Monatsarchiv für November 2007

 
 

Unnötiges Remake: Invasion

Was haben „Die Dämonischen“ (1956), „Die Körperfresser kommen“ (1978) und „Body Snatchers – Angriff der Körperfresser“ (1993) gemeinsam? Richtig: Sie alle erzählen eine mehr oder weniger identische Geschichte, angepasst an den jeweiligen Zeitgeist. Wollen wir hoffen, dass unsere Zeit in 20 oder 30 Jahren nicht an der vierten Variante „Invasion“ gemessen wird.

Worum geht’s

Nach dem Absturz eines Space Shuttles beginnt die Psychiaterin Carol (Nicole Kidman), seltsame Veränderungen an ihren Patienten und den Menschen in ihrer Umgebung festzustellen. Das Verhalten der Betroffenen wird zunehmend emotionsloser, ja beinahe seelenlos. Gemeinsam mit ihrem Freund Ben (Daniel Craig) und dessen Kollegen Stephen (Jeffrey Wright) findet sie heraus, dass außerirdische Viren die Ursache für die Veränderungen sind. Ist man mit dem Virus infiziert und schläft ein, übernimmt es mit Erreichen der Tiefschlafphase den Wirt. Ausgerechnet Carols Sohn Oliver (Jackson Bond) scheint gegen das Virus immun zu sein…

Meine Meinung

So sehr es mich ja auch freut, dass der deutsche Regisseur Oliver Hirschbiegel es nach Hollywood geschafft hat: Das Ergebnis enttäuscht auf ganzer Linie. „Invasion“ lässt jegliche Spannung, jegliche Bedrohung, jegliche Dramatik der Vorgänger völlig vermissen. Selbst der eher harmlose Ableger „The Faculty“ weiß mehr zu fesseln als Hirschbiegels Version der außerirdischen Übernahme.

Die Geschichte plätschert uninspiriert vor sich hin. Menschen verwandeln sich, fliehen, verstecken sich. Doch das alles geschieht so kühl und emotionslos (eigentlich ja schon fast wieder passend), dass es einem als Zuschauer schlicht und einfach egal ist. Auch fehlt ein durchgängiger Faden, der die Charaktere und die Geschichte zusammenhält. In der derzeitigen Fassung wirkt „Invasion“ wie ein, immerhin gut gefilmtes, Stückwerk.

Da Hirschbiegels Version in den Testscreenings gnadenlos durchgefallen ist, musste der Film mehrmals umgeschnitten werden. Interessant wäre, wie die Originalversion wohl ausgesehen haben mag. Vielleicht kommen wir ja auf DVD in den Genuss beider Versionen, so wie es auch bei „Exorzist: The Beginning“ geschehen ist.

Sicherlich hat der Film auch seine guten Szenen. Wenn während eines Essens im Fernsehen verkündet wird, dass Bin Laden und George W. Bush Frieden ankündigen und der Papst verspricht, für Verhütungsmittel in Afrika zu sorgen, fragt man sich als Zuschauer unweigerlich, ob der Preis für unsere Menschlichkeit wirklich gerechtfertigt ist. Allerdings sind solche Szenen äußerst rar gesät. Zu rar, um noch irgendwas retten zu können.

Mein Fazit

Uninspiriertes und innovationsloses Remake, das zwar schick gefilmt wurde, aber weniger wie ein fertiger Film, als vielmehr wie eine Ansammlung unabhängiger Szenen wirkt. Den Schauspielern ist dabei kein Vorwurf zu machen, liefern sie doch alle eine routinierte Leistung ab. Nicht mehr als Mittelmaß und kein Vergleich zu den Vorgängern.

Meine Wertung: 5/10

Zum Träumen schön: Der Sternwanderer

Das Jahr neigt sich langsam aber unaufhaltsam dem Ende entgegen. Die Tage werden kürzer, die Temperaturen fallen und so manch eine(r) hat bereits das eine oder andere Weihnachtsgeschenk vorbereitet. Damit wird es höchste Zeit, auch im Kino langsam umzuschwenken. Weg von den Action-Blockbustern und hin zu den besinnlicheren Filmen. Ja, die Zeit der Märchen und Weihnachtsfilme rückt näher – und findet in „Der Sternwanderer“ einen perfekten Vorboten.

Worum geht’s

Ein kleines Dorf in England: Der junge Tristan (Charlie Cox) ist unsterblich in die ihm unerreichbare Victoria (Sienna Miller) verliebt. Um ihr seine Liebe zu beweisen, verspricht Tristan Victoria, ihr einen abgestürzten Stern zu schenken, der kurz zuvor im benachbarten Stormhold auf die Erde gestürzt ist. Zu Tristans Überraschung handelt es sich bei dem Stern um die junge Yvaine (Claire Danes), die alles andere als erfreut darüber ist, einem Menschen als Geschenk für seine Angebetete zu dienen. Doch nicht nur Tristan hat Interesse an dem Stern: Die Söhne des verstorbenen Königs benötigen Yvaines Amulett, um die Thronfolge übernehmen zu können. Und die Hexe Lamia (Michelle Pfeiffer) und ihre Schwestern ihr Herz, um dadurch ewiges Leben und immer währende Schönheit zu erlangen…

Meine Meinung

Es kommt selten vor, dass ich während eines Films nicht aufhören kann zu lächeln. Bei „Der Sternwanderer“ war es jedoch genau so. Zu sympathisch, zu unterhaltsam, ja, zu schön ist dieser Film, als dass ich mich vor der guten Laune hätte verschließen können – und wollen. Auf einen seichten Fantasyfilm hatte ich mich eingestellt, weit mehr habe ich bekommen.

„Der Sternwanderer“ bietet alles, was für einen gelungenen Märchen-Kinoabend benötigt wird. Sympathische wie skurrile Charaktere, eine romantische Geschichte über einen jungen Mann, der zum Helden wird, sowie einen Hauch von Abenteuer und Action. Befürchtungen, dass bei solch einer Mischung eine auf Zelluloid gebannte Kitsch-Postkarte entstanden ist, dürfen beruhigt daheim gelassen werden. Zahlreiche makabere und selbstironische Einfälle sorgen dafür, dass selbst der kitschigste Moment mit einem Grinsen quittiert wird und die Märchenwelt ihren Reiz behält.

A pro pos Reize: Dass Claire Danes zarte Geschöpfe spielen und den Beschützerinstinkt im Mann wecken kann, weiß ich bereits seit „Der Regenmacher“. Und auch hier kann man(n) nicht anders, als sich in ihre Figur zu verlieben. Hauptdarsteller Charlie Cox wirkt daneben etwas blass, meistert seine Rolle jedoch souverän genug, um sich für weitere Aufgaben zu empfehlen. Ein großes Lob gebührt den gut aufgelegten Nebendarstellern: Michelle Pfeiffer als böse Hexe, Robert De Niro als Luftpirat mit dunklem Geheimnis, Peter O’Toole als „liebender“ König, Rupert Everett als möglicher Thronfolger, Sienna Miller als eingebildete Herzdame, das Aufgebot an bekannten Namen kann sich wahrlich sehen lassen.

Mein Fazit

„Der Sternwanderer“ ist ein wunderschönes Märchen, das Romantik, Humor und Abenteuer perfekt miteinander vereint und sich selbst dabei nie zu ernst nimmt. Die Schauspieler hatten sichtlich Freude an ihrer Arbeit und befinden sich in bester Spiellaune, allen voran Michelle Pfeiffer und Robert De Niro. Ein Film für jeden, der mal wieder ein wenig träumen möchte.

Meine Wertung: 9/10