Monatsarchiv für August 2006

 
 

Hügel der blutigen Augen (1977)

Nachdem mich Alexandre Ajas Interpretation des Stoffes Anfang des Jahres restlos begeisterte, war es nur eine Frage der Zeit, bis Wes Cravens Original in meinem DVD-Player landen sollte – doch was um Himmels Willen ist das? Okay, für seine Synchronisation kann der Film nichts, aber selbst wenn ich gnädig darüber hinweg sehe, dass in der deutschen Fassung aus radioaktiv verseuchten Rednecks mal eben Außerirdische!!! gemacht wurden, die Jagd auf eine in der Wüste festsitzende Familie (das kommt halt davon, wenn man einem Kaninchen ausweicht, anstatt es einfach zu überfahren) machen, bleibt der Film aufgrund gähnender Langeweile eine einzige Enttäuschung. Dass der Film es schafft, alle Faktoren eines guten Films (Komik in Form lustiger Frisuren, Horror in Form grauenhafter Schnurrbärte & Sex in Form gewagter Hot Pants – bei Männern) zu vereinen, rettet ihn leider auch nicht…

Wertung: 2/10

Wer früher stirbt ist länger tot

Kinder, wie die Zeit vergeht: Schon wieder ist ein Monat um und das Kieler CinemaxX lud erneut zur Sneak-Preview. Sorgte der letzte Sneak-Film aufgrund des unbekannten Films noch für ein verwirrtes Publikum, regierte diesmal eine Mischung aus Verwirrung, Hilflosigkeit und purem Spaß den Kinosaal. Gezeigt wurde „Wer früher stirbt ist länger tot“, eine bayerische Mischung aus Komödie und Drama, selbstredend im bayerischen Dialekt, was bei uns Fischköppen nicht gerade zum Verständnis beitrug. Doch wollte ich nach den ersten 10 Minuten, schon alleine seiner Herkunft wegen – schließlich hat Bayern den Stoiber hervorgebracht, noch einen zünftigen 2er-Verriss zum Besten geben, zog mich der Film mit zunehmender Laufzeit tiefer und tiefer in seinen Bann, bis ich den Kinosaal letztlich mit einem breiten Grinsen und vollends zufrieden verließ.

Worum geht’s: Der 11-jährige Sebastian gibt sich die Schuld für den Tod seiner bei der Geburt verstorbenen Mutter. Um nicht als Mörder im Fegefeuer zu landen, sucht er nun nach einer Möglichkeit die Unsterblichkeit zu erlangen, wodurch er und seine Mitmenschen von einem Unheil ins nächste (oder vielleicht doch ins Glück?) geführt werden…

Mehr zu verraten wäre ein Verbrechen, lebt der Film doch besonders von seinen skurrilen Einfällen und den aberwitzigen Situationen. Wer sich an trockenem und makaberem Humor erfreuen kann und wissen möchte, wie die Reanimation eines Kaninchens, bei Vollmond erwachende Moorleichen, ein Fegefeuertribunal und Telefonanrufe aus dem Jenseits in diese Geschichte passen, kommt um einen Kinobesuch nicht herum. Der Einfallsreichtum der Macher scheint sich von Minute zu Minute zu steigern, wodurch dem Film das Kunststück gelingt, sein Publikum mit zunehmender Laufzeit besser und besser zu unterhalten, um zum Ende hin, jedoch ohne seiner Linie untreu zu werden, noch einen erwachsenen Unterton zu finden.

Die Schauspieler sind zumindest mir bislang völlig unbekannt gewesen, machen ihre Sache aber sehr gut, allen voran Markus Krojer als Sebastian, dem man die Rolle des von Alpträumen und Vorwürfen geplagten Kindes ohne Zweifel abnimmt. Ebenso passend wie gut: Fritz Karl als Sebastians überforderter Vater, Jule Ronstedt als Sebastians attraktive Lehrerin Veronika und Jürgen Tonkel als Radiomoderator Alfred.

Fazit: Wer sich von dem bayerischen Dialekt nicht abschrecken lässt, bekommt mit „Wer früher stirbt ist länger tot“ eine herrlich skurrile Komödie geliefert, deren Einfallsreichtum weit über dem typischer deutscher Komödien anzusiedeln ist.

Wertung: 8/10

Hui Buh

Manche Leute sagen, es gibt Gespenster.
Manche sagen, es gibt keine Gespenster.
Ich aber sage, Hui Buh ist…eine Computeranimation, die so seelenlos daherkommt, dass sich jedes echte Gespenst beleidigt abwenden dürfte.

Worum geht’s: Am Freitag den 13. im Jahr 1399 wird Ritter Balduin (Michael „Bully“ Herbig) von einem Blitz getroffen und aufgrund seiner unehrlichen Lebensart dazu verdammt, fortan als Schlossgespenst Hui Buh im Schloss Burgeck sein Unwesen zu treiben. 500 Jahre später bezieht König Julius der 111. (Christoph Maria Herbst) das Schloss, um dort Gräfin Leonora zu Etepetete (Heike Makatsch) zu heiraten. Der Versuch Hui Buhs, den neuen Burgherrn zu vertreiben, endet darin, dass Julius Hui Buhs Spuklizenz vernichtet, woraufhin dieser binnen zwei Tagen die Geisterprüfung wiederholen muss, um nicht in der gefürchteten Seelensuppe zu enden. Da Julius’ Reichtümer im Laufe der Jahre für die Instandhaltung Burgecks aufgebraucht wurden und Hui Buh der einzige ist, der das Versteck des geheimen königlichen Schatzes kennt, muss Julius dem so gar nicht gruseligen Geist unter die Arme greifen – und bekommt unerwartete Hilfe von Leonoras hübscher Zofe Konstanzia (Ellenie Salvo González)…

Klären wir zunächst das Wichtigste: Mit den Hörspielkassetten hat dieser Kinofilm ungefähr so viel gemeinsam wie Steven Seagal mit einem Charakterdarsteller – doch leider überzeugt der Film auch nicht als eigenständiges Werk: Von einer Handvoll recht gelungener Szenen, meistens in Verbindung mit Christoph Maria Herbst, einmal abgesehen, bietet der Film nur typisch deutschen und vorhersehbaren Slapstick, über den man vielleicht 1899 noch lachen konnte, der aber in der heutigen Zeit selbst für einen Kinderfilm schlicht und einfach überholt wirkt. Hinzu kommt, dass das Gespenst Hui Buh zwar recht ansehnlich animiert ist, aber dennoch niemals die Grimassen eines realen Bully ersetzen kann, was einem als Zuschauer durch Bullys Auftritt zu Beginn des Filmes schmerzlich vor Augen geführt wird. Wieso Bully das Gespenst nicht den gesamten Film über verkörpert hat, alle anderen Geister werden auch mittels Maske dargestellt, sondern stattdessen auf klinisch wirkende CGI-Effekte gesetzt wurde, ist mir ein echtes Rätsel und lässt sich wohl nur mit mangelnder Zeit oder einer zu hohen Gagenforderung begründen.

Christoph Maria Herbst hingegen stellt für den Film einen echten Gewinn dar: Seine Mimik und Gestik sind wie wie gewohnt erstklassig und dürfen somit getrost als die humoristischen Höhepunkte des Filmes bezeichnet werden. Heike Makatsch bleibt in ihrer Rolle als intrigante Gräfin erschreckend blass, während der den Schlossverwalter spielende Hans Clarin (welcher im Hörspiel Hui Buh spricht und nach Abschluss der Dreharbeiten verstarb) eine souveräne Vorstellung abgibt. Ebenso souverän spielt auch Ellenie Salvo González, welche eindeutig als optisches Highlight des Films bezeichnet werden darf und ledigen Männern durchaus einen Grund liefert, sich Hui Buh, natürlich unter einem anderen Vorwand, im Kino anzuschauen.

Fazit: Belanglose Kinderunterhaltung, die ihr Potential zu keiner Minute entfaltet und sich zu sehr auf das Zugpferd „Bully“ verlässt.

Wertung: 4/10