Monatsarchiv für Juli 2006

 
 

Ultraviolet

Bevor ich mit der eigentlichen Kritik zu „Ultraviolet“ beginne, nutze ich diesen Moment, mich kurz über Kurt Wimmers vorletzten Film „Equilibrium“ zu äußern:

„Equilibrium“ ist ein leider relativ unbekannter Science-Fiction-Actionfilm, der sich zwar einer schon oft erzählten, wenngleich immer wieder gerne gesehenen, Geschichte eines totalitären Systems bedient, dafür aber mit einem hervorragenden Hauptdarsteller (Christian Bale), sehr guten Nebendarstellern (Sean Bean, Emily Watson, Taye Diggs) und sparsamen, dafür aber perfekt choreographierten Actionszenen aufwarten kann.

An dieser Stelle sei gesagt: Wer sich auch nur ansatzweise für Science-Fiction- und Actionfilme interessiert, sollte sich diese Perle zu Gemüte führen!

Leider hält „Ultraviolet“ in keinster Weise die Erwartungen, die durch „Equilibrium“ geweckt wurden:

In naher Zukunft versuchen Wissenschaftler, mit Hilfe der Gentechnik den ultimativen Soldaten zu erschaffen. Den Gesetzen der Einfallslosigkeit zufolge geht der Schuss selbstverständlich nach hinten los: Die ersten Menschen werden von dem künstlich erschaffenen Virus infiziert und bereits kurze Zeit später ist die Gesellschaft aufgeteilt in zwei Lager, die „gesunden“ Menschen und die im Untergrund lebenden, da gejagten, Hemophagen. Violet (Milla Jovovich), welche diese Untergrundbewegung einst gründete, kämpft mit allen Mitteln gegen ein System, in welchem Infizierte sofort exekutiert werden. Als sie von einer Waffe erfährt, die den Hemophagen die endgültige Niederlage bescheren soll, beginnt eine Schlacht, die die Zukunft für immer verändern soll…

Da das Studio den Film um knapp eine halbe Stunde kürzen ließ, kann ich leider nicht beurteilen, wie Wimmers ursprünglich gedachter „Ultraviolet“ ausgesehen hätte – vielleicht lässt Sony ja Gnade walten und Wimmer den Film auf DVD in seiner Version veröffentlichen. Was einem im Kino erwartet, ist eine endlose Aneinanderreihung sich ständig wiederholender Actionszenen, gepaart mit einer sehr künstlichen Optik und an aktuelle Videospiele erinnernden Special Effects.

Während die Action in „Equilibrium“ noch der Geschichte untergeordnet wurde, wird in „Ultraviolet“ praktisch keine Geschichte erzählt: Violet hetzt von Kampf zu Verfolgungsjagd zu Schießerei zu Kampf – die Beweggründe der Protagonisten sowie die Hintergrundgeschichte werden nur nebenbei erläutert, wenn nicht sogar nur angedeutet, so dass man sich als Zuschauer einen Großteil selbst zusammenreimen muss, sofern dies aufgrund der Storylöcher überhaupt möglich ist.

Die Actionszenen, welche wie bereits erwähnt den Großteil des Films ausmachen, sehen zwar recht ansprechend aus, ähneln sich aber zu sehr, um die gesamte Laufzeit über fesseln zu können: Spätestens beim dritten Kampf stellt sich eine gewisse Langeweile ein, auch wenn Wimmer wieder auf die in „Equilibrium“ eingeführte Gun-Kata, eine Mischung aus Kampfsport und Schusswaffengebrauch, zurückgreift.

Dass ich dennoch nicht eingeschlafen bin, lag alleine an Milla Jovovich, welche Wimmer durchaus gekonnt einzusetzen weiß: Es gibt keine Kameraeinstellung, die nicht ihrem überaus durchtrainierten Körper huldigt, welcher durch die hautenge Hose und das bauchfreie Oberteil sehr ansprechend in Szene gesetzt wird – da auch ich nur ein Mann bin, möge man mir verzeihen, dass ich dies durchaus positiv werte (auch wenn es den Film nicht rettet)…

Die Optik von „Ultraviolet“ wirkt sehr künstlich und einem Videospiel entsprungen: Da ich nicht weiß, ob dies an einem zu geringen Budget liegt oder ein Stilmittel ob der Comic-Herkunft sein soll, bewerte ich es weder positiv noch negativ – ob einem solch ein Stil zusagt, muss jeder selbst wissen, mich hat er durchaus angesprochen, da er sich von den typischen Hollywood-Produktionen abhebt. Genannt sei an dieser Stelle eine Verfolgungsjagd auf einem Motorrad, die dank eines Gravitationsgerätes nicht nur auf der Straße, sondern auch an den Fassaden der Häuser stattfindet: Künstlich, aber durchaus interessant gestaltet!

Fazit: Wer sich an der praktisch nicht vorhandenen Story nicht stört, sich nicht von der künstlichen Optik abschrecken lässt und endlosen Actionszenen gegenüber nicht abgeneigt ist, kann durchaus einen Blick riskieren, sollte aber dennoch nicht zu viel erwarten.

Wertung: 3/10

Revenge Of The Warrior

Tony Jaa ist zurück: Der Mann, der bereits in „Ong-Bak“ demonstrierte, wie beeindruckend Martial Arts aussehen kann (und dass die Schwerkraft nur eine Ausrede der Schwerfälligen ist), schickt sich an, sein Können erneut unter Beweis zu stellen.

War es in „Ong-Bak“ noch der Kopf einer heiligen Statue, sind es in „Tom yum goong“ zwei Elefanten, die von skrupellosen Geschäftemachern gestohlen werden und unseren Helden zwingen, sich zahlreichen Gegnern zu stellen, um die Tiere zu retten.

Mehr gibt es zu der Geschichte auch nicht zu sagen, denn ehrlich gesagt dient dieser äußerst dürftige Handlungsfaden wie bereits in „Ong-Bak“ nur dazu, Tony Jaa einen Grund zu geben, uns mit seinem Können zu faszinieren – und das tut er: Während die typischen Straßengangs leichte Beute und nicht viel mehr als Dummys darstellen, sind besonders ein Kampf im Wasser gegen einen Capoeira-Kämpfer sowie die Erstürmung eines mehrstöckigen Restaurants hervorzuheben. Letztere Szene dauert mehrere Minuten und kommt ohne einen einzigen Schnitt aus: Tony Jaa nimm sich Gegnerwelle für Gegnerwelle an und erkämpft sich so jedes einzelne Stockwerk, während die Kamera ihm ohne Unterbrechung folgt – eine faszinierende Szene, die man gesehen haben sollte!

Je mehr der Film sich seinem Ende nähert, umso härter wird er: Sind die Kämpfe zu Beginn noch relativ harmlos, gibt es beim finalen Kampf, der wie eine Art „Kill Bill“ ohne Waffen wirkt, wirklich niemanden, der mit heilen Knochen davonkommt – und diejenigen, deren Knochen gebrochen sind, gehören definitiv zu den Glücklicheren…

Leider fehlt es dem Film an würdigen Gegnern, wodurch die Kampfszenen deutlich schwächer ausfallen als in „Ong-Bak“: Von dem bereits erwähnten Capoeira-Kämpfer einmal abgesehen, gibt es keine Gegner, die Jaas Kampfkunst viel entgegenzusetzen haben. Gerade das Finale mit den zwar großen, aber auch sehr tumben Gegnern fällt im direkten Vergleich zum Ong-Bak-Finale deutlich ab.

Weiterhin fällt negativ auf, dass der Film zu lange braucht, um an Fahrt zu gewinnen: Die ersten 45 Minuten ziehen sich ziemlich hin, was zwar aufgrund der dann gezeigten Action zu verschmerzen ist, aber dennoch vermeidbar gewesen wäre.

Nichtsdestotrotz dürfte jeder, der sich auch nur ansatzweise für Kampfsport interessiert, an dem Film seine helle Freude haben – und Fans von „Ong-Bak“ schlagen eh blind zu (man verzeihe mir dieses Wortspiel)!

Wertung: 6/10

Thumbsucker

Der erste Freitag des Monats, 22:45 Uhr – Sneak-Time im Kieler CinemaxX! Während die Trailer-Show beginnt, denke ich im Inneren über mögliche Kandidaten nach: „Wolf Creek“? „Poseidon“? „The Fast And The Furious: Tokyo Drift“? Das Licht erlischt und der Titel „Thumbsucker“ erscheint, ebenso ein großes ? in meinem sowie in den Gesichtern der meisten Anwesenden. Dann werden die Darsteller eingeblendet: Tilda Swinton, Vincent D’Onofrio, Keanu Reeves, Benjamin Bratt, Vince Vaughn – und ich schäme mich unweigerlich, von diesem Film noch nie etwas gehört zu haben…

Justin Cobb (Lou Taylor Pucci – von dem man hoffentlich noch mehr sehen wird) ist ein Teenager mit den typischen Problemen eines Teenagers: Die erste Liebe, Identitätsfindung, Abkapselung von den Eltern. Doch zusätzlich hat er noch mit einem weiteren Problem zu kämpfen: Er lutscht an seinem Daumen! Sein spirituell veranlagter Zahnarzt (Keanu Reeves in einer ungewohnten Rolle) versucht, ihm diesen Tick mittels Hypnose auszutreiben, was jedoch nicht den erwünschten Erfolg bringt. Auf Anraten der Schuldirektorin, welche darin lediglich einen Beweis für Hyperaktivität sieht, nimmt Justin eine medikamentöse Behandlung auf, welche auch bald den erwünschten Erfolg mit sich bringt. Doch können Medikamente wirklich die Antworten auf die Fragen des Erwachsenwerdens bringen?

Ich würde „Thumbsucker“ am ehesten als „Donnie Darko ohne Mystik“ bezeichnen: Ein durchaus genialer, aber von seiner Umwelt unverstandener Teenager, eine ungewöhnliche und ruhige Inszenierung sowie der intensive Einsatz der Musik als Stilmittel drängen diesen Vergleich geradezu auf. Hinzu kommt, dass auch „Thumbsucker“ am Ende einige Fragen offen lässt und es dem Zuschauer überlässt, diese zu beantworten sowie über die Aussage des Films zu philosophieren.

Wie bei einem ruhigen Film üblich, steht und fällt die Qualität stark mit den Schauspielern: Lou Taylor Pucci liefert als Teenager eine beeindruckende Leistung, während Keanu Reeves als Zahnarzt zwar gewöhnungsbedürftig ist, aber dennoch glaubwürdig spielt und trotz nur kurzen Auftritten die wichtigste Rolle innehält. Tilda Swinton („Constantine“, „Die Chroniken von Narnia“) und Vincent D’Onofrio („Men In Black“, „The Cell“) als überforderte und selbst in einer Krise steckenden Eltern sowie Benjamin Bratt („Miss Undercover“, „Catwoman“) als drogenabhängiger TV-Star und Vince Vaughn („Psycho“, „Tödliches Vertrauen“) als Lehrer runden die Darstelleriege positiv ab.

Wenn ich mir die Reaktionen des Publikums nach Ende des Films erneut vor Augen führe, gehe ich davon aus, dass „Thumbsucker“ einer dieser Filme ist, denen man entweder gar nichts abgewinnen kann oder die man ob ihrer eigenen Art auf sich wirken lässt – ich scheine zur zweiten Gruppe zu gehören…

Wertung: 7/10

American Dreamz – Alles nur Show

Wer kennt sie nicht, jene unsagbar schlechten Casting-Shows, welche uns die letzten Jahre mit unerträglicher Hartnäckigkeit vor den Fernseher zerren wollten. Von dem Casting, in dem sich jeder noch so talentfreie, kognitiv suboptimierte (vielen Dank nochmal für diesen Begriff, Herr Nuhr) Freak mal so richtig austoben und beleidigen lassen konnte, einmal abgesehen, gab und gibt es keinen verständlichen Grund, sich diese Hochburgen des Wahnsinns in voller Laufzeit anzutun.

Ähnlich denkt auch Martin Tweed (Hugh Grant), Moderator der beliebten Casting-Show „American Dreamz“. Doch da die Einschaltquoten nun einmal stimmen, geht es mit der nächsten Staffel in eine neue Runde – und da jede Staffel die vorangegangene übertreffen soll, muss etwas Besonderes her. Zum Glück befindet sich der Präsident (Dennis Quaid in einer grandiosen G.W. Bush-Imitation) gerade in einem Formtief, was seinen treuen Berater (Willem Dafoe) auf die Idee bringt, ihn als Gast-Juror in Tweeds Show auftreten zu lassen. Da „American Dreamz“ selbstverständlich auch im ansonsten vollkommen amerikafeindlichen Nahen Osten geschaut wird, bekommen ein paar Terroristen Wind von der Sache und schleusen einen Schläfer in die Sendung ein, der den Präsidenten im Finale mit einer Bombe töten soll. Doch bis es so weit ist, muss erst einmal der ganz normale Wahnsinn solch einer Show und deren Teilnehmer heil überstanden werden…

Regisseur Paul Weitz („American Pie“) entwickelt sich mehr und mehr zu einem meiner Lieblingsregisseure: Boten bereits „About A Boy“ und „Reine Chefsache“ eine gesunde Mischung aus Humor, satirischen Seitenhieben und ernster Aussage, hat er mit „American Dreamz“ seinen bislang besten Film abgeliefert: An jeder Ecke findet man Seitenhiebe auf die Politik, den Medienwahn und den American Way Of Life – dass dem Film in den Staaten kein Erfolg beschert war, ist in diesem Fall ein klares Anzeichen für Qualität: Es ist ja nichts Neues, dass die Amerikaner nicht gerne den Spiegel vorgehalten bekommen…

Während Hugh Grant wieder einmal beweist, dass er als egoistisches Arschloch zu Höchstform aufläuft, begeistert vorallem Dennis Quaid als Präsident: Mit kindlicher Naivität entdeckt er im Laufe des Films das Leben neu und wächst am Ende über sich hinaus – alleine seine Darstellung rechtfertigt den Kinobesuch!

Doch auch die restlichen Rollen sind perfekt besetzt: Willem Dafoe als verzweifelter Berater des Präsidenten, Mandy Moore als karrieregeiles Luder Sally !!!Kendoo!!!, Chris Klein als naiv-verliebter Kriegs“veteran“ oder Sam Golzari als so gar nicht amerikafeindlicher Schläfer Omer Obeidi, sie alle passen perfekt zu ihren Rollen. Ein Extralob gibt es von mir dafür, dass es vollbracht wurde, wirklich jedem Charakter Sympathie zu verschaffen: Selbst der ansonsten widerliche Martin Tweed und die bösen bösen Terroristen haben ihre menschlichen Seiten und irgendwie fällt es einem schwer, auch nur irgendwem in dem Film etwas Gemeines zu wünschen…

Wie ihr vielleicht schon bemerkt habt, bin ich von „American Dreamz“ restlos begeistert: Schon lange hat es kein Film mehr so gut verstanden, bissigen Humor mit Anspruch zu verbinden und gleichzeitig mit so gut aufgelegten Schauspielern aufzuwarten. Dafür gibt es von mir:

Wertung: 10/10

Der Rosarote Panther

Wer erinnert sich nicht an den legendären Peter Sellers in seiner Paraderolle als Insp. Jacques Clouseau: Seine Darstellung des trotteligen, jedoch mit einer gesunden Portion Selbstbewusstsein, manch einer mag auch sagen Überheblichkeit, ausgestatten Polizisten, weiß auch heute noch uneingeschränkt zu begeistern und gilt als Klassiker der Filmgeschichte.

Diese Ehre dürfte Steve Martin nicht zuteil werden, denn auch wenn seine Interpretation nicht der befürchtete Totalausfall ist, so bleibt nicht viel mehr übrig, als eine mal mehr mal weniger lustige Nummernrevue. Aber der Reihe nach:

Der Fußballtrainer Yves Gluant wird während eines Spiels ermordet und der sich an seinem Finger befindliche Ring „Der Rosarote Panther“ gestohlen. Um den Fall heimlich lösen zu können und so den Ruhm zu kassieren, setzt Chief Insp. Dreyfus (Kevin Kline) seinen schlechtesten Mann auf den Fall an: Insp. Jacques Clouseau (Steve Martin). Der macht sich gemeinsam mit seinem ihm zur Seite gestellten Assistenten Ponton (Jean Reno) sofort ans Werk und lässt dabei natürlich nicht das kleinste Missgeschick aus…

Ein wenig erinnert „Der Rosarote Panther“ an die alten Nackte Kanone-Filme, ohne jedoch jemals deren Klasse zu erreichen: Steve Martin stolpert von einem Missgeschick ins nächste und schafft es natürlich, den Fall irgendwie zu lösen. Für sich alleine gestellt weiß der Film, so man keine zu hohen Ansprüche stellt und seichtem Humor gegenüber nicht abgeneigt ist, durchaus zu unterhalten, nur leider trägt der Film die große Bürde, sich mit dem Original von Blake Edwards messen zu müssen – und dabei versagt er auf ganzer Linie.

Sellers Clouseau war vielleicht ein wenig trottelig und litt an einem gehörigen Maß an Selbstüberschätzung, aber er bewahrte sich immer seine Würde. Martins Clouseau hingegen ist ein Trottel wie er im Buche steht, ein Polizist, mit dem man ob seiner Art schon beinahe Mitleid hat – und das hat dieser Charakter nicht verdient.

Was bleibt, sind aneinandergereihte Witze, von denen einige viel zu lange zelebriert werden und dadurch bereits wieder an Komik einbüßen, sowie durchaus akzeptable Schauspieler, die den Film allerdings auch nicht über das Mittelmaß hinaus retten können.

Wertung: 5/10