Blood Father (2016)

Ich kann mich noch gut an die Zeiten erinnern, in denen ich (so wie Millionen andere Menschen) nur für Mel Gibson ins Kino gegangen bin. Heute hingegen muss man als Zuschauer froh sein, den Mann überhaupt noch in irgendwelchen Filmen zu sehen. Es ist schade. So verdammt schade. Statt hier nun etwas zur Person Mel Gibson zu schreiben, empfehle ich euch lieber Duoscopes Porträt: Wahn und Wirklichkeit des Mel Gibson – und widme mich stattdessen direkt seinem letzten Film, dem Actiondrama „Blood Father“.

Worum geht’s

Seit Jahren hat John Link (Mel Gibson) nichts mehr von seiner Tochter Lydia (Erin Moriarty) gehört, nun hat er sie plötzlich, mit zittriger Stimme um Geld bittend, am Telefon. Und Lydia zittert zu Recht: Seit sie versehentlich ihren kriminellen Freund Jonah (Diego Luna) erschossen hat, versuchen dessen Männer sie umzubringen. Zum Glück für Lydia hat auch ihr Vater eine kriminelle Vergangenheit und immer noch Kontakte in der Szene. Schon bald findet John heraus, dass hinter der Jagd auf seine Tochter mehr steckt als reine Rache …

Meine Meinung

Als deutscher Zuschauer darf man sich gleich zu Beginn auf eine Überraschung gefasst machen: Mel Gibson wird nicht von seinem Stammsprecher Elmar Wepper synchronisiert, sondern von Martin Umbach. Dieser spricht sonst z.B. Russell Crowe, macht seine Sache aber hervorragend, so dass der stimmliche Wechsel nach ein paar Minuten der Umgewöhnung keine Rolle mehr spielt. Außerdem gibt es in „Blood Father“ noch andere Veränderungen an Mel Gibson, die von der Stimme ablenken. Zum Beispiel der scheinbar unkontrolliert wuchernde Bart. Oder die Muskeln. Meine Fresse, was hat der Mann an Muskelmasse zugelegt. Da fühle ich mich gleich noch spiddeliger als ohnehin schon. Wie dem auch sei, zu der Rolle des mittellosen Ex-Knackis passt Gibsons bulliges, leicht verkommendes Aussehen wie die Faust aufs Auge. Und auch darstellerisch zeigt Gibson einmal mehr, was noch in ihm steckt. Sowohl in den ruhigen Momenten mit seiner Filmtochter als auch in den Actionszenen weiß der inzwischen 61-Jährige nach wie vor zweifellos zu überzeugen.

Letztere hätten dabei ruhig etwas zahlreicher vorkommen dürfen. Dass Regisseur Jean-François Richet packende Actionthriller inszenieren kann, hat er mit dem mehr als nur gelungenen Remake „Das Ende – Assault on Precinct 13“ bewiesen. In „Blood Father“ hingegen hält Richet sich mit der Action (zu) stark zurück und rückt stattdessen das angespannte Verhältnis zwischen Vater und Tochter in den Vordergrund. Dadurch wird der Film zwar alles andere als langweilig, doch hatte ich des Öfteren das Gefühl, als bekäme ich hier lediglich eine Light-Version dessen zu sehen, was bei der Prämisse möglich gewesen wäre. Zumal das Tempo erst im letzten Drittel ordentlich anzieht und in einem überraschend inkonsequenten konsequenten (ja, dieser scheinbare Widerspruch ist gewollt) Finale mündet.

Wer sich auf einen Film mit leicht angezogener Handbremse einstellt, wird von „Blood Father“ nicht enttäuscht werden. Und als Mel-Gibson-Fan macht man hier sowieso nichts verkehrt, zumal trotz der düsteren Geschichte sogar sein komödiantisches Talent ab und an durchblitzt. Einen Knaller wie „Taken“ aka „96 Hours“ solltet ihr aber nicht erwarten.

Mein Fazit

Nicht überwältigende, aber durchaus gelungene Mischung aus Drama und Actionthriller, der ein wenig mehr Tempo und Action nicht geschadet hätten. Auf jeden Fall lässt sich festhalten: Mel Gibson kann’s noch!

Meine Wertung: 7/10

Puls (2016)

John Cusack und Samuel L. Jackson in der Verfilmung eines Romans von Stephen King – von welchem Film ist hier die Rede? Nein, nicht von „Zimmer 1408“ (welchen ich persönlich nach wie vor grandios finde), sondern von „Puls“. Dieser sollte ursprünglich von Eli Roth inszeniert werden, später dann als Miniserie erscheinen und erblickt nun doch als Film in Form einer Direct-to-Video-Premiere das Licht der Welt. Und wer nun befürchtet, dieses Hin und Her könnte dem Film geschadet haben, dem entgegne ich entschieden: Stimmt.

Worum geht’s

Eben noch sucht Comiczeichner Clay (John Cusack) auf dem Flughafen nach einer Möglichkeit sein Smartphone aufzuladen, da ertönt plötzlich ein mysteriöses Signal aus den Handys und verwandelt alle telefonierenden Menschen in reißende Bestien. Nur mit Glück können er und der U-Bahn-Fahrer Tom (Samuel L. Jackson) der tödlichen Situation entkommen und sich in Clays Wohnung in Sicherheit bringen. Während die Welt im Chaos versinkt, machen sich Clay, Tom und Nachbarin Alice (Isabelle Fuhrman) auf die Suche nach Clays Frau Sharon (Clark Sarullo), deren gemeinsamen Sohn Johnny (Ethan Andrew Casto) und einem sicheren Zufluchtsort …

Meine Meinung

Kennt ihr das? Ihr schaut einen Film und denkt „Mensch, diese Situation hätte packend sein können, wenn …“ oder „Okay, das sollte jetzt vermutlich spannend sein, aber …“? So ging es mir bei „Puls“. Und das praktisch ununterbrochen.

Zugegeben, das erste Auftreten des Signals ist durchaus gelungen. Nicht nur, dass das Geräusch selbst wirklich unangenehm ist, auch das darauf folgende Chaos wurde rasant inszeniert und macht Lust auf mehr. Doch leider baut der Film unmittelbar nach dem flotten Einstieg auch direkt wieder ab. Und das deutlich.

So laufen nicht nur die späteren Angriffe der Zombies so genannten Phoner überraschungsarm und wenig kreativ ab, auch die gesamte Geschichte entwickelt sich zwischenzeitlich in verschiedene Richtungen, bis man als Zuschauer nicht mehr weiß, was das Ganze denn nun eigentlich zu bedeuten hat und wohin die ganze Chose schlussendlich führen soll. Phoner, die telepathisch miteinander verbunden sind. Ein Antagonist, der Clays Comicfigur ähnelt. Gemeinsame Alpträume. Vieles wird angedeutet, doch nichts wird zu einem befriedigenden Ende gebracht. Es wirkt fast so, als wäre der Topf voller guter Ideen gewesen, dann aber schlicht die Zeit ausgegangen, um diese auch alle komplett umzusetzen. Was mich zu der Vermutung hinreißen lässt, dass eine Miniserie vielleicht doch die bessere Variante gewesen wäre.

Leider bleiben auch die Charaktere erschreckend flach und unausgearbeitet. Dass in einem Endzeitszenario wie diesem früher oder später auch unter den Sympathieträgern schwere Entscheidungen zu treffen und Opfer zu beklagen sind, ist keine große Überraschung. Doch werden diese Situationen in „Puls“ so oberflächlich und nach Vorschrift abgearbeitet, dass jegliches Mitgefühl für die Figuren im Keim erstickt wird. Passend dazu spielen sowohl John Cusack als auch Samuel L. Jackson so emotionslos, als würden sie stur auf Autopilot laufen. Lediglich Isabelle Fuhrman, die mich bereits in dem spannenden Thriller „Orphan – Das Waisenkind“ zu beeindrucken wusste, schafft es, ihrer Figur zumindest ansatzweise so was wie Charakter zu verleihen.

Hmm, das liest sich jetzt alles ziemlich katastrophal, doch ganz so schlimm ist es dann auch wieder nicht. So sind ein John Cusack oder ein Samuel L. Jackson auf Autopilot immer noch besser als die typischen Darsteller in billig heruntergekurbelten C-Horrorfilmen (kurz zuvor habe ich „Wrong Turn 6: Last Resort“ gesehen, spreche also aus Erfahrung). Und auch wenn die Geschichte unausgegoren wirkt, so gibt es doch immerhin Stellen, die durchaus Potenzial erkennen lassen. Kurz: Für einen regnerischen Nachmittag vor dem Fernseher reicht’s allemal – mehr als einen anspruchslosen Zeitvertreib für zwischendurch solltet ihr aber nicht erwarten.

Mein Fazit

Gute, aber leider auch gelangweilt wirkende Darsteller in einem Film voller verschenkter Möglichkeiten. Da wäre definitiv mehr drin gewesen. Aber auch deutlich weniger, wie ein Blick auf andere Stephen-King-Verfilmungen beweist.

Meine Wertung: 5/10

The Invitation (2015)

Zwei Jahre lang hat Will (Logan Marshall-Green) nichts von seiner Ex-Frau gehört, nun erhalten er und seine neue Lebensgefährtin Kira (Emayatzy Corinealdi) eine Einladung zu einer Dinnerparty. Gemeinsam mit all ihren wichtigsten Freunden möchten Eden (Tammy Blanchard) und ihr neuer Mann David (Michiel Huisman) einen schönen Abend verbringen. Während die offensichtlich zutiefst glücklichen Eden und David teuren Wein servieren und von ihrer Zeit in Mexiko schwärmen, entwickelt Will ob des doch sehr eigenwilligen Verhaltens zunehmend Zweifel an den Absichten der Gastgeber. Doch sind es wirklich Eden und David, die sich merkwürdig benehmen? Oder ist Wills immer paranoider wirkendes Verhalten nur das Ergebnis des von ihm nicht verarbeiteten Unfalltods des gemeinsamen Sohnes?

Hui, was für ein toller Film! Dass „The Invitation“ ein kleiner Geheimtipp sein soll, hatte ich ja schon öfter gelesen – aber dass er mir so gut gefallen würde, das habe ich dann doch nicht erwartet. Dabei passiert in dieser kleinen Thrillerperle eine lange Zeit augenscheinlich nur wenig. Menschen bzw. Freunde sitzen an einem Tisch und unterhalten sich. Das war’s. Doch in jedem dieser scheinbar banalen Gespräche, in jedem freundlichen Lächeln, in jeder noch so kleinen Geste steckt etwas Unheilvolles, das mich von Anfang an packte. Viele Kleinigkeiten, die einzeln betrachtet unbedeutend erscheinen, wirken in ihrer Gesamtheit plötzlich bedrohlich. Wieso sind die Fenster vergittert? Wieso schließt David die Haustür ab und steckt den Schlüssel ein? Und wo bleibt eigentlich der letzte Gast? Dass Will die Party mit Skepsis beobachtet, kann man als Zuschauer nur allzu gut nachvollziehen. Ob diese Skepsis gerechtfertigt ist, lässt der Film lange Zeit offen – und soll an dieser Stelle auch nicht verraten werden.

Fast noch spannender als die Auflösung ist die Frage, wie wir selbst in solch einer Situation handeln würden. Würden wir nett lächelnd über das merkwürdige Verhalten gewisser Personen hinwegsehen? Würden wir unsere Freunde offen darauf ansprechen? Oder würden wir einfach gehen? Wo würden wir, bei aller Toleranz, die Grenze ziehen? Alleine für diese Fragen lohnt es sich, den Film ein zweites Mal zu schauen – und dabei ruhig auch mal unsere Gesellschaft und insbesondere sich selbst zu hinterfragen.

Dass „The Invitation“ so gut funktioniert, verdankt der Film nicht nur dem so langsamen wie effektiven Spannungsaufbau, sondern auch der tollen Kameraarbeit, dem bedrohlichen Score und insbesondere Hauptdarsteller Logan Marshall-Green („Devil“, „Prometheus“). Dieser ist mit Vollbart und Zottelmähne zwar fast nicht wiederzuerkennen, zeigt unter all den Haaren aber ein enormes Spektrum an menschlichen Gefühlen. Toll!

Falls ihr es noch nicht bemerkt habt: Ich bin wirklich begeistert von diesem Film! Alleine dafür hat sich das Netflix-Abo diesen Monat schon wieder gelohnt. Die Blu-ray habe ich für meine Sammlung trotzdem zusätzlich bestellt. Einen Platz in meinem Filmregal hat sich „The Invitation“ definitiv verdient!

Meine Wertung: 9/10

[Heimkino] Kickboxer: Die Vergeltung

An dieser Stelle sollte eigentlich eine raffiniert formulierte Einleitung stehen, die meine Vergangenheit als Kampfsportler (man sieht es mir heute nicht mehr an, aber ich war tatsächlich jahrelang aktiver Karateka), mein Alter (den 89er „Kickboxer“ habe ich damals sogar im Kino gesehen) und das ab morgen erhältliche Remake „Kickboxer: Die Vergeltung“ miteinander in Verbindung bringt. Sollte. Doch nach 3 1/2 Tagen Betreuung eines Messestandes bin ich zu der hierfür notwendigen verbalen Genialität einfach nicht mehr in der Lage. Also müsst ihr euch mit dem zufrieden geben, was ihr eben gelesen habt. Tut mir leid …

Worum geht’s

Von der Promoterin Marcia (Gina Carano) wird Karate-Weltmeister Eric Sloane (Darren Shahlavi) nach Thailand gelockt, um dort gegen den ungeschlagenen Champion Tong Po (Dave Bautista) anzutreten. Erics jüngerer Bruder Kurt (Alain Moussi) ist zwar gegen diesen Kampf, reist Eric aber hinterher, um ihm am Ring beizustehen. Dort kann Kurt jedoch nur hilflos mitansehen, wie Tong Po seinen Bruder brutal tötet. Vom Gedanken an Rache getrieben, versucht Kurt Tong Po zu erschießen, scheitert jedoch und muss bei dem zurückgezogen lebenden Meister Durand (Jean-Claude Van Damme) untertauchen. Nach anfänglichem Zögern erklärt Durand sich bereit, Kurt zu trainieren und auf den alles entscheidenden Kampf gegen Tong Po vorzubereiten …

Meine Meinung

Ja, sie sind irgendwie dämlich. Und ja, sie sind definitiv nicht mehr zeitgemäß. Aber das ist mir egal. Ich vermisse einfach diese sinnlosen Martial-Arts-Filme, in denen der hoffnungslos unterlegene Held erst ordentlich auf die Omme bekommt, dann ein paar Wochen trainiert, erneut auf seinen Erzfeind trifft, auch dieses Mal zu verlieren droht, den Kampf dann aber zu heroischer Musik dreht und als Sieger den Ring verlässt. „Karate Kid“, „Karate Tiger“, „Kickboxer“ – diese Filme haben meine Jugend geprägt. Und ich finde es sehr bedauerlich, dass solche Filme heute so gut wie nicht mehr gedreht werden.

Umso euphorischer war ich, als ich erstmalig las, dass es ein Remake von „Kickboxer“ geben würde – und das sogar mit Jean-Claude Van Damme in einer (größeren) Nebenrolle. Nachdem ich den Film nun gesehen habe, stellt sich jedoch eine gewisse Ernüchterung ein. Versteht mich dabei bitte nicht falsch: „Kickboxer: Die Vergeltung“ ist kein schlechter Film. Sofern ihr, wie ich, ein Fan anspruchsloser Martial-Arts-Filme seid.

Die Handlung *räusper* wird flott erzählt und die überraschend zahlreichen Kämpfe sind abwechslungsreich, auf eine positive Art und Weise altmodisch und dabei erfreulich übersichtlich choreografiert. Außerdem … nein, das war’s eigentlich auch schon. Mehr zeichnet Filme wie diesen ohnehin nicht aus, also verzichte ich auch darauf, diesen Text künstlich aufzublähen.

Was dem Film leider fehlt, ist der naive Charme des Originals. Die heroische Musik im finalen Kampf (das kann doch so schwer nicht sein). Und, jetzt bitte nicht lachen, ein Hauptdarsteller wie Jean-Claude Van Damme. Denn auch wenn Alain Moussi ein begnadeter Kämpfer und absolut nicht unsympathisch ist, so fehlt ihm dann doch das Charisma des berühmten Belgiers. Dieser darf übrigens gleich mehrere Kämpfe bestreiten und beweisen, wie fit er mit Mitte 50 noch immer ist. Ich bin ehrlich beeindruckt.

Mein Fazit

Solider Martial-Arts-Streifen mit schick gefilmten Kämpfen, aber einem viel zu blassen Hauptdarsteller. Jean-Claude Van Damme reißt’s aber definitiv raus!

Meine Wertung: 6/10

Im Heimkino gesehen: The Model

Ja, es ist ruhig geworden in meinem Blog. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass ich letztes Jahr mit der Fotografie begonnen habe. Mit der Porträtfotografie, um genau zu sein. Und in dieses neue Hobby investiere ich derzeit unheimlich viel Zeit und Energie. Selbstverständlich schaue ich immer noch Filme, nur zum Schreiben komme ich derzeit eher selten. Umso schöner, dass mit dem dänischen Drama „The Model“ nun (bzw. bereits letzten Monat) ein Film erschienen ist, der meine zwei Hobbys miteinander vereint und mich dazu gebracht hat, mal wieder die Tastatur zu entstauben. Ob mir der Film gefallen hat und ob er auch für Menschen interessant ist, die mit der Fotografie oder dem Modelgeschäft nichts am Hut haben, erfahrt ihr … jetzt.

Worum geht’s

Die junge Dänin Emma (Maria Palm) träumt davon, einmal für Chanel auf der Pariser Fashion Week zu laufen. Um sich ihren Traum zu erfüllen, zieht Emma nach Paris, wo sie über eine Modelagentur die Chance erhält, mit dem angesagten und charismatischen Fotografen Shane White (Ed Skrein) zusammenzuarbeiten. Das Shooting gerät zwar zu einer mittleren Katastrophe, doch als Emma und Shane sich kurz darauf in einem Club wiedersehen, ist dies der Anfang einer Beziehung, die Emma alle Türen in Paris zu öffnen scheint. Doch die Fashion-Szene spielt nach ihren eigenen Regeln, an denen die ehrgeizige Emma mehr und mehr zugrunde geht …

Meine Meinung

Vermutlich kennt jeder von uns mindestens ein Mädchen bzw. eine junge Frau, die davon träumt, als Topmodel Karriere zu machen. Dass nicht mal Heidi Klum ihr Germany’s Next Topmodel (ja, ich tue das absichtlich so formulieren) als abschreckendes Beispiel genügt, zeigt, wie tief verwurzelt dieser Wunsch sein muss. Und wer kann es den jungen Mädchen verübeln? Ständig gibt’s neue schicke Kleidung, man ziert die Titelseiten der schönsten Magazine und verbringt jede Nacht in einem anderen Luxushotel. Die Abende bestehen durchweg aus fantastischen Feiern, die Männer (oder Frauen) liegen einem zu Füßen – wer bei solch tollen Aussichten andere berufliche Ambitionen hegt, dem ist nun wirklich nicht mehr zu helfen.

Mads Matthiesens Drama „The Model“ zeichnet allerdings ein gänzlich anderes und zutiefst deprimierendes Bild der Modebranche. In Paris angekommen, muss Emma sich ihr winziges Zimmer mit einem zweiten Model teilen, während der schmierige Vermieter nur einen Raum weiter wohnt. Die Freundlichkeit und Anteilnahme aller Personen, die Emma im Lauf ihrer Karriere kennenlernt, wirken von Anfang an aufgesetzt – und erweisen sich letzten Endes auch als solches. Alle Beteiligten sind von Oberflächlichkeit und grenzenlosem Egoismus geprägt. Um die eigenen Ziele zu erreichen oder die Auftraggeber zufriedenzustellen, sind alle Mittel erlaubt. Rücksichtslos wird getan, was vermeintlich notwendig ist oder schlicht gefällt. Die eigene Karriere oder das eigene Vergnügen rechtfertigen alles. Und wo alle gleich ticken, sind echte Konsequenzen kaum zu befürchten. Dass an dieser Haltung Menschen zugrunde gehen, wird billigend in Kauf genommen, da sich letztendlich jeder freiwillig für diese Art zu leben entschieden hat.

Hauptdarstellerin Maria Palm, die im echten Leben tatsächlich ein Supermodel ist, spielt die anfangs naive, später labile Emma erstaunlich stark und facettenreich. Schüttelt man anfangs nach einigen ihrer Entscheidungen noch den Kopf, werden diese später durch einen kleinen Kniff des Drehbuchs in ein anderes Licht gerückt. Spätestens ab diesem Moment wird klar, wie unreif Emma ist und dass sie Unterstützung braucht, die ihr in dieser egoistischen Welt jedoch verwehrt bleibt. Dass Maria Palm es schafft, all dies glaubhaft rüberzubringen, ist mir durchaus ein Kompliment wert.

Manch einer mag vielleicht bemängeln, dass „The Model“ keine echte Spannungskurve zu bieten hat. Da der Film ein Drama und kein Thriller ist, hat mich dies jedoch absolut nicht gestört. Ganz im Gegenteil. Die ruhige, kühle Inszenierung sorgte bei mir vielmehr dafür, dass ich den Film durchweg glaubwürdig fand – und seitdem hoffe, dass das Treiben stark überspitzt dargestellt wurde und die Fashion-Szene in der Realität nicht ganz so verkommen ist.

Mein Fazit

Inhaltlich durchweg interessant, ruhig inszeniert und gut gespielt, ist „The Model“ ein Drama, das zeigt, wohin Oberflächlichkeit und purer Egoismus führen. Auch wer sich nicht für die Modewelt interessiert, darf gerne einen Blick riskieren. Und sei es nur, um vorgeführt zu bekommen, wie man selbst (hoffentlich) nie sein oder werden möchte.

Meine Wertung: 8/10

Im Heimkino gesehen: „I Spit on Your Grave 3: Vengeance is Mine“

Überraschung! Ja, ich lebe noch. Und nur für den Fall, dass ihr es nicht wusstet: Nicht nur ich, auch das „I Spit On Your Grave“-Franchise lebt noch. Obwohl die Fotografie inzwischen gut 90 Prozent meiner Freizeit in Anspruch nimmt, habe ich es geschafft, mir den dritten Teil der (neuen) Reihe anzuschauen. Und sogar darüber zu schreiben. Manchmal geschehen halt noch Zeichen und Wunder. Zum Glück betreibe ich dieses Blog nur als Hobby – und nicht, um damit Geld zu verdienen oder die Weltherrschaft zu übernehmen. So, genug gequatscht. Es soll hier schließlich um den Film gehen …

Worum geht’s

Nach den traumatischen Ereignissen in Louisiana lebt Jennifer (Sarah Butler) zurückgezogen und unter falschem Namen in Los Angeles. Von wiederkehrenden Gewaltphantasien gequält, meidet sie jegliche sozialen Kontakte. In einer Selbsthilfegruppe für Vergewaltigungsopfer lernt Jennifer die taffe Marla (Jennifer Landon) kennen. Es entwickelt sich eine Freundschaft, die abrupt endet, als Marla brutal ermordet wird. Vom inneren Zorn endgültig übermannt, beschließt Jennifer, das Gesetz in die eigene Hand zu nehmen – und startet einen gnadenlosen Rachefeldzug gegen vermeintliche Vergewaltiger …

Meine Meinung

Ein kurzer Blick zurück: Der 2010er „I Spit on Your Grave“ ist ein Remake des umstrittenen Klassikers aus dem Jahr 1978. In beiden Filmen wird die Schriftstellerin Jennifer Hills Opfer einer brutalen Gruppenvergewaltigung und vermeintlich tot zurückgelassen, überlebt jedoch schwer verletzt und schlägt später brutal zurück. 2013 folgte eine Fortsetzung, die inhaltlich in keinem Zusammenhang zu den bisherigen Filmen steht, sondern schlicht dieselbe Geschichte mit neuen Figuren in einer anderen Umgebung noch mal erzählt. Handwerklich ist „I Spit on Your Grave 2“ zwar solide, bietet inhaltlich aber nichts neues und treibt die Demütigungen und Gewalt derart auf die Spitze, dass es selbst mir beim Schauen zeitweise zu viel des Guten war.

Mit „I Spit on Your Grave 3: Vengeance Is Mine“ gibt es nun eine „echte“ Fortsetzung, in der wir endlich erfahren, wie es mit Jennifer Hills weitergeht. Dabei bleibt uns eine erneute Vergewaltigung glücklicherweise erspart. Statt Jennifer zum Opfer eines weiteren Gewaltverbrechens zu machen, konzentriert sich der Film auf die tiefen seelischen Verletzungen, die Jennifer erlitten hat. Und auf deren Folgen. So ist es für Jennifer, abermals toll gespielt von Sarah Butler, nahezu unmöglich, Vertrauen zu anderen Menschen aufzubauen. Sie lebt isoliert, nimmt Belästigungen verstärkt wahr und leidet unter wiederkehrenden Gewaltphantasien. Auch wenn „I Spit on Your Grave 3“ kein psychologisches Drama ist, macht der Film dennoch unmissverständlich klar, wie stark Vergewaltigungsopfer (und deren Angehörige) auch Jahre nach der Tat auf unterschiedlichste Weise unter dieser zu leiden haben. So weit, so gelungen.

Da der Filmtitel aber nun mal verpflichtet, bleibt es natürlich nicht beim Aufarbeiten der Geschehnisse. Und so finden wir Jennifer alsbald in einem blutigen Rachefeldzug wieder. Ein Rachefeldzug, der zwar spannend und interessant ausfällt, aber dennoch leider nicht ganz überzeugen kann. Dass die Gewalt deutlich zurückgefahren wurde, hat mir persönlich ehrlich gesagt sehr gut gefallen, dürfte Gorehounds aber sauer aufstoßen. Trotz zwei überdurchschnittlich brutaler Szenen ist „I Spit on Your Grave 3“ eher als harter Thriller im „Ein Mann sieht rot“-Stil zu verstehen – und nicht unbedingt als weiterer Vertreter des Rape-and-Revenge-Genres.

Was mir hingegen weniger gut gefallen hat, sind die Schwächen im Drehbuch. Und die nicht genutzten Chancen. Zum Beispiel agiert die Polizei so unfähig, dass ich mich frage, wie diese jemals auch nur ein Verbrechen lösen konnte. Schließlich ist es nicht so, dass Jennifer sich bei ihren Taten bzw. beim Vertuschen der Spuren sonderlich geschickt anstellt. Bedauerlich ist außerdem, dass Jennifers Amoklauf letztlich nur tatsächlich schuldige Männer trifft. Wären auch Unschuldige unter den Opfern, würde dies dem Film gleich eine ganz andere Tiefe verleihen. Auch wenn der Film dadurch nicht ungenießbar wird, sorgt das doch für deutliche Abzüge in der B-Note.

Mein Fazit

„I Spit on Your Grave 3“ ist eine spannende Fortsetzung mit toller Hauptdarstellerin und interessanten Ansätzen, bleibt insgesamt aber leider etwas zu oberflächlich. Da wäre mehr drin gewesen. Aber auch deutlich weniger.

Meine Wertung: 7/10

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