Im Kino gesehen: Indiana Jones und das Königreich des KristallschÀdels

7. Juni 2008 | Filme und Serien | 6 Kommentare

Ich muss zugeben, dass ich „Indiana Jones und das Königreich des KristallschĂ€dels“ bereits in der Preview am 21.05. gesehen habe. Schuld an dieser spĂ€ten Review ist keineswegs meine Faulheit oder das schöne Wetter, sondern vielmehr die Tatsache, dass ich ĂŒber das Gesehene ein wenig nachdenken und vor der Review noch einmal die ersten drei Teile schauen wollte.

Worum geht’s

1957. Area 51. Ein US-Konvoi verschafft sich gewaltsam Zutritt, die vermeintlichen Amerikaner entpuppen sich als Russen auf der Suche nach einem Artefakt. Ihr Gefangener: Dr. Henry Jones Jr. (Harrison Ford), besser bekannt als Indiana Jones. Indy kann den Russen zwar durch eine halsbrecherische Aktion entkommen, das Artefakt muss er ihnen aber ĂŒberlassen. Wieder an seiner UniversitĂ€t angekommen, erfĂ€hrt Indy von dem jungen Mutt Williams (Shia LaBeouf), dass die Russen auf der Suche nach der geheimnisvollen Stadt Akator sind, von der sie sich grenzenlose Macht erhoffen …

Meine Meinung

Bevor ich zum neuesten Indiana-Jones-Streich komme, muss ich noch ein paar Worte zu den ersten drei Teilen verlieren. Keine Angst: Wirklich nur ein paar! Ich mag die alten Indy-Filme. Ich mag sie sogar sehr. Aber ich kann euch nicht erklĂ€ren, wieso ich sie eigentlich so sehr mag. Versuche ich die Filme objektiv zu betrachten, blicke ich auf drei Abenteuerfilme mit gradliniger Story zurĂŒck, mit denen ich kein Aha-Erlebnis verbinde. Vielmehr sind es die vielen Kleinigkeiten, die sich zu einem Ganzen, einem Großen summieren. Und damit komme ich auch schon zu „Indiana Jones und das Königreich des KristallschĂ€dels“.

Als ich das Kino verließ, war ich ein wenig unschlĂŒssig, was ich von dem neuen Indy halten sollte. Doch je mehr ich darĂŒber nachdenke und je mehr ich mein modernes, Highlight-geprĂ€gtes Sehverhalten abstreife, umso besser gefĂ€llt er mir. Wie die alten Teile bietet auch der vierte Indy keine Aha-Erlebnisse, bei denen ich dachte „Genau dafĂŒr wurde das Kino erfunden!“.  Aber das macht gar nichts, denn stattdessen kann er mit der gewohnten Mischung aus Abenteuer, (ĂŒberzogener) Action und Humor aufwarten. Und die funktioniert auch im Jahr 2008 immer noch perfekt. So vergingen die zwei Stunden im Kino wie im Flug, ganz im Gegensatz zu dem Dauergrinsen, das ich dank zahlreicher Anspielungen und Querverweise nicht aus meinem Gesicht verbannen konnte. So kommt zum Beispiel eine Schlange zu einem grandiosen Auftritt und darf Harrison Ford seiner Han-Solo-Rolle aus „Star Wars“ huldigen. Großartig!

Eines muss allerdings klipp und klar gesagt werden: Indy ist mit der Zeit gegangen. Damit meine ich keineswegs die Inszenierung, die passt sich nĂ€mlich perfekt der alten Teile an, sondern vielmehr die Story um den KristallschĂ€del und die Stadt Akator. Wer sich nicht damit abfinden kann, dass der Film in den FĂŒnfzigern spielt, in einer Zeit, in der Alien-Hysterie Hochkonjunktur hatte, und Indiana-Jones-Filme lediglich mit religiösen Artefakten in Verbindung bringt bzw. bringen möchte, wird mit dem Film ein Problem haben.

Ebenfalls ein Problem haben werden diejenigen, die auf Realismus in Actionszenen wert legen. Allerdings kreide ich die Tatsache, dass Dr. Henry Jones Jr. mehr GlĂŒck als John Rambo in Birma hat, dem Film nicht an:  Dass Realismus in einem Indy-Film nicht viel zu suchen hat und oft durch GlĂŒck ersetzt wird, ist hinlĂ€nglich bekannt und gehört einfach dazu. Man erinnere sich nur an die Schlauchboot-Szene in „Indiana Jones und der Tempel des Todes“ …

Harrison Ford, gealtert, aber keineswegs alt, spielt seine Paraderolle mit sichtlicher Freude und empfiehlt sich durchaus fĂŒr ein oder zwei weitere Fortsetzungen. Und dann bitte wieder im Zusammenspiel mit Shia LaBeouf – der im Internet aus mir nicht verstĂ€ndlichen GrĂŒnden gehasst wird wie kein zweiter. Okay, durch Uwe Boll wird er eventuell getoppt, aber das war es dann auch. Sei es drum: Die Chemie zwischen Ford und LaBeouf stimmt ebenso wie die zwischen Ford und Karen Allen, die in die Rolle der Marion Ravenwood zurĂŒckkehren durfte. Ein wenig blass bleiben hingegen Cate Blanchett als Indys Gegenspielerin Irina Spalko, John Hurt als Professor Oxley und vorallem Ray Winstone als Indys Freund Mac. Schade, denn bei diesen Schauspielern wĂ€re sicherlich mehr Tiefe drin gewesen.

Die musikalische Untermalung von John Williams tendiert zwischen „ganz nett“ (das neue Theme) und „GĂ€nsehaut pur“ (die alten Themes, bevorzugt das der Bundeslade). Neue Akzente setzen kann er mit diesem Score leider nicht.

Mein Fazit

Herrlich altmodischer Film, der wie die vorherigen Teile ohne echte Höhepunkte auskommt (steinigt mich fĂŒr diese Aussage ruhig), dafĂŒr aber von Anfang bis Ende auf einem erfreulich hohen Niveau unterhĂ€lt. Derzeit genießt der Film zwar noch den Ruf, nicht so recht zu den alten Teilen passen zu wollen, aber ich denke, diesen Ruf wird er noch abstreifen. Ein Film, der mit der Zeit reift.

GefÀllt mir:

6 Kommentare

  1. Hm, dass Indy’s Artefakt im vierten Teil in den Bereich des Außerirdischen gewechselt ist, hat mir zwar nicht sonderlich gut gefallen, aber das war nicht das Hauptproblem. Mich hat im Prinzip vor allem der Schluss gestört, beginnend mit der verquasten Untertassensequenz und dem was dann danach noch kam…

    Warum zur Zeit ein solches „Shia LaBeouf – Bashing“ stattfindet, ist mir auch nicht klar. Er ist bei weitem nicht so schlecht, wie er geschrieben wird. Aber: Wirklich ĂŒberzeugend hat er seinen Charakter nicht rĂŒberbringen können – und das lag nicht nur am Drehbuch. Da hat er ohne Zweifel noch einiges zu Lernen.

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  2. Die UFO-Szene fand ich richtig klasse: Wie Indy am Hang steht und das Geschehen beobachtet – toll!

    Okay, ĂŒber das (oder heißt es den?) Alien könnte man streiten, aber dann wĂŒrde ich sofort auf die Öffnung der Bundeslade in „JĂ€ger des verlorenen Schatzes“ verweisen. 😉

    Was hast du denn an LaBeoufs Leistung auszusetzen? Auch wenn ich ihn jetzt nicht unbedingt fĂŒr den Oscar vorschlagen wĂŒrde, negativ aufgefallen ist mir nichts. Ich fand seine Leistung sehr solide.

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  3. Also bitte! Keine Vergleiche zwischen nem „UFO“ und der „Bundeslade“. 😉

    Mir wĂ€re es einfach lieber gewesen, wĂ€re diese Sequenz dezenter gewesen. Diese Computer-animierte Untertasse war fĂŒr mich dann zu viel, und dann noch diese zucksĂŒĂŸe Ende in Weiß…

    Zu LaBeouf: Wie ich bereits bei mir geschrieben habe: Dem Jungschauspieler fehlt (noch) das, was Ford hat – NĂ€mlich Ecken und Kanten, eine charismatische Ausstrahlung. LaBeouf geht dies ab, alle 5 Minuten Haare kĂ€mmen reicht fĂŒr ein Profil nicht aus. 😉

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  4. Auf meinem Blog darf ich alles – sogar die Bundeslade mit einem UFO vergleichen! BĂ€tsch! 😉

    Ich hĂ€tte es ja auch origineller gefunden, wenn ein schmucker Tie-Fighter abgehoben hĂ€tte *g*, aber in den FĂŒnfzigern wurden UFOs nun einmal als fliegende Untertassen dargestellt. Insofern finde ich das Design nur konsequent.

    Das weiße Ende hĂ€tte wirklich nicht sein mĂŒssen, aber gestört hat es mich auch wieder nicht. Vorallem finde ich die Szene mit Indys Hut klasse!

    Schauen wir mal wie LaBeouf sich noch entwickelt: In dem Jungen steckt auf jeden Fall großes Potential!

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  5. Ich habe mich auch bestens unterhalten gefĂŒhlt. Nur der angesprochene Schluß war mir etwas zu ĂŒberdreht und die (Vorsicht Spoiler!) Hochzeit hĂ€tte man sich auch sparen können.

    Aber ansonsten perfektes Unterhaltungskino.

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  6. Die Hochzeit haben Spielberg und Lucas bestimmt nur eingebaut, um den nĂ€chsten Teil mit einer Scheidung zu beginnen … 😉

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Sven Kietzke
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