Im Kino gesehen: Warte, bis es dunkel wird

15. April 2015 | Filme und Serien | 2 Kommentare

1946 wurden in Texarkana mehrere Menschen brutal ermordet. Der TĂ€ter, von der Presse Phantom-Killer getauft, hatte es auf Liebespaare abgesehen und konnte, trotz immenser BemĂŒhungen durch die Behörden, nie identifiziert und demzufolge auch nie gefasst werden. 1976 nutzte Regisseur Charles B. Pierce diese realen Geschehnisse fĂŒr seinen Film „Der Umleger“ („The Town That Dreaded Sundown“), den die Bewohner von Texarkana wohl nicht ausschließlich positiv aufnahmen. Dennoch findet in Texarkana seit einiger Zeit eine jĂ€hrliche Open-Air-VorfĂŒhrung des Films statt – womit wir bei Alfonso Gomez-Rejons Slasher „Warte, bis es dunkel wird“ angekommen sind, der derzeit in unseren Kinos lĂ€uft.

Worum geht’s

Weil ihnen der Film „Der Umleger“ nicht gefĂ€llt, beschließen Jami (Addison Timlin) und Corey (Spencer Treat Clark) die Open-Air-VorfĂŒhrung zu verlassen und sich stattdessen im Wald ein wenig nĂ€herzukommen. Dort wird das junge Paar von einem Unbekannten angegriffen. Der optisch dem Phantom-Killer Ă€hnelnde Mann ermordet Corey, lĂ€sst Jami jedoch am Leben, damit diese den Behörden eine mysteriöse Botschaft ĂŒberbringen kann. WĂ€hrend die Polizei unter der Leitung des Spezialermittlers Lone Wolf Morales (Anthony Anderson) im Dunkeln tappt, schlĂ€gt der Mörder erneut und erneut zu. Da der TĂ€ter dem Muster der 1976er Verfilmung folgt, vermutet Jami einen Zusammenhang zwischen den Morden und dem Film „Der Umleger“. Und beginnt auf eigene Faust zu ermitteln …

Meine Meinung

Hut ab! Die Macher von „Warte, bis es dunkel wird“ verknĂŒpfen geschickt RealitĂ€t und Fiktion und erschaffen hieraus einen blutig-atmosphĂ€rischen Slasher, der das Rad zwar nicht komplett neu erfindet, sich jedoch einen Platz deutlich ĂŒber dem Durchschnitt sichert. Dass eine reale Mordserie und der daraus entstandene Film als Vorlage fĂŒr eine fiktive Mordserie dienen, ist meines Wissens nach einzigartig. Zumindest habe ich solch eine Konstellation vor „Warte, bis es dunkel wird“ nicht gesehen. Mit dem Hintergrundwissen, dass die ersten Morde tatsĂ€chlich stattgefunden haben, erzeugt der Film eine ganz eigene Spannung und AtmosphĂ€re. Hierzu trĂ€gt auch die ĂŒber alle Zweifel erhabene Optik bei, die es schafft, dank schrĂ€ger Kamerawinkel und eines extremen Weichzeichners einen ganz eigenen Stil zu entwickeln. Einen Stil, der gleichzeitig modern wirkt, aber auch als Verbeugung vor den Filmen der 70er angesehen werden kann und extrem stimmig ausfĂ€llt.

Weit weniger originell sind die Morde ausgearbeitet, was jedoch nicht zuletzt der filmischen Vorlage und somit der Geschichte geschuldet ist. DafĂŒr fallen die Taten fĂŒr eine 16er-Freigabe ĂŒberraschend explizit aus – glĂŒcklicherweise ohne dabei comichaft ĂŒberzeichnet zu wirken, so dass der Film auch in diesen Momenten seine ernste Stimmung nicht verliert.

Leider, und damit komme ich zum einzigen, dafĂŒr aber auch gravierenden Schwachpunkt von „Warte, bis es dunkel wird“ haben die Macher bei der finalen Auflösung etwas zu viel gewollt. Selten lagen „Ich hab’s von Anfang an gewusst!“ und „Bitte? Was fĂŒr ein Mist!“ so eng beieinander. Wirklich schade, da der Film eine Auflösung dieser Art weder nötig gehabt hĂ€tte noch verdient hat.

Mein Fazit

AtmosphĂ€risch ĂŒberzeugender sowie optisch hervorragender Slasher mit interessanter Geschichte – und einer extrem hanebĂŒchenen Auflösung.

Meine Wertung: 7/10

GefÀllt mir:

2 Kommentare

  1. Wieso „extrem“ hanebĂŒchen? Da gab es nun schon wesentlich beknacktere Motive! Weshalb sollte diese psychologisch begrĂŒndbare traumatische Störung nicht möglich sein? Aber ich möchte hier natĂŒrlich nicht spoilern! 😉
    Kann von mir als „altem Horrorfan“ allerdings ebenso wenig behaupten, dass die Lösung, die zumindest zum Teil ĂŒberraschen konnte, auf der Hand gelegen hĂ€tte…
    FĂŒr mich ging das Ende absolut in Ordnung…Und es wurde auch niemand „Neues“ aus dem Hut gezaubert…

    Ansonsten teile ich deine positive EinschĂ€tzung absolut! 🙂

    Antworten
  2. Achtung, weiterlesen auf eigene Gefahr – es folgt ein fieser Spoiler!

    [spoiler]Das Motiv des Ă€lteren TĂ€ters finde ich durchaus nachvollziehbar – und genau diese Person war es auch, die ich als TĂ€ter von Anfang an im Blick hatte.

    Aber wieso in drei Teufels Namen mussten die Macher einen zweiten TĂ€ter einbauen? Diese Wendung ist zwar absolut nicht vorhersehbar, insbesondere durch das schwache Motiv (vielleicht hĂ€tte man dieses einfach weglassen sollen) aber auch extrem unglaubwĂŒrdig, an den Haaren herbeigezogen und fĂŒr die Geschichte absolut nicht notwendig. Auf mich wirkte das so, als sollte das Publikum um jeden Preis ĂŒberrascht werden.

    In meinen Augen war das nur unpassend und hat absolut nicht funktioniert.[/spoiler]

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Sven Kietzke
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