Schon vor langer langer Zeit hatte ich mir vorgenommen, mein erstes Special zu verfassen, jedoch wollte mir einfach kein geeignetes Thema einfallen. Nach vielen frustrierenden (und gescheiterten) Versuchen, neue Rundenrekorde in Forza 2 aufzustellen, kam mir heute endlich die erlösende Idee: Videospielverfilmungen. Meistens grottig, seltenst wirklich gelungen – ein dankbareres Thema kann es ja schon fast nicht geben!

Bevor ich jedoch beginne, möchte ich noch eine Kleinigkeit klarstellen: Ich erhebe keinen Anspruch auf Vollständigkeit! Es liegt durchaus im Bereich des Möglichen, dass ich das eine oder andere Meisterwerk nicht kenne bzw. schlicht und einfach vergessen habe. Deswegen an dieser Stelle eine kleine Bitte: Macht ggf. von der Kommentarfunktion Gebrauch!

Und nun auf ans Werk:

Die erste mir bekannte Videospielverfilmungen stellt der grandiose Super Mario Bros. aus dem Jahr 1993 dar – und mit „grandios“ meine ich grandios schlecht. Obwohl der Film mit Namen wie Bob Hoskins und Dennis Hopper (beide waren damals nicht nur schwer, sondern auch schwer im Geschäft) aufwarten kann, beweist er eindrucksvoll, dass es einen Unterschied zwischen „gut gemeint“ und „gut gemacht“ gibt. Auch wenn die Darsteller (u.a. John Leguizamo, Samantha Mathis und Lance Henriksen) durchaus akzeptabel sind und sich, vermutlich vom Praktikanten, viel Mühe gegeben wurde, alle Spielcharaktere mehr oder weniger sinnvoll unterzubringen: Die Story (Klempner Mario und Luigi finden durch Zufall ein Dimensionstor und retten die Menschheit), Ausstattung und Inszenierung sind es nicht.

1994 folgte die Prügelspielverfilmung Double Dragon – Die 5. Dimension mit Mark Dacascos und Scott Wolf als depperte…doppelte Drachen sowie Robert Patrick als, man errät es kaum, Bösewicht. Die Story lässt sich kurz und knackig zusammenfassen: Zwei verwaiste Helden müssen verhindern, dass der Oberfiesling beide Teile eines Amuletts in die Hände bekommt, da ihm das unbegrenzte Macht verleihen würde. Die Kämpfe laufen leider alle recht kindgerecht ab und werden der Vorlage somit keineswegs gerecht. Positiv anzumerken ist, dass der Film sich zum Glück nicht zu ernst nimmt und somit unter bestimmten Bedingungen, Alkohol ich hör dir fließen, durchaus unterhaltsam sein kann.

Ebenfalls 1994 entstand der Jean-Claude-Van-Damme-Actioner Street Fighter – Die entscheidende Schlacht – ein Film, den ich mir, und das meine ich absolut ernst, auch heute noch gerne anschaue. Wie „Double Dragon“ nimmt auch „Street Fighter“ sich keineswegs ernst und kann zudem mit einigen originellen Einfällen wie einer extrem spaßigen Godzilla-Parodie aufwarten. Hinzu kommt, dass es sich hierbei um den letzten Film des leider viel zu früh verstorbenen Raul Julia handelt und man in einer Nebenrolle die tapsigen Schauspielversuche einer gewissen Kylie Minogue bestaunen darf. Dass die Story rund um den machtgierigen General Bison (Julia) und dessen Gegenspieler Colonel Guile (Van Damme) unter einem Fingerhut Platz findet, muss ich vermutlich nicht extra erwähnen.

Weiter geht es mit dem Jahr 1995, in dem Paul W.S. Anderson das Prügelspiel Mortal Kombat auf die Kinoleinwände brachte: Unterstützt durch Lord Rayden (herrlich fehlbesetzt mit dem ewigen Highlander Christopher Lambert) muss eine Gruppe menschlicher Kämpfer ein düsteres Turnier gewinnen, soll die Welt nicht in der Dunkelheit untergehen. So ungeeignet die Vorlage für eine Verfilmung auch ist, die Inszenierung weiß durchaus zu gefallen und bietet eine recht gelungene Ausstattung sowie gut choreografierte Kämpfe. Liu-Kang-Darsteller Robin Shou kann seine Martial-Arts-Fähigkeiten gut ausspielen und findet zudem in Cary-Hiroyuki Tagawa einen würdigen Gegenspieler. Aus Männersicht nicht unbedeutend: Dank Bridgette Wilson und Talisa Soto gibt es vier sehr gute Gründe, den Film ab und zu mal zu entstauben.

1997 folgte mit Mortal Kombat 2 die erste Fortsetzung einer Videospielverfilmung und mit ihr zugleich der bisherige Tiefpunkt dieses Genres. Fangen wir mal mit dem Positiven an: Christopher Lambert wurde durch James Remar ersetzt, während Talisa Soto ihre Rolle ein zweites Mal spielen durfte. Jetzt das Negative: Die Effekte sehen aus, als wären sie am C64 entstanden (sorry, liebe C64-Fans), die Ausstattung weckt Erinnerungen an das letzte Kinderfasching, die Schauspieler spielen schlechter als die betrunkenen Laiendarsteller einer dörflichen Theatertruppe und das Schlimmste: Auch Robin Shou versucht zu schauspielern. Bei „Mortal Kombat 2“ weiß man ehrlich nicht, ob man lachen oder weinen soll, zumal sich der Film auch noch ernst zu nehmen scheint.

Im Jahre 1999 folgte ein Film, dessen Besetzung mit Freddie Prinze Jr., Tchéky Karyo, David Warner und Jürgen Prochnow durchaus bekannte Namen vorweisen kann. Die Rede ist natürlich von Wing Commander, dessen Vorlage wie kein zweites Spiel bereits von sich aus eine eindrucksvolle Mischung aus Spiel und Film darstellt (und mich damals stundenlang vor dem Monitor fesselte). Mussten sich die bisherigen Regisseure von Videospielverfilmungen oft vorwerfen lassen, sich zu weit von der Vorlage entfernt zu haben, so sollte diesmal alles besser werden: Als Regisseur kam der Schöpfer der Serie himself, Chris Roberts, zum Einsatz. Es sollte seine einzige Regiearbeit bleiben, denn obwohl der Film an sich gar nicht so miserabel ist, muss er sich drei Fragen gefallen lassen:

  1. Wieso in drei Teufels Namen hat man nicht wie in den Spielen Mark Hamill die Rolle des Christopher Blair spielen lassen? Oder Thomas F. Wilson die des Todd ‚Maniac‘ Marshall? Neeeiiin, es sollte eine jüngere Zielgruppe angesprochen werden, also mussten auch entsprechende Zugpferde her (hat echt prima funktioniert, Jungs!).
  2. Was ist bloß aus den Kilrathi geworden? Diese schlecht sitzenden Gummimasken sollen bedrohlich wirken? Mal unter uns: Auch hier hätte man sich lieber direkt bei den Spielen bedienen sollen.
  3. In welchem schwarzen Loch sind die grandiosen Raumschlachten verschwunden, die die Wing-Commander-Spiele auszeichnen?

Nein nein, da spiele ich doch lieber zum wiederholten Male „Wing Commander IV: The Price Of Freedom“: Da gibt es bessere Darsteller, bessere Effekte und vorallem eine mitreißende Geschichte.

Und damit findet der erste Teil meines kleinen Rückblicks auch schon sein Ende. In den nächsten Tagen folgen dann die Verfilmungen aus den Jahren 2000 bis 2007 sowie ein kleiner Ausblick auf die Filme, die uns in den nächsten Monaten erwarten.

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