Die Sneak im Kieler CinemaxX entwickelt sich mehr und mehr zum Geheimtipp für Freunde des kleinen aber feinen Kinos: Nach „Thumbsuckers“ und „Wer früher stirbt ist länger tot“ folgte diesen Freitag „Glück in kleinen Dosen“, ein Film, von dem ich bis zu diesem Zeitpunkt noch nichts gehört hatte, der sich jedoch als bislang bester Film des Kinojahres 2006 entpuppen sollte.

Inhalt

Der junge Außenseiter Dean (Jamie Bell) möchte seinen besten Freund Troy besuchen, findet in dessen Zimmer jedoch lediglich den an der Decke hängenden Leichnam seines Freundes vor. Während sich das Interesse von Deans Vater (William Fichtner) auf Informationen beschränkt, die seiner Schriftstellerkarriere nützlich sein könnten, begegnen die restlichen Einwohner Troys Selbstmord mit Desinteresse. Lediglich Deans Mitschüler Billy (Justin Chatwin), Lee (Lou Taylor Pucci) und Crystal (Camilla Belle) nehmen von Troys Ableben Notiz, jedoch nur, weil sie dessen Drogenverteilung in der Schule übernehmen wollen. Um an Troys Pillen zu gelangen, benötigen sie Deans Hilfe, doch dieser weigert sich, weswegen die drei den Plan fassen, Deans kleinen Bruder Charlie als Druckmittel einzusetzen – doch leider entführen sie den falschen Charlie…

Kritik

Selten hat mich ein Film von Beginn an so begeistert wie „Glück in kleinen Dosen“: Vermutet man zu Beginn noch eine skurrile schwarze Komödie, entwickelt sich der Film mehr und mehr zu einem zum Nachdenken anregenden Spiegel, der uns einen überdeutlichen, wenn auch überzogenen, Blick auf die pervertierte Welt liefert, in der wir inzwischen leben. Eine Welt, in der wir so dermaßen mit uns selbst beschäftigt sind, dass wir unsere Mitmenschen schon gar nicht mehr wahrnehmen. Eine Welt, in der Freundschaften so oberflächlich geworden sind, dass wir die Sorgen unsere Freunde nicht mehr erkennen. Eine Welt, in der nur noch die eigenen Wünsche und Ziele verfolgt werden, ohne für andere Menschen Kompromisse einzugehen. Eine Welt, in der Sorgen und Probleme nicht mehr angesprochen, sondern durch Einnahme von Pillen aus der Welt geschafft werden…

Auch wenn „Glück in kleinen Dosen“ seine Botschaft lustig verpackt und immer wieder durch abgedrehte und humorvolle Szenen aufgelockert wird, verdeckt dies nicht die düstere, dabei jedoch jederzeit hoffnungsvolle, Grundstimmung des Films. Wenn Troys Mutter (grandios gespielt von Glenn Close) mehr und mehr dem Wahnsinn verfällt, nur um sich am Ende einzugestehen, dass sie ihren Sohn gar nicht gekannt hat, und Dean ihr erzählt, was für ein Junge Troy war und welche Träume er hatte, dann ist das rührendes Kino, wie es heute leider viel zu selten die Leinwand erblickt.

Die Darsteller wissen bis in die kleinste Nebenrolle zu begeistern: Jamie Bell spielt den Helden wider Willen, der den Menschen auf unterschiedlichste Weise das Leben rettet, ebenso überzeugend wie Camilla Belle das eigentlich nette Mädchen von nebenan, welches jedoch lieber mit den falschen Freunden zusammen ist als gar keine Freunde zu haben und deswegen auf die schiefe Bahn gerät. In den Nebenrollen brillieren neben Glenn Close und William Fichtner u.a. Ralph Fiennes als Bürgermeister auf der Suche nach dem Sinn des Lebens, Carrie-Anne Moss als Crystals Mutter auf der Suche nach Anerkennung und Rita Wilson als Mutter des entführten Charlie, deren Egoismus nur noch durch ihre Ignoranz überboten wird.

Fazit

Wunderbar abgedrehtes und dabei nachdenklich stimmendes Kino der Sonderklasse, bei dem einfach alles stimmt: Ein Film, den man gesehen haben sollte…

Wertung: 10/10

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