf denen man die Tode der Opfer vorhersehen kann, beginnt Robert, Nachforschungen über Damien anzustellen…

Wer die ‘76er-Version von „Das Omen“ kennt, weiß, was einen erwartet: Das Remake gleicht dem Original wie ein Ei dem anderen und wurde nur marginal angepasst. Für diejenigen, die das Original noch nicht kennen, bietet der Film alles, was ein guter Gruselfilm bieten muss: Eine spannende Geschichte, eine bedrohliche Atmosphäre, geschickt platzierte (aber seltene) Schockmomente sowie eine handwerklich saubere Inszenierung mit guten Darstellern. Allerdings darf man nicht vergessen, dass es sich bei dem Film um einen Grusel- und nicht um einen Horrorfilm handelt: Wie bereits beim Original liegt auch bei der aktuellen Version die Kraft in der Ruhe, was die MTV-Generation ein wenig abschrecken könnte. So dauert es seine Zeit, bis die Geschichte richtig in Fahrt kommt, welche teilweise mehr einem Krimi als einem Gruselfilm gleicht.

Wer wie ich das Original kennt, wird feststellen, dass das Remake zwar keineswegs schlecht, aber schlicht und ergreifend unnötig ist und mit Blick auf Richard Donners Klassiker keine rechte Daseinsberechtigung hat. Hierfür fehlte es dem Regisseur schlicht an Mut, um der Geschichte seinen Stempel aufzudrücken und neue Akzente zu setzen.

Wertung: 5/10

Der Exorzismus von Emily Rose

Ich mag Horrorfilme, ich mag Gerichtsfilme – was also könnte mir mehr liegen, als ein im Horrorgenre angesiedelter Gerichtsfilm? Denn um nichts anderes handelt es sich bei diesem Film: Wer hofft, mit „Der Exorzismus von Emily Rose“ einen Horrorfilm im Stil eines „Der Exorzist“ zu sehen, dürfte die DVD alsbald recht enttäuscht wieder auswerfen.

Erzählt wird die Geschichte der 19-Jährigen Emily Rose, welche bei einem missglückten Exorzismus ums Leben kam. Für diesen Tod hat sich vor Gericht nun der Priester zu verantworten, der diesen Exorzismus durchführte – war Emily wirklich besessen? Hätte ihr Leben durch eine medikamentöse Behandlung gerettet werden können? Auch wenn Emilys Geschichte in Rückblenden aus verschiedenen Blickwinkeln erzählt wird, werden wir die Wahrheit niemals erfahren.

Doch ist es auch nicht die Frage, was nun tatsächlich geschah, sondern vielmehr die Frage nach der Möglichkeit und dem Glauben, die den Film antreibt: Darf ein Mensch verurteilt werden, wenn auch nur die Spur eines Zweifels an seiner Schuld besteht? Was sind wir bereit zu glauben? Und darf unser Glaube, oder besser unser Unglaube, über unser Urteilsvermögen bestimmen?

Intelligentes Kino, welches vieles dem Zuschauer überlässt und somit nicht für jeden geeignet ist – aber macht nicht gerade das den Reiz des Übernatürlichen aus?