Ja okay, ich geb’s zu: Obwohl geschnitten, habe ich mir „Hostel: Teil 2“ im Kino angeschaut. Nennt mich inkonsequent. Nennt mich einen Verräter an die Filmkunst. Aber wisst ihr was: Ich bereue keine Sekunde meines Vergehens, sondern bin sogar froh, dass ich mich entgegen meiner Vorsätze dazu überwunden habe.
Sicherlich sind die Kürzungen ärgerlich, doch muss man fairerweise sagen, dass diese so geschickt platziert wurden, dass der Film dennoch genießbar bleibt und die Schnitte nur den Zuschauern auffallen dürften, die sich vorher über die fehlenden Szenen informiert haben.

Worum geht’s

Für Geld kann man alles kaufen, auch das Recht, andere Menschen zu foltern und zu töten. Diese Erfahrung musste der junge Amerikaner Paxton (Jay Hernandez) machen, kurz bevor er der Folterkammer entkommen konnte. Während er bei seiner Ex-Freundin untertaucht, werden bereits die nächsten Opfer nach Bratislava gelockt. Kaum im Hostel angekommen, werden die drei Freundinnen Beth (Lauren German), Whitney (Bijou Phillips) und Lorna (Heather Matarazzo) per moderner Kommunikation an die Meistbietenden versteigert. Den Zuschlag erhalten der selbstsichere Todd (Richard Burgi) und der an sich zweifelnde Stuart (Roger Bart), welche sich unverzüglich nach Bratislava begeben, um ihre Ware in Empfang zu nehmen…

Meine Meinung

Vorweg sollte ich sagen, dass ich entgegen der allgemeinen Meinung „Hostel“ für einen äußerst gelungenen Film halte und die Aufregung um die im Film dargestellte Gewalt nicht teilen kann. Besonders die sich langsam aufbauende Bedrohung sowie der durch Paxtons Gefangennahme bedingte Stilbruch zur Mitte des Films haben es mir angetan.

„Hostel: Teil 2“ stellt eine konsequente Weiterentwicklung seines Vorgängers dar und baut auf dessen Stärken auf, ohne ihn lediglich zu kopieren.

Beschäftigte sich „Hostel“ in den ersten 45 Minuten noch hauptsächlich mit den Opfern, bleiben die weiblichen Ziele diesmal recht blass. Dafür wird in der Fortsetzung näher auf die beiden Käufer und deren Beweggründe, sich der Organisation anzuschließen, eingegangen. Selbstverständlich darf man keine ausgefeilte Charakterstudie erwarten, doch bekommen wir es diesmal nicht mit namen- und gesichtslosen Killern zu tun: Während sich der Eine beweisen möchte, dass er ein echter Mann ist, versucht der Andere lediglich, seinem tristen Familienleben zu entkommen. Wie bereits in „8MM“ verstärken die niederen Beweggründe der an sich geistig gesunden Kunden die Abscheu vor der Tat erheblich.

Außerdem erfahren wir mehr über die hinter dem Angebot stehende Organisation, welche die Sicherheitsvorkehrungen nach Paxtons Flucht drastisch erhöht hat und Menschenleben inzwischen meistbietend versteigert, statt sie per Festpreis anzubieten. Die Versteigerungen der Mädchen wurden makaber inszeniert und sind meiner Meinung nach wirkungsvoller als die Folterungen an sich, zeigen sie doch deutlich, wie unbekümmert die unterschiedlichen Interessenten mit dem Leben Anderer umgehen.

Über die Folterungen selbst kann ich leider wenig schreiben, sind sie in der deutschen Fassung doch so gut wie nicht vorhanden und höchstens im Ansatz zu bewundern. Allerdings ändert dies nichts an der trostlosen und beklemmenden Atmosphäre, welche die Fortsetzung abermals auszeichnet. Auch ohne graphische Gewalt wird der Grundton des Films gekonnt vermittelt, so dass man sich fragen muss, ob die in der Originalfassung enthaltene Gewalt überhaupt nötig gewesen wäre.

Über die Darsteller lässt sich weder Positives noch Negatives berichten: Von ein oder zwei Statisten abgesehen (niemals direkt in die Kamera schauen, herrje) leisten sich die Darsteller keine Schwächen, qualifizieren sich aber auch nicht gerade für die nächste Oscar-Verleihung. So oder so nimmt man jedem seine Rolle ab, und nur darauf kommt es letzten Endes an.

Mein Fazit

Wer sich für „Hostel“ als zu zart besaitet entpuppte oder mit der ruhigen Inszenierung nichts anzufangen wusste, der sollte von „Hostel: Teil 2“ die Finger lassen: Zu ähnlich sind sich die Filme, als dass man mit der Fortsetzung jemanden bekehren könnte. Im Umkehrschluss bedeutet dies aber auch, dass sich jeder, der in dem Vorgänger einen gelungenen Genre-Beitrag sieht, bedenkenlos die Fortsetzung zu Gemüte führen darf. Ob man mit den Kürzungen leben kann oder auf eine ungeschnitte DVD-Veröffentlichung warten sollte, muss indes jeder mit sich selbst vereinbaren.

Wertung: 8/10

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