Auf einer wahren Begebenheit beruhend, macht sich „Wolf Creek“ als neuester Ableger des modernen Terror-Horrors auf, dem Zuschauer das Fürchten zu lehren – mit Erfolg!

Die drei Rucksacktouristen Liz, Kristy und Ben machen während ihrer Durchreise einen Zwischenstop an dem im australischen Outback liegenden Krater „Wolf Creek“. Da der Wagen nach diesem Besuch nicht mehr anspringt, lassen sie sich von dem hilfsbereiten Einheimischen Mick abschleppen, nicht ahnend, dass Mick mit seinen Gästen ganz andere Pläne hat, als ihren Wagen zu reparieren…

Zugegeben: Die Story wird keinen Originalitätspreis gewinnen. Was den Film dennoch über den Durchschnitt hebt, ist die realistische, konsequente und kompromisslose Inszenierung, die sich wohltuend von Hochglanzfilmen wie dem Texas Chainsaw Massacre-Remake abhebt: Wie die Umgebung in der er spielt, wirkt der gesamte Film dreckig und staubig, während durch eine oft händisch geführte Kamera eine realistische, ja beinahe dokumentarische Atmosphäre erzeugt wird.

Leider vergeht sehr viel Zeit, bis der Film seine durch dieses Stilmittel erzeugte Atmosphäre voll ausspielen kann: Regie-Neuling Greg McLean nutzt die ersten 60 Minuten dazu, die Charaktere sowie die Gegend vorzustellen, was prinzipiell nicht verkehrt wäre, gäbe es denn etwas Interessantes zu erzählen: Leider entsprechen die Figuren nur dem 08/15-Schema, seien es die Party feiernden Twens oder die pöbelnden Kneipenbesucher, womit die Substanz fehlt, um damit eine volle Stunde zu füllen.

Dementsprechend zieht sich der Anfang ein wenig hin, was jedoch gleichzeitig dafür sorgt, dass der Schock um so größer sitzt, sobald Mick sein wahres Gesicht zeigt: Aufgrund der realistischen Inszenierung wirken seine Demütigungen und Foltermethoden, ebenso wie die darauf folgende verzweifelte Flucht durch das Outback, ungemein bedrückend.

Neben der Atmosphäre beweist McLean auch bei den, zumindest mir, unbekannten Schauspieler ein glückliches Händchen: Während man in den Augen der Opfer die Angst und Verzweiflung praktisch rauslesen kann, begeistert vorallem John Jarratt als einer der besten Psychopathen seit langem.

Mit ein wenig mehr Inhalt in den ersten 60 Minuten hätte aus „Wolf Creek“ DER Horrorfilm des Kinojahres 2006 (ja ja: Ich weiß, dass der Film bereits 2005 gedreht wurde – deswegen doch auch „Kinojahr“) werden können. Doch auch so kann ich den Film guten Gewissens jedem empfehlen, der sich auch nur ansatzweise für dieses Genre interessiert und sich durch eine eher ungewohnte Inszenierung nicht abschrecken lässt.

Wertung: 7/10

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