Die Geschichte moderner Remakes ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Oft haftet ihnen der Ruf an, pure Geldschneiderei, eine Misshandlung des Originals oder im günstigsten Fall einfach nur unnötig zu sein. Dass es sich zum Beispiel auch bei 80er-Jahre-Klassikern wie David Cronenbergs “Die Fliege” oder John Carpenters “Das Ding aus einer anderen Welt” lediglich um Remakes handelt, wird dabei gerne vergessen oder unter den Tisch gekehrt. Wie so oft gilt: Es gibt gute und schlechte Filme, fähige und unfähige Regisseure – und Geschichten, die durch mehrfache Erzählung gewinnen und verlieren. Ob die 2011er-Version von “Fright Night” zu den Gewinnern oder zu den Verlierern gehört, erfahrt ihr, wenn ihr weiterlest …

Worum geht’s

Charmant und gutaussehend, so präsentiert sich der neue Nachbar Jerry (Colin Farrell) dem jungen Charley Brewster (Anton Yelchin) und dessen Mutter Jane (Toni Collette). Nur Charleys Freund Ed (Christopher Mintz-Plasse) ahnt, dass Jerrys Freundlichkeit lediglich Fassade ist. Als Ed eines Morgens nicht in der Schule erscheint, beginnt Charley zu recherchieren und muss erkennen, dass es sich bei Jerry um einen Vampir handelt. Und dass Jerry Mitwisser nicht toleriert …

Meine Meinung

Das Original “Fright Night – Die rabenschwarze Nacht” aus dem Jahr 1985 ist einer jener Filme, die ich als Jugendlicher geliebt habe, die mir auch heute noch unglaublich Spaß machen, die aber dennoch inzwischen ein wenig angestaubt wirken. Die 2011er-Version wirkt da natürlich um einiges frischer und unheimlicher. Und bringt neben der modernen Inszenierung zum Glück auch inhaltlich genug eigene Ideen mit ein, um dem Original erfolgreich die Stirn zu bieten. Dass Tom Holland, Regisseur des Originals, sich am Drehbuch des Remakes beteiligt hat, dürfte als großer Gewinn zu werten sein.

Auch auf Seiten der Darsteller gibt es keinen Grund zur Klage. Colin Farrell erreicht zwar niemals die erotische Ausstrahlung eines Chris Sarandon (der in einem gelungenen Gastauftritt zu sehen ist), punktet dafür aber mit einer gesunden Portion Coolness und kommt zudem um einiges finsterer daher als der 85er-Jerry. Während Anton Yelchin den jugendlichen Helden wider Willen gewohnt sympathisch spielt, überzeugt David Tennant als Vampirjäger Peter Vincent mit versoffen-coolen Sprüchen. Lediglich Christopher Mintz-Plasse übertreibt es bei seiner Darstellung ein wenig, bleibt aber vom Nervfaktor weiter hinter Stephen Geoffreys’ 85er-Ed zurück.

Wo viel Licht, da auch viel Schatten. Und dieses Sprichwort ist hier wörtlich zu nehmen. Der Film ist stellenweise so dunkel, dass sich nur erahnen lässt, was gerade auf der Leinwand geschieht. Meiner Vermutung nach ist dies der 3D-Technik geschuldet, die hier mal wieder völlig verschenkt wird und auf die gut hätte verzichtet werden können. Einen Vorteil hat die Finsternis jedoch: Die teils unterirdischen CGI-Effekte kommen dadurch weniger negativ zur Geltung. Besonders Jerrys Vampirgestalt regt mehr zum Kopfschütteln als zum Gruseln an, was den Spaß insgesamt aber zum Glück nur geringfügig trübt.

Mein Fazit

Gelungenes Remake mit guten Darstellern und witzig-düsterer Atmosphäre, aber teils arg künstlichen Effekten und unnötigem 3D-Ballast. Steht insgesamt auf einer Stufe mit dem Original.

Meine Wertung: 7/10

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