„Ich warne Sie, der letzte Finger, der auf mich gezeigt hat, schwimmt jetzt in Formaldehyd.“

Wenn es eine Serie aus den Achtzigern gibt, die an meiner charakterlichen Entwicklung maßgeblich beteiligt war, dann ist es „Sledge Hammer“. Noch heute benutze ich ohne es zu wollen beinahe täglich mindestens eines der zahlreichen Hammer-Zitate. Was soll ich machen: Sie sind halt zeitlos und vorallem gnadenlos gut…

„Hammer, was machen Sie denn für ein Gesicht?“
„Wenn ich Gesichter machen könnte, hätten Sie schon längst ein anderes.“

Wer die Serie noch nicht kennt, sei hiermit gewarnt: Sie ist niveaulos, politisch unkorrekt und gewaltverherrlichend. Oder anders formuliert: Sie ist eine der besten Serien, die das Fernsehen bis heute hervorgebracht hat.

„Hey, Sie, spielen Sie nicht mit Ihrer Kanone herum. Das Ding macht mich ganz nervös.“
„Na dann erfüllt es seinen Zweck. Ist ja auch schließlich kein Luftbefeuchter.“

Doch worum geht es bei „Sledge Hammer“ eigentlich? Held der Serie ist der titelgebende Inspector Sledge Hammer (David Rasche), ein Waffen und die Gewalt liebender Nihilist. Friedliche und diplomatische Lösungen sind für Hammer ein Tabu. Probleme löst er am liebsten mit seiner besten Freundin Susi, einer 44er Magnum, die ihn auf Schritt und Tritt begleitet, die Nacht neben ihm auf einem Kopfkissen verbringt und Sledge regelmäßig als Gesprächspartner dient.

„Hammer, haben Sie die Nachrichten gesehen?“
„Ich sehe mir keine Nachrichten an, ich mache sie.“

Die zweite Frau in Hammers Leben ist seine Kollegin Detective Dori Doreau (Anne-Marie Martin), ein Kopfmensch, der Gewalt nur im äußersten Notfall einsetzt und damit das genaue Gegenteil von Hammer darstellt. Auch wenn Hammer sie zu Beginn aufgrund ihrer offensichtlichen Weiblichkeit nicht ernst nimmt, kann sie sich schon bald seinem Respekt sicher sein. Obwohl Dori es eigentlich besser wissen müsste, hört sie niemals auf, an das Liebenswerte in Sledge zu glauben.

„Mein Gott, zeigen Sie niemals Ihre Gefühle?“
“Doreau, ich zeige ein ganzes Spektrum an Gefühlen. Zorn, Ärger, Hass…“

Dritter im Bunde ist Hammers und Doreaus cholerischer Chef Captain Trunk (Harrison Page). Unter ständigem Bluthochdruck leidend, vergeht kein Tag, an dem er aufgrund Hammers inakzeptabler Methoden nicht kurz vor einem Nervenzusammenbruch steht.

„Diese Jugendlichen sind gewalttätig, destruktiv und haben keinerlei Respekt vor Autorität.“
“Keine Panik Captain, ich werde mich von ihren Tugenden nicht täuschen lassen.“

Mit diesen drei Charakteren als Stammbesetzung erleben wir nun den knallharten Polizeialltag. Und der hat es wahrlich in sich: Raub, Entführung, Erpressung, Mord – Hammer löst die schwierigsten Fälle. Selbstverständlich immer auf seine ganz spezielle Art und Weise. So wird ein auf dem Dach liegender Scharfschütze zum Beispiel ausgeschaltet, indem per Bazooka einfach das gesamte Haus in die Luft gesprengt wird.

„Unsere Staatsanwältin ist hier, weil in den letzten vier Wochen drei bekannte Verbrecher, die von den Gerichten freigesprochen wurden, niedergeschossen worden sind.“
“Ja und?“
“Wir haben ein ernstes Problem!“
“Wieso? Haben welche überlebt?“

Auch wenn es bislang vielleicht so geklungen haben mag: Die Serie bietet weit mehr als eine vollkommen überzogene Gewaltdarstellung. Neben jeder Menge Slapstick und Situationskomik zeigt „Sledge Hammer“ teils grandiose Parodien auf sämtliche Actionfilme, Krimis und Thriller der damaligen Zeit. Während Hammer selbst praktisch eine überzogene 1:1-Kopie von Dirty Harry ist (dennoch mag er die Filme nicht, da sie ihm zu gewalttätig sind), nehmen viele der Folgen eindeutig Bezug auf bekannte Kinofilme wie z.B. „Der einzige Zeuge“, „Das Ende“, „Crocodile Dundee“ oder „Robocop“.

„Hammer, was halten Sie eigentlich von der Todesstrafe?“
„Ist nicht hart genug. Es könnte ein Leben nach dem Tode geben.“

Auch wenn die Dialoge und Einfälle an sich schon klasse sind, das absolute Highlight einer jeden Folge ist ohne Frage David Rasche: Letztlich ist es seine leicht debile Mimik/Gestik, die die Serie zu einer der auch heute noch lustigsten Erfahrung des Fernsehens macht. Wer einmal Blut an Hammers trotteligem Auftreten geleckt hat, kommt nur schwer wieder davon los. Selbst heute, nach 20 Jahren und zahllosen Wiederholungen, bringen mich seine unglaublichen Aktionen, bevorzugt im Streit mit Cpt. Trunk, immer wieder zum Lachen.

„Hammer, Sie sadistischer, gemeingefährlicher, blutrünstiger Barbar!“
“Haben Sie mich hergebeten, um mich mit Komplimenten zu überschütten?“

Leider brachte es die Serie auf lediglich zwei Staffeln mit insgesamt 41 Folgen. Die zweite Staffel, welche im Vergleich zur ersten zwar deutlich abfällt, jedoch immer noch weit über dem TV-Durchschnitt rangiert, spielt hierbei zeitlich vor der ersten Staffel, da Sledge in Folge 22 nicht den Versuch unterlassen konnte, eine Atombombe zu entschärfen…

Beide Staffeln sind inzwischen günstig auf DVD zu bekommen und dürfen in keiner gut sortierten DVD-Sammlung fehlen. Vertrauen Sie mir: Ich weiß, wovon ich schreibe.

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