Angeschaut: John Wick: Kapitel 2 (2017)

Nach mehreren eher mäßig erfolgreichen Filmen gelang Keanu Reeves 2014 (bzw. bei uns 2015) mit „John Wick“ ein fulminantes Comeback. Die Rolle des gefürchteten Auftragskillers, der eigentlich ausgestiegen war und seinen Frieden gefunden hatte, für einen privaten Rachefeldzug aber noch mal zu den Waffen griff, war Reeves perfekt auf den Leib geschneidert. Keanu Reeves war großartig, die Action war großartig – kein Wunder, dass die Fans (inklusive mir) nach einer Fortsetzung schrien. Und sie sollten sie bekommen. Doch wie das mit Fortsetzungen oftmals so ist …

Worum geht’s

Während seines Rachefeldzuges tötete John Wick den Gangsterboss Viggo Tarasov, dessen Sohn Iosef sowie so ziemlich jeden Handlanger der Tarasovs. Nun befindet er sich auf dem Weg zu Viggos Bruder Abram (Peter Stormare), der Johns gestohlenen Wagen bei sich versteckt. Viele Leichen und ein Friedensangebot später sitzt John endlich bei sich zu Hause, in der Hoffnung, sein altes Leben nun endgültig hinter sich lassen zu können. Mit dieser Hoffnung ist es jedoch vorbei, als Santino D’Antonio (Riccardo Scamarcio) vor der Tür steht. Dieser hatte John einst den Ausstieg ermöglicht und dafür von John eine Schuldmünze erhalten, welche er nun, da John zurück ist, einlösen möchte. Um sich von seiner Schuld zu befreien, soll John Santinos Schwester Gianna (Claudia Gerini) töten, was eine Machtübernahme durch Santino ermöglichen würde. Widerwillig führt John den Auftrag aus, wird danach aber von Santino verraten. Von so ziemlich jedem Auftragskiller gejagt, muss John einmal mehr beweisen, dass man sich mit ihm besser nicht anlegen sollte …

Meine Meinung

Bereits nach den ersten zehn Minuten des Films hatte ich die Befürchtung, dass es mit uns beiden schwer werden würde. Und ich sollte Recht behalten. Der Beginn des Films ist praktisch eine einzige Actionszene – und zeigt direkt, was man als Zuschauer von „John Wick: Kapitel 2“ erwarten darf. Nun bin ich der letzte, der Actionszenen nicht zu schätzen weiß. Doch auch wenn der Beginn toll choreografiert ist, so ist diese Szene schlicht und einfach zu lang. Zu überzogen, was sie zeitweise beinahe wie eine Parodie wirken lässt. Und, was am schlimmsten ist, sie ist zu monoton. Und genau diese Monotonie zieht sich durch so ziemlich jede Actionszene des Films, denn John erledigt seine Gegner stets auf dieselbe Art und Weise. Mit Blick auf einen eingeübten Profikiller mag dies vielleicht sogar realistisch sein, doch mich hat die stets identische Vorgehensweise nach kurzer Zeit nur noch gelangweilt. Ein oder zwei Schüsse auf den Körper, dann ein Schuss in den Kopf, vorher gegebenenfalls noch den Gegner anspringen und zu Fall bringen – nächster. Und das immer und immer wieder. Wie eine Schallplatte, die einen Sprung hat. Klar gibt es zwei oder drei Aktionen, die tatsächlich in Erinnerung bleiben könnten, doch gehen diese in der Masse einfach unter.

Dass mich dieser Actionfilm dennoch recht gut unterhalten hat, liegt ironischerweise an allen Szenen, die nichts mit Action zu tun haben. „John Wick: Kapitel 2“ steigt viel tiefer in die Welt der Auftragskiller ein und zeigt wesentlich deutlicher, wie deren Regeln funktionieren – was ich tatsächlich sehr interessant fand. Wenn sich zwei Menschen bis auf das Blut bekämpfen, später im sicheren Hotel dann aber an der Bar gemeinsam etwas trinken, mag das albern wirken, zeigt aber auch, wie ernst die Auftragskiller ihre Regeln nehmen, um sich von psychopathischen Mördern abzugrenzen. Neben der gelungenen Kameraarbeit und der generell tollen Optik, die insbesondere im spiegelnden Finale schlicht grandios ist, sind es Szenen wie diese, die den Film interessant bleiben lassen.

Von den Darstellern bleiben eigentlich nur Keanu Reeves und Ian McShane in Erinnerung, die ihre aus dem Vorgänger bekannten Rollen gut fortführen. Der von Riccardo Scamarcio dargestellte Oberschurke Santino D’Antonio bleibt erschreckend blass, was leider auch für die beiden einzigen echten Gegner von John Wick, die von Ruby Rose und Common dargestellten Profikiller Ares und Cassian gilt. Laurence Fishburnes Auftritt hingegen wirkte auf mich mehr wie ein „Matrix“-Fanservice, teilweise unfreiwillig komisch und damit komplett verschenkt. Gefreut habe ich mich dafür über das kurze Wiedersehen mit Franco Nero, der demnächst tatsächlich noch mal als Django auf die Welt losgelassen wird. Der Mann hat einfach Charisma!

Mein Fazit

Schick gefilmter, aber auch eintöniger Actionreißer mit einem coolen Helden in einer interessanten Welt. Bleibt zu hoffen, dass die bereits angekündigte Fortsetzung, die dann auch den Abschluss bilden soll, in den Actionszenen etwas mehr Abwechslung bieten wird. Dann stünde uns ein echter Kracher bevor.

Meine Wertung: 6/10

Angeschaut: The Ambulance (1990)

Als ich vor einigen Jahren, nachdem mein letzter Videorekorder dahingeschieden war, meine VHS-Sammlung auflöste, trennte ich mich damit von vielen Filmen, die es zu diesem Zeitpunkt noch nicht auf DVD bzw. Blu-ray gab. Hauptsächlich handelte es sich dabei um B- und C-Filme, die vielleicht nicht kulturell wertvoll, in meinen Augen aber verdammt unterhaltsam waren. Hätte ich damals gewusst, dass viele dieser Filme selbst heute nicht erhältlich sein würden, ich hätte mir eher einen neuen Videorekorder gekauft. Aber gut, aus Fehlern lernt man (hoffentlich). Umso größer war dafür gestern die Freude, als ich endlich die Blu-ray zu Larry Cohens Thrillerkomödie „The Ambulance“ in meinen Händen halten durfte. Und um es gleich vorweg zu nehmen: Der Film ist genau so unterhaltsam, wie ich ihn in Erinnerung hatte.

Worum geht’s

In jeder Mittagspause sieht Comiczeichner Josh (Eric Roberts) seine Traumfrau, traut sich aber nicht sie anzusprechen. Eines Tages gibt er sich einen Ruck und schafft es mit seinem losen Mundwerk sogar, ein paar Sympathiepunkte bei ihr zu sammeln. Doch dann bricht Cheryl (Janine Turner), die wegen ihrer Diabetes gerade auf dem Weg zum Arzt war, auf der Straße zusammen. Josh wartet mit ihr auf den Krankenwagen und verspricht, sie nach Feierabend im Krankenhaus zu besuchen. Abends muss er jedoch feststellen, dass Cheryl in keinem Krankenhaus angekommen ist. Da ihm der zuständige Lt. Spencer (James Earl Jones) keinen Glauben schenken will, beginnt Josh auf eigene Faust zu ermitteln – und findet heraus, dass Cheryl nicht die erste Person mit Diabetes ist, die von einem Krankenwagen abgeholt wurde und danach verschwand …

Meine Meinung

Kennt ihr das auch? Ihr habt einen Film seit Jahren nicht mehr gesehen, mochtet ihn damals sehr gerne, schaut ihn dann erneut und seid enttäuscht, weil ihr ihn viiieeel besser in Erinnerung hattet? Vermutlich kennt jeder diese Situation. Ich gebe es zu: Ich hatte ein wenig Angst, dass dies auch auf „The Ambulance“ zutreffen könnte. Aber Pustekuchen, der Film ist auch heute noch Spaß pur! Was größtenteils daran liegt, dass „The Ambulance“ einerseits zwar ein Thriller, vielmehr noch aber auch eine schwarzhumorige Komödie mit so schrägen wie liebenswerten Figuren und extrem bissigen Dialogen ist.

Insbesondere Eric Roberts läuft hier als zwar leicht unbeholfener, aber auch hartnäckiger Held wider Willen zu absoluter Höchstform auf. Wie er wieder und wieder verzweifelt versucht, überforderte Polizisten von seiner Geschichte zu überzeugen und dabei seine vorlaute Klappe nicht halten kann, ist einfach grandios anzusehen. Insbesondere mit der von Megan Gallagher gespielten Polizistin Malloy, die ihm als einzige glauben will, liefert er sich einige extrem bissige Wortgefechte. Übertrumpft wird Roberts jedoch von Red Buttons, der als alternder Reporter Elias seine letzte große Story wittert und dabei Sprüche (und sonstiges) herausposaunt, dass es eine Freude ist. Der großartige James Earl Jones hingegen darf zwar einige lässige Sprüche zum Besten geben, wird insgesamt aber leider etwas unter Wert verkauft. Immerhin liefert er mit seinem nie enden wollenden Vorrat an Kaugummis einen spaßigen Running Gag – und darf in seiner ersten Szene noch einmal eine Situation aus „Best of the Best“ nachspielen (in dem Jones ein Jahr zuvor mit Roberts zu sehen war).

Ihr lest es zwischen den Zeilen vielleicht heraus: Ich hatte mit den Figuren meinen Spaß. Leider führt dieser Spaß allerdings auch dazu, dass sich „The Ambulance“ nicht wirklich ernst nehmen lässt. Und das ist dann auch seine größte Schwächte, denn für einen packenden Thriller sind nicht nur die Figuren zu schräg und die Dialoge zu putzig, auch ist die Geschichte (selbst für damalige Verhältnisse) insgesamt viel zu vorhersehbar. Ein wenig wirkt der Film wie eine überzeichnete Comicversion von „Coma“. Was vielleicht sogar gewollt war und erklären würde, wieso Protagonist Josh von Beruf Comiczeichner bei Marvel ist und einen Chef namens Stan hat – der selbstverständlich von Stan Lee persönlich gespielt wird.

Egal, denn auch wenn die Spannung nicht in schwindelerregende Höhe getrieben wird, unterhaltsam ist der Film in jeder einzelnen der insgesamt 91 Minuten. Und das ist weit mehr, als andere B-Filme zu bieten haben!

Mein Fazit

Kurzweilige Mischung aus Thriller und Komödie, die dank schnippischer Dialoge, schräger Figuren und einem grandios aufgelegten Eric Roberts in jeder Minute unterhält. Über die vorhersehbare Geschichte (und kleinere Logiklücken) schaue ich da gerne hinweg.

Meine Wertung: 8/10

Angeschaut: Split (2016)

So, nun ist es doch passiert. Zum ersten Mal seit meiner mir selbst auferlegten Kinopause sah ich einen Film und dachte danach „Scheiße, hättest du den mal im Kino gesehen!“. Wegen einer ganz speziellen Szene. Einer Szene, die ich im Kino definitiv laut gefeiert hätte (und dabei vom restlichen Publikum vermutlich für bekloppt erklärt worden wäre). Aber es ist, wie es ist: Ich habe „Split“ zu Hause gesehen. Und mir die besagte Szene von M. Night Shyamalan selbst bei Twitter spoilern lassen. Da bleibt doch die Frage: Konnte mich der Film dennoch begeistern?

Worum geht’s

Während ihr Vater die letzten Geschenke im Kofferraum verstaut, wartet Claire (Haley Lu Richardson) mit ihrer Freundin Marcia (Jessica Sula) und der aus Höflichkeit eingeladenen Außenseiterin Casey (Anya Taylor-Joy) im Auto darauf, nach Hause gefahren zu werden. Plötzlich steigt ein Fremder (James McAvoy) ins Auto und betäubt die Mädchen. Als die drei wieder zu sich kommen, befinden sie sich in einem Kellergewölbe. Da der Entführer sich erst wie ein Mann, dann wie eine Frau und später wie ein neunjähriger Junge benimmt, wird den Mädchen schnell klar, dass er unter einer multiplen Persönlichkeitsstörung leidet. Während Claire, Marcia und Casey überlegen, wie sie ihrem Peiniger entkommen können, beginnt dessen Therapeutin Dr. Karen Fletcher (Betty Buckley) zu ahnen, dass ihr Patient ihr etwas verheimlicht …

Meine Meinung

Es fällt mir gerade unheimlich schwer, über „Split“ zu schreiben, ohne auf eine ganz spezielle Szene einzugehen. Eine Szene, die ich gar nicht mal unbedingt als Twist bezeichnen würde, durch die der Film jedoch noch mal neu betrachtet werden kann (bzw. muss) und für mich persönlich eine ganz besondere Bedeutung erhält, weil er dadurch einen lang gehegten Wunsch erfüllt. Ich versuche es trotzdem mal.

M. Night Shyamalan ist zurück! Ja, ich weiß, viele schrieben dies bereits bei seinem letzten Film „The Visit“. Doch auch wenn mir dieser durchaus sehr gut gefallen hat, ein „echter“ Shyamalan ist er meiner Meinung nach nicht. Echte Shyamalans sind für mich Filme wie „Sixth Sense“, „Unbreakable“, „Signs“, „The Village“, „Das Mädchen aus dem Wasser“ und „The Happening“ – allesamt Filme, die durch ihre extrem ruhige Inszenierung, hervorragende Kameraarbeit und einen gewissen Hang zum Übernatürlichen bestechen. Und genau hier reiht sich auch „Split“ ein. Was zur Folge hat, dass der Thriller dem einen oder anderen sicherlich zu wenig Thrill bietet, während ich mich nur frage, wie man von dem nur schwer vorhersehbaren Geschehen, und insbesondere von der hervorragenden Atmosphäre, nicht gefesselt sein kann.

Dass der Film so gut funktioniert, verdankt er jedoch nicht nur seiner spannenden Geschichte und der äußerst gelungenen Atmosphäre, sondern insbesondere auch seinen drei Darstellerinnen Haley Lu Richardson, Jessica Sula und Anya Taylor-Joy. Und dessen Figuren. Diese benehmen sich zur Abwechslung nämlich mal nicht wie hilflose Opfer (was ironischerweise im Film sogar angesprochen wird), sondern erstaunlich clever und zielgerichtet. Wobei besonders die von Anya Taylor-Joy gespielte Casey hervorsticht, deren Hintergrundgeschichte im Laufe des Films offenbart wird und sowohl dem Charakter als auch dem Film eine tiefere Bedeutung verleiht.

Und dann ist da natürlich James McAvoy, der die verschiedenen Charaktere seiner Figur schlicht genial spielt. Höhepunkt ist hierbei sicherlich eine Szene, in der sich eine Persönlichkeit als eine andere ausgibt, um die eigene Therapeutin zu täuschen – eine grandiose Leistung von McAvoy! Aber gut, etwas anderes sind wir von dem sympathischen Darsteller eigentlich ja auch nicht gewohnt.

Ihr habt es vielleicht bereits zwischen den Zeilen herausgelesen: Obwohl das Ende für mich keine Überraschung mehr war, hat mir „Split“ ausgesprochen gut gefallen. Um genau zu sein, setzt sich der Film spontan auf Platz 2 meiner persönlichen Shyamalan-Rangliste. Und nein, „Sixth Sense“ schafft es nicht auf Platz 1. 😉

Mein Fazit

Fantastischer Entführungsthriller mit tollen Darstellern und Gänsehautfinale, das allerdings nur dann seine volle Wirkung entfaltet, wenn es nicht erklärt werden muss. Mich hatte es schon bei der Musik …

Meine Wertung: 8/10

Angeschaut: The Void (2016)

Würdet ihr mich fragen, welche Horrorfilme mich am stärksten geprägt haben, kämen als Antwort bekannte Klassiker wie „Tanz der Teufel“, „Hellraiser“, „A Nightmare On Elm Street“, „Halloween“, „Poltergeist“ – also all jene Genrebeiträge, über die Jugendliche heute nur noch kichern oder den Kopf schütteln. Ich hingegen liebe diese Filme nach wie vor und freue mich über jeden aktuellen Film, der auch nur ansatzweise den Geist dieser Ära atmet. Dementsprechend gespannt war ich auf den ab morgen erhältlichen „The Void“, dessen Trailer all das zu vereinen schien, was mir an den alten Filmen gefiel. Ob ich mich zu recht gefreut habe oder am Ende enttäuscht wurde, erfahrt ihr wie immer … jetzt.

Worum geht’s

Sheriff Carter (Aaron Poole) will seine nächtliche Streife gerade beenden, als ihm ein Unbekannter direkt vors Auto stolpert. Da der Mann schwere Verletzungen aufweist, bringt Carter ihn in das nächstgelegene Krankenhaus, welches nach einem Brand kurz vor der Schließung steht und deshalb nur noch notdürftig besetzt ist. Kaum ist Carter mit dem Fremden angekommen, bricht im Krankenhaus die Hölle los. Eine Krankenschwester tötet einen der Patienten, schneidet sich selbst die Haut von dem Gesicht und verwandelt sich in ein schleimiges Tentakelmonster. Vor dem Krankenhaus versammeln sich vermummte Gestalten, die die Eingeschlossenen äußerst brutal daran hindern, das Krankenhaus zu verlassen. Und dann ist da noch der Keller …

Meine Meinung

In praktisch jeder Meinung zu „The Void“ fallen die Namen John Carpenter und Clive Barker. Und jetzt, nachdem ich den Film gesehen habe, verstehe ich auch, wieso. Ein zusammengewürfelter Haufen, der sich in einer Extremsituation dem Bösen entgegenstellen muss – praktisch die komplette erste Hälfte des Films ist typischer John-Carpenter-Stoff. In der zweiten Hälfte wird „The Void“ dann blutiger, abartiger, surrealer – und ähnelt immer mehr einer Geschichte von Clive Barker. Und das ist bitte absolut positiv zu verstehen. Zwar lassen sich die Regisseure Jeremy Gillespie und Steven Kostanski eindeutig von den großen Vorbildern inspirieren, folgen gleichzeitig aber auch eigenen Pfaden, so dass „The Void“ niemals zum reinen Abklatsch gerät. Der Film erzählt vielleicht keine gänzlich neue, aber auch keine allzu ausgelutschte Geschichte. Und das ohne unnötigen Humor, mit erfrischender Härte und in ebenso abstoßenden wie ästhetischen Bildern.

Passend dazu fallen auch die Effekte herrlich altmodisch aus. Hier gibt es keine CGI, sondern echte Masken, echtes Kunstblut – oder anders formuliert: echte Handarbeit. Und bei allem Respekt, den ich modernen CGI-Künslern durchaus entgegenbringe: Die handgemachten Effekte aus „The Void“ übertreffen die üblichen CGI-Effekte moderner Horrorfilme um Längen. Weil sie einfach natürlicher wirken. Echter. Und ekliger. Trotz des vermutlich recht überschaubaren Budgets.

Ist „The Void“ also ein modernes Meisterwerk? So weit würde ich dann doch nicht gehen, denn der Film leistet sich auch seine Schwächen. Zum Beispiel bei der Geschichte, die zum Ende hin immer abstruser wird und dem Zuschauer einiges an Phantasie und Toleranz abverlangt. Auch wenn die Handlung durchaus einem roten Faden folgt, wirft das Geschehen mit der Zeit mehr Fragen auf, als es beantwortet – und lässt somit reichlich Platz für eine eigene Interpretation. Gut, Horrorfans, die wie ich mit Filmen aus den Achtzigern groß geworden sind, sind so was gewohnt. Das heutige Publikum hingegen, welches gefühlt für jede Kleinigkeit eine Erklärung benötigt, dürfte sich damit vermutlich eher schwer tun.

Auch bei den Charakteren, die leider recht blass bleiben, wäre mehr drin gewesen. Menschliche Hintergründe werden zwar angedeutet, aber leider nur oberflächlich betrachtet. Mit der Konsequenz, dass echte Anteilnahme am Schicksal der einzelnen Figuren eher ausbleibt.

Nichtsdestoweniger kann ich „The Void“ jedem Horrorfan wärmstens ans Herz legen. Und mal ganz ehrlich: Schwächen hatten und haben auch unsere geliebten Klassiker von damals. Das macht sie aber nicht zu schlechteren Filmen.

Mein Fazit

Herrlich altmodischer Horrorfilm im Stil der Achtziger, der zwar keine neuen Maßstäbe setzt, Fans des Genres (und des Jahrzehnts) aber in Verzückung versetzen dürfte.

Meine Wertung: 8/10

Kurz abgehakt: Underworld Awakening (2012)

Seit die Menschheit von der Existenz von Vampiren und Lykanern weiß, macht die Regierung unerbittlich Jagd auf die beiden Rassen. Bei einer der zahlreichen Säuberungsaktionen wird Selene (Kate Beckinsale) von Michael (Scott Speedman) getrennt, gerät in Gefangenschaft und landet schließlich als Versuchsobjekt im Labor des Wissenschaftlers Dr. Jacob Lane (Stephen Rea). Erst 12 Jahre später gelingt Selene die Flucht und begibt sich sofort auf die Suche nach Michael. Dabei trifft sie auf das junge Mädchen Eve (India Eisley), das wie Michael ein Hybrid aus Vampir und Lykaner ist …

Nachdem das Prequel „Aufstand der Lykaner“ ohne sie auskommen musste, kehrte Kate Beckinsale 2012 mit der Fortsetzung „Awakening“ in das Underworld-Universum zurück. Leider kann diese dennoch nicht an die Qualität der von Len Wiseman inszenierten „Underworld“ und „Underworld: Evolution“ anknüpfen. Die Action fällt zwar durchaus temporeich und überraschend blutig aus, wirkt oft aber auch recht künstlich und längst nicht so packend wie in den unmittelbaren Vorgängern. Auch lassen die Atmosphäre und die Figuren etwas zu wünschen übrig, was angesichts des düsteren Endzeitszenarios und der immer wieder durchblitzenden, durchaus dramatischen Schicksale schon eine kleine Enttäuschung ist. Dafür gibt es im Verlauf der Geschichte eine nette Wendung, die ich so in der Tat nicht erwartet hatte – und die leider auch die einzige Überraschung bleiben soll.

Versteht mich bitte nicht falsch, schlecht ist „Underworld Awakening“ nicht. Nur halt auch nicht so gut, wie er hätte sein können. Als kurzweiliger, anspruchsloser Actionfilm mit Horrorelementen funktioniert „Underworld Awakening“ durchaus. Und kann zudem mit Kate Beckinsale in der Hauptrolle und einem Lied von Evanescence (yeah!) im Abspann glänzen. Da reicht es mir dann auch, von dem Film nicht begeistert, sondern mit dem Resultat einfach „nur“ zufrieden zu sein.

Meine Wertung: 6/10

Angeschaut: Lazer Team (2015)

Als ich letzten Monat gefragt wurde, ob ich Lust hätte, eine Review zur Science-Fiction-Komödie „Lazer Team“ zu schreiben, wusste ich rein gar nichts über diesen Film. Erst durch die spätere Recherche erfuhr ich, dass es sich bei „Lazer Team“ um ein Projekt der YouTuber von Rooster Teeth handelt. Nun, spätestens seit Bibis Song wissen wir alle, dass es böse enden kann, wenn YouTuber die nächste Stufe erklimmen möchten. Sehr böse. Ob „Lazer Team“ für die Augen das ist, was „How it is (wap bap … )“ für die Ohren ist, erfahrt ihr in der folgenden Review …

Worum geht’s

Seit das Militär in den 60ern von der Existenz einer feindlich gesinnten außerirdischen Rasse erfahren hat, bereitet es sich intensiv auf den bevorstehenden Kampf vor. Damit die Menschheit überhaupt eine Chance hat, bekommt das Militär von freundlich gesinnte Aliens einen Superkampfanzug geschickt. Durch einen von einer übergroßen Feuerwerksrakete verursachten Unfall gelangt dieser Anzug jedoch in die Hände der vier Versager Hagan (Burnie Burns), Zach (Michael Jones), Herman (Colton Dunn) und Woody (Gavin Free). Da sich der Anzug genetisch an die Person bindet, die das jeweilige Teil als erstes benutzt, muss sich statt des Militärs nun das selbst ernannte Lazer Team in den Kampf um die Menschheit stürzen …

Meine Meinung

Puh, Entwarnung! „Lazer Team“ ist zwar alles andere als ein Meisterwerk, aber auch keine Gefahr für die Gesundheit. Und damit für mich schon mal eine positive Überraschung. Zugegeben, die Effekte sehen teilweise schon ein wenig dilettantisch bzw. die Optik des Films generell recht günstig aus, doch andererseits wirkt der Film optisch immer noch deutlich hochwertiger als die typische Asylum-Produktion. Und da sich der Film selbst absolut nicht ernst nimmt, passt auch der eine oder andere misslungene Effekt irgendwie ins Konzept. Oder anders formuliert: Wenn ich über schlechte Effekte belustigt schmunzle, statt mich darüber zu ärgern, haben die Macher wohl doch irgendwas richtig gemacht.

Leider lässt sich jedoch auch nicht abstreiten, dass der Film längst nicht so absurd ist, wie er hätte werden können. Nicht nur die Handlung, auch die Pointen bleiben größtenteils schon beinahe erschreckend gewöhnlich. Ein bisschen wirkt es so, als hätte den Machern der Mut gefehlt, komplett aus dem typischen Komödien-Einheitsbrei auszubrechen und dem Wahnsinn einfach freien Lauf zu lassen. Dabei hätte gerade dieser (zwischendurch immer mal wieder durchblitzende) Wahnsinn dem Film hervorragend zu Gesicht gestanden. So dümpelt „Lazer Team“ nach einem gelungenen Einstieg insbesondere im Mittelteil mit im Sande verlaufenden Pointen recht unspektakulär vor sich hin, bevor er sich dann im Finale wieder fängt. Da wäre deutlich mehr drin gewesen.

Nichtsdestoweniger wirken alle Beteiligten so, als hätten sie beim Dreh eine Menge Spaß gehabt. Und wer weiß, vielleicht bekommen wir in der für 2018 bereits angekündigten Fortsetzung ja die volle Ladung Gaga-Humor serviert. Lassen wir uns überraschen …

Mein Fazit

Sympathischer Science-Fiction-Trash, der trotz guter Ansätze leider nicht durchgeknallt genug ist und dadurch weit hinter seinen Möglichkeiten zurück bleibt.

Meine Wertung: 5/10

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