Ich verehre „Stirb langsam“. Ich liebe „Stirb langsam 2“. Und ich halte sowohl „Stirb langsam – Jetzt erst recht“ als auch „Stirb langsam 4.0“ für zwei ausgezeichnete Actionfilme, die zwar deutlich von der Ausgangssituation der ersten beiden Teile abweichen, aber dennoch (oder auch gerade deswegen) würdige Fortsetzungen darstellen und sich stimmig in das Gesamtbild einfügen. Wieso ich das schreibe? Damit ihr meine Review richtig einschätzen könnt und nicht denkt, ihr hättet es mit dem Verriss eines frustrierten Actionfans zu tun, der in den 80ern feststeckt und Fortsetzungen seiner Lieblinge generell ablehnt …

Worum geht’s

John McClane (Bruce Willis) reist nach Moskau, um seinem dort des Mordes angeklagten Sohn Jack (Jai Courtney) beizustehen. Noch nicht mal im Gerichtsgebäude angekommen, gerät John mitten in den Kugelhagel einer schwer bewaffneten Gruppe von Profikillern. Diese hat es auf den ebenfalls vor Gericht stehenden Yuri Komarov (Sebastian Koch) abgesehen, der Kenntnis von einer geheimen Akte mit brisanten Informationen hat, die den korrupten Politiker Chagarin (Sergei Kolesnikov) zu Fall bringen könnten. Komarov kann dem Anschlag dank Jack, der in Wirklichkeit CIA-Agent ist und dessen Verhaftung Teil eines Befreiungsplans war, entkommen. Kaum sitzen sie in ihrem Fluchtfahrzeug, treffen Jack und Komarov auf John, der sich den beiden ohne zu zögern anschließt. Nun ist es an Vater und Sohn, Komarov vor seinen Verfolgern zu schützen und mit seiner Hilfe an die geheimnisvolle Akte zu gelangen …

Meine Meinung

Nein, ich möchte diesen Verriss nicht schreiben. Ich möchte nicht schreiben, dass bei „Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben“ alles misslungen ist, was nur misslingen konnte. Viel lieber würde ich schreiben, dass es sich bei dem nunmehr fünften Teil der Reihe um einen tollen Actionfilm handelt. Um eine würdige Fortsetzung, die den Titel „Stirb langsam“ zu recht trägt. Doch das kann ich leider nicht. Denn dieser Film ist genau der Totalausfall, den ich nie für möglich gehalten hätte.

Um ehrlich zu sein, weiß ich noch nicht mal, wo ich eigentlich anfangen soll. Die Story ist so hanebüchen, so konstruiert, so voller offener Fragen und Logiklöcher, dass sich jeder B-Actionfilm dafür schämen würde. Und als wäre dies nicht schon schlimm genug, wird die ohnehin nicht schlüssige Geschichte auch noch so holprig erzählt, dass jegliche Entstehung eines roten Fadens im Keim erstickt wird. So müssen Handlungssprünge oder Motivation der handelnden Figuren ohne große Erklärung einfach akzeptiert werden. Und seien sie noch so abstrus.

Auch bei den Figuren versagt „Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben“ auf ganzer Linie. Aus dem ehemals verletzlichen Polizisten John McClane, der immer wieder zur falschen Zeit am falschen Ort aufschlägt, ist eine Comicfigur geworden, die jede noch so lebensgefährliche Actionszene ohne große Blessuren übersteht. Damit ist John McClane zu einer Karikatur seiner selbst verkommen. Nicht mal der für McClane typische zynische Humor mag hier zünden, sondern muss platten Kommentaren weichen, die nicht nur nicht lustig sind, sondern oft erschreckend deplatziert wirken und sich zudem ständig wiederholen.

Die weiteren Figuren trifft’s kaum besser. Jai Courtney kann als Jack McClane zwar kräftig austeilen, bleibt als Figur jedoch blass und uninteressant. Von einer gelungenen Chemie zwischen Vater und Sohn kann keine Rede sein, was dazu führte, dass mich die gemeinsame Hatz quer durch Russland komplett kalt gelassen hat. Wenig überraschend kommt hinzu, dass es sich bei den zahlreichen Gegnern der beiden größtenteils um namenlose Zielscheibenfiguren handelt und selbst der Drahtzieher hinter der ganzen Chose absolut beliebig bleibt. Insbesondere letzteres ist einfach nur enttäuschend.

Falls ihr euch nun fragt, ob denn wenigstens die Actionszenen gelungen sind: Nein, sind sie nicht. Die hoch gelobte Verfolgungsjagd zu Beginn bietet zwar enorme Blechschäden, ist aber viel zu hektisch und unübersichtlich geschnitten, als dass man sie wirklich vollumfänglich genießen könnte. Die zahlreichen Schießereien sind solide, fallen letztlich jedoch uninspiriert und unspektakulär aus. Und das Finale ist so dermaßen überzogen, dass ich den Kinosaal am liebsten vorzeitig verlassen hätte. Als trauriger Höhepunkt sei an dieser Stelle die Szene genannt, in der John McClane in Zeitlupe aus einem Fenster springt und seinen Gegnern, die sich in einem abstürzenden Kampfhubschrauber befinden, im Sprung den Mittelfinger entgegen streckt. Würdeloser geht’s kaum.

Positiv kann ich dem Film lediglich anrechnen, dass Bruce Willis trotz allem irgendwie eine coole Sau ist. Und dass das Elend nach 97 Minuten bereits vorbei ist. Yippie-Ya-Yeah, Schweinebacke!

Mein Fazit

Völlig misslungene Fortsetzung, die all das vermissen lässt, was wir an der „Stirb langsam“-Reihe lieben und schätzen. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

Meine Wertung: 3/10 (mit ganz viel gutem Willen und Bruce-Willis-Bonus)

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