Angeschaut: „The Warriors Gate“ (2016)

Wie ich vor ein paar Tagen bereits schrieb, bin ich trotz „fortgeschrittenen“ Alters ein Freund von Filmen, in denen, ich zitiere mich mal ganz frech selbst, „Kinder oder Teenager ein (gerne auch abstruses) Abenteuer erleben, dabei über sich hinauswachsen und am Ende als Held dastehen“. Kennt ihr zum Beispiel „Sidekicks“ mit Jonathan Brandis und Chuck Norris? Oder „The Forbidden Kingdom“ mit Michael Angarano, Jet Li und Jackie Chan? Beides sicherlich keine Filme, die in die Geschichte eingegangen sind – aber diesen einen Nerv bei mir treffen, der sie für mich sympathisch macht. Ob auch der von Luc Besson produzierte „The Warriors Gate“ solch ein Film ist, erfahrt ihr, ihr ahnt es schon, genau jetzt …

Worum geht’s

Das Leben des Teenagers Jack (Uriah Shelton) ist derzeit alles andere als einfach. Da die Geschäfte schlecht laufen, stehen er und seine Mutter Annie (Sienna Guillory) vor dem finanziellen Aus und kurz davor, das Dach über dem Kopf zu verlieren. Außerdem wird Jack beinahe täglich von seinen Mitschülern, insbesondere von dem Schläger Travis (Dakota Daulby) und dessen Gang, gemobbt. Halt findet Jack lediglich bei seinem väterlichen Freund Mr. Chang (Henry Mah), in dessen Laden er nach der Schule arbeitet. Als Jack in Mr. Changs Keller ein altes Familienerbstück entdeckt, bekommt er dieses als Dank für seine gute Arbeit geschenkt und nimmt es mit zu sich nach Hause. In der Nacht steht plötzlich der chinesische Krieger Zhoo (Mark Chao) an Jacks Bett. Auf der Suche nach einem Beschützer für die Prinzessin Su Lin (Ni Ni) ist Zhoo über Mr. Changs Familienerbstück in Jacks Welt gelangt – und hält Jack für den legendären Krieger Black Knight, Jacks unbesiegten Videospielcharakter. Obwohl Jack das Missverständnis aufklären kann, lässt Zhoo die Prinzessin vorerst in Jacks Obhut. Als am nächsten Tag auch barbarische Krieger durch das Portal in Jacks Welt gelangen und Su Lin entführen, um sie ihrem Anführer Arun (Dave Bautista) zu übergeben, springt Jack hinterher …

Meine Meinung

Ich geb’s zu: Ich bin positiv überrascht. „The Warriors Gate“ ist nicht nur ganz okay, sondern richtig, also so richtig richtig unterhaltsam! Was nicht nur an den durchweg sympathischen Figuren liegt, sondern insbesondere auch daran, dass der Film sich selbst absolut nicht ernst nimmt und wesentlich humorvoller ist, als ich angenommen hätte. Speziell der von Dave Bautista gespielte Oberschurke Arun und dessen Handlanger Brutus („wir brauchen ein Zeichen“) sind eine helle Freude und sorgen mit ihren Dialogen und Running Gags für jede Menge Spaß. Zugegeben, manchmal wird auch ein wenig übers Ziel hinausgeschossen, so dass der Film ins Alberne abdriftet, aber mit Blick auf die Zielgruppe der Jüngeren und Junggebliebenen ist das absolut verschmerzbar.

Mit Blick auf eben diese Zielgruppe wurde auch die Action inszeniert. Blut gibt es hier dementsprechend keines zu sehen, das Geschehen bleibt stets familiengerecht. Dennoch ist die Action aufgrund der gelungenen Choreografie und der hochwertigen Ausstattung schick anzusehen, auch wenn echte Highlights leider ausbleiben. Für einen lockeren Einstieg in die Welt der historischen Martial-Arts-Filme ist „The Warriors Gate“ auf jeden Fall durchaus geeignet.

Etwas enttäuschend fallen hingegen die CGI-Effekte aus. Insbesondere der verzauberte Brutus sieht arg künstlich aus und will auch gar nicht so recht in diesen Film passen, der ansonsten mit Computereffekten recht sparsam umgeht. Aber gut, irgendwas ist ja immer.

Wo ich gerade bei „irgendwas ist ja immer“ bin: Dass die Geschichte keinerlei Überraschungen parat hält und stur nach bekanntem Schema abläuft, muss ich vermutlich gar nicht erst erwähnen. Dem Spaß-Faktor tut dies zum Glück keinen Abbruch. Im Gegenteil, manchmal ist man ja auch froh darüber, genau das zu bekommen, was man erwartet.

Mein Fazit

Familiengerechtes Martial-Arts-Fantasy-Abenteuer mit sympathischen Figuren, jugendfreier Action und viel Humor. Stellenweise etwas albern, aber stets unterhaltsam.

Meine Wertung: 7/10

P.S.: Falls ihr jetzt Lust auf den Film bekommen habt (was ich doch sehr hoffe): Noch bis zum 22.10. habt ihr die Chance, den Film bei mir auf Blu-ray oder DVD zu gewinnen!

Angeschaut: John Wick: Kapitel 2 (2017)

Nach mehreren eher mäßig erfolgreichen Filmen gelang Keanu Reeves 2014 (bzw. bei uns 2015) mit „John Wick“ ein fulminantes Comeback. Die Rolle des gefürchteten Auftragskillers, der eigentlich ausgestiegen war und seinen Frieden gefunden hatte, für einen privaten Rachefeldzug aber noch mal zu den Waffen griff, war Reeves perfekt auf den Leib geschneidert. Keanu Reeves war großartig, die Action war großartig – kein Wunder, dass die Fans (inklusive mir) nach einer Fortsetzung schrien. Und sie sollten sie bekommen. Doch wie das mit Fortsetzungen oftmals so ist …

Worum geht’s

Während seines Rachefeldzuges tötete John Wick den Gangsterboss Viggo Tarasov, dessen Sohn Iosef sowie so ziemlich jeden Handlanger der Tarasovs. Nun befindet er sich auf dem Weg zu Viggos Bruder Abram (Peter Stormare), der Johns gestohlenen Wagen bei sich versteckt. Viele Leichen und ein Friedensangebot später sitzt John endlich bei sich zu Hause, in der Hoffnung, sein altes Leben nun endgültig hinter sich lassen zu können. Mit dieser Hoffnung ist es jedoch vorbei, als Santino D’Antonio (Riccardo Scamarcio) vor der Tür steht. Dieser hatte John einst den Ausstieg ermöglicht und dafür von John eine Schuldmünze erhalten, welche er nun, da John zurück ist, einlösen möchte. Um sich von seiner Schuld zu befreien, soll John Santinos Schwester Gianna (Claudia Gerini) töten, was eine Machtübernahme durch Santino ermöglichen würde. Widerwillig führt John den Auftrag aus, wird danach aber von Santino verraten. Von so ziemlich jedem Auftragskiller gejagt, muss John einmal mehr beweisen, dass man sich mit ihm besser nicht anlegen sollte …

Meine Meinung

Bereits nach den ersten zehn Minuten des Films hatte ich die Befürchtung, dass es mit uns beiden schwer werden würde. Und ich sollte Recht behalten. Der Beginn des Films ist praktisch eine einzige Actionszene – und zeigt direkt, was man als Zuschauer von „John Wick: Kapitel 2“ erwarten darf. Nun bin ich der letzte, der Actionszenen nicht zu schätzen weiß. Doch auch wenn der Beginn toll choreografiert ist, so ist diese Szene schlicht und einfach zu lang. Zu überzogen, was sie zeitweise beinahe wie eine Parodie wirken lässt. Und, was am schlimmsten ist, sie ist zu monoton. Und genau diese Monotonie zieht sich durch so ziemlich jede Actionszene des Films, denn John erledigt seine Gegner stets auf dieselbe Art und Weise. Mit Blick auf einen eingeübten Profikiller mag dies vielleicht sogar realistisch sein, doch mich hat die stets identische Vorgehensweise nach kurzer Zeit nur noch gelangweilt. Ein oder zwei Schüsse auf den Körper, dann ein Schuss in den Kopf, vorher gegebenenfalls noch den Gegner anspringen und zu Fall bringen – nächster. Und das immer und immer wieder. Wie eine Schallplatte, die einen Sprung hat. Klar gibt es zwei oder drei Aktionen, die tatsächlich in Erinnerung bleiben könnten, doch gehen diese in der Masse einfach unter.

Dass mich dieser Actionfilm dennoch recht gut unterhalten hat, liegt ironischerweise an allen Szenen, die nichts mit Action zu tun haben. „John Wick: Kapitel 2“ steigt viel tiefer in die Welt der Auftragskiller ein und zeigt wesentlich deutlicher, wie deren Regeln funktionieren – was ich tatsächlich sehr interessant fand. Wenn sich zwei Menschen bis auf das Blut bekämpfen, später im sicheren Hotel dann aber an der Bar gemeinsam etwas trinken, mag das albern wirken, zeigt aber auch, wie ernst die Auftragskiller ihre Regeln nehmen, um sich von psychopathischen Mördern abzugrenzen. Neben der gelungenen Kameraarbeit und der generell tollen Optik, die insbesondere im spiegelnden Finale schlicht grandios ist, sind es Szenen wie diese, die den Film interessant bleiben lassen.

Von den Darstellern bleiben eigentlich nur Keanu Reeves und Ian McShane in Erinnerung, die ihre aus dem Vorgänger bekannten Rollen gut fortführen. Der von Riccardo Scamarcio dargestellte Oberschurke Santino D’Antonio bleibt erschreckend blass, was leider auch für die beiden einzigen echten Gegner von John Wick, die von Ruby Rose und Common dargestellten Profikiller Ares und Cassian gilt. Laurence Fishburnes Auftritt hingegen wirkte auf mich mehr wie ein „Matrix“-Fanservice, teilweise unfreiwillig komisch und damit komplett verschenkt. Gefreut habe ich mich dafür über das kurze Wiedersehen mit Franco Nero, der demnächst tatsächlich noch mal als Django auf die Welt losgelassen wird. Der Mann hat einfach Charisma!

Mein Fazit

Schick gefilmter, aber auch eintöniger Actionreißer mit einem coolen Helden in einer interessanten Welt. Bleibt zu hoffen, dass die bereits angekündigte Fortsetzung, die dann auch den Abschluss bilden soll, in den Actionszenen etwas mehr Abwechslung bieten wird. Dann stünde uns ein echter Kracher bevor.

Meine Wertung: 6/10

Kurz abgehakt: Underworld Awakening (2012)

Seit die Menschheit von der Existenz von Vampiren und Lykanern weiß, macht die Regierung unerbittlich Jagd auf die beiden Rassen. Bei einer der zahlreichen Säuberungsaktionen wird Selene (Kate Beckinsale) von Michael (Scott Speedman) getrennt, gerät in Gefangenschaft und landet schließlich als Versuchsobjekt im Labor des Wissenschaftlers Dr. Jacob Lane (Stephen Rea). Erst 12 Jahre später gelingt Selene die Flucht und begibt sich sofort auf die Suche nach Michael. Dabei trifft sie auf das junge Mädchen Eve (India Eisley), das wie Michael ein Hybrid aus Vampir und Lykaner ist …

Nachdem das Prequel „Aufstand der Lykaner“ ohne sie auskommen musste, kehrte Kate Beckinsale 2012 mit der Fortsetzung „Awakening“ in das Underworld-Universum zurück. Leider kann diese dennoch nicht an die Qualität der von Len Wiseman inszenierten „Underworld“ und „Underworld: Evolution“ anknüpfen. Die Action fällt zwar durchaus temporeich und überraschend blutig aus, wirkt oft aber auch recht künstlich und längst nicht so packend wie in den unmittelbaren Vorgängern. Auch lassen die Atmosphäre und die Figuren etwas zu wünschen übrig, was angesichts des düsteren Endzeitszenarios und der immer wieder durchblitzenden, durchaus dramatischen Schicksale schon eine kleine Enttäuschung ist. Dafür gibt es im Verlauf der Geschichte eine nette Wendung, die ich so in der Tat nicht erwartet hatte – und die leider auch die einzige Überraschung bleiben soll.

Versteht mich bitte nicht falsch, schlecht ist „Underworld Awakening“ nicht. Nur halt auch nicht so gut, wie er hätte sein können. Als kurzweiliger, anspruchsloser Actionfilm mit Horrorelementen funktioniert „Underworld Awakening“ durchaus. Und kann zudem mit Kate Beckinsale in der Hauptrolle und einem Lied von Evanescence (yeah!) im Abspann glänzen. Da reicht es mir dann auch, von dem Film nicht begeistert, sondern mit dem Resultat einfach „nur“ zufrieden zu sein.

Meine Wertung: 6/10

Angeschaut: Hard Target 2 (2016)

1993 drehte John Woo mit „Harte Ziele“ nicht nur seinen ersten, sondern gleichzeitig auch seinen bis heute besten US-Film. Und ja, ich habe „Im Körper des Feindes: Face/Off“ gesehen. Dieser ist zwar nett inszeniert und insbesondere schön massentauglich, war aber schon damals stellenweise eher unfreiwillig komisch. Und mal ehrlich: Die Action in „Harte Ziele“ fällt vielleicht nicht so pompös, aber dennoch schlicht beeindruckender aus. Wenn ich alleine an die grandiose Musik im Finale denke, gerate ich schon wieder ins Schwärmen. Aber lassen wir das, denn darum geht es heute nicht. Heute geht es um die Fortsetzung einen Film mit gleichem Titel und ähnlicher Thematik. Und ob sich dieser lohnt.

Worum geht’s

Seit er versehentlich seinen besten Freund im Ring getötet hat, hält sich Wes Baylor (Scott Adkins) mit kleineren Hinterhofkämpfen über Wasser. Als er von dem Promoter Aldrich (Robert Knepper) das Angebot erhält, für 1 Million Dollar einen Titelkampf in Myanmar zu bestreiten, willigt Baylor ein. In Myanmar angekommen, wartet statt eines Rings jedoch eine Gruppe von Jägern (u.a. Rhona Mitra) auf Baylor, die es auf die ultimative Trophäe abgesehen hat: ihn.

Meine Meinung.

Kommen wir direkt zum Offensichtlichen: Auch wenn ich ihn gerne sehe, Scott Adkins ist nicht Jean-Claude Van Damme. Robert Knepper ist nicht Lance Henriksen. Und Regisseur Roel Reiné ist definitiv nicht John Woo. Erwartungsgemäß kann „Hard Target 2“ nicht mal ansatzweise mit seinem Vorgänger mithalten. Und vermutlich hat dies auch niemand ernsthaft erwartet. Die Figuren sind blass bis unfreiwillig komisch, Story und Spannung köcheln irgendwo auf Sparflamme vor sich hin und selbst die Action bleibt weitestgehend unspektakulär. Am ehesten bleiben noch die Kämpfe von Scott Adkins in Erinnerung, auch wenn dieser letztlich nichts anderes zeigt als sonst auch. Abgesehen von ein paar optischen Anspielungen (Tauben in Zeitlupe, ähnliche Outfits, identische Bewaffnung) erinnert hier also leider nichts an „Harte Ziele“, der nicht nur coole Charaktere und fantastische Action, sondern sogar ab und an durchblitzende Sozialkritik zu bieten hatte.

Das an sich ist übrigens noch nicht mal besonders problematisch, sondern reicht durchaus für einen anspruchslosen Videoabend. Da ist aber noch etwas anderes: Ein Opfer, das unter falschen Voraussetzungen an einen abgelegenen Ort gelockt wird. Eine Gruppe von Jägern, die lieber Menschen statt Tiere jagt. Und unter den Jägern befindet sich ein Vater, der seinen Sohn endlich zum Mann machen möchte. Das alles kommt mir doch irgendwie bekannt vor. Und wisst ihr woher? Nein, nicht aus „Harte Ziele“. Aus „Surviving The Game“.

In diesem 1994 entstandenen Actionthriller von Ernest R. Dickerson („Ritter der Dämonen“) machen Rutger Hauer, Gary Busey, Charles S. Dutton, John C. McGinley sowie F. Murray Abraham und William McNamara (als Vater-Sohn-Gespann) Jagd auf das ahnungslose Opfer Ice-T. Nein, „Surviving The Game“ ist kein großer Film. Aber für einen B-Film hervorragend besetzt und immer noch deutlich packender und in sich stimmiger als „Hard Target 2“. Und das ist dann doch eine herbe Enttäuschung. Nicht mit dem großen Bruder mithalten zu können, ist eine Sache. Aber es nicht mal mit dem kleinen Cousin aufnehmen zu können … das ist schon ein wenig … peinlich.

Mein Fazit

„Hard Target 2“ ist ein anspruchsloser Actionthriller, den ihr euch an einem regnerischen Tag durchaus anschauen könnt – bevor ihr gar nichts tut und nur sinnlos auf der Couch rumgammelt. Im Zweifel schaut aber lieber „Harte Ziele“ oder „Surviving The Game“. Auch wenn ihr die Filme schon kennt. Davon habt ihr deutlich mehr.

Meine Wertung: 4/10

Blood Father (2016)

Ich kann mich noch gut an die Zeiten erinnern, in denen ich (so wie Millionen andere Menschen) nur für Mel Gibson ins Kino gegangen bin. Heute hingegen muss man als Zuschauer froh sein, den Mann überhaupt noch in irgendwelchen Filmen zu sehen. Es ist schade. So verdammt schade. Statt hier nun etwas zur Person Mel Gibson zu schreiben, empfehle ich euch lieber Duoscopes Porträt: Wahn und Wirklichkeit des Mel Gibson – und widme mich stattdessen direkt seinem letzten Film, dem Actiondrama „Blood Father“.

Worum geht’s

Seit Jahren hat John Link (Mel Gibson) nichts mehr von seiner Tochter Lydia (Erin Moriarty) gehört, nun hat er sie plötzlich, mit zittriger Stimme um Geld bittend, am Telefon. Und Lydia zittert zu Recht: Seit sie versehentlich ihren kriminellen Freund Jonah (Diego Luna) erschossen hat, versuchen dessen Männer sie umzubringen. Zum Glück für Lydia hat auch ihr Vater eine kriminelle Vergangenheit und immer noch Kontakte in der Szene. Schon bald findet John heraus, dass hinter der Jagd auf seine Tochter mehr steckt als reine Rache …

Meine Meinung

Als deutscher Zuschauer darf man sich gleich zu Beginn auf eine Überraschung gefasst machen: Mel Gibson wird nicht von seinem Stammsprecher Elmar Wepper synchronisiert, sondern von Martin Umbach. Dieser spricht sonst z.B. Russell Crowe, macht seine Sache aber hervorragend, so dass der stimmliche Wechsel nach ein paar Minuten der Umgewöhnung keine Rolle mehr spielt. Außerdem gibt es in „Blood Father“ noch andere Veränderungen an Mel Gibson, die von der Stimme ablenken. Zum Beispiel der scheinbar unkontrolliert wuchernde Bart. Oder die Muskeln. Meine Fresse, was hat der Mann an Muskelmasse zugelegt. Da fühle ich mich gleich noch spiddeliger als ohnehin schon. Wie dem auch sei, zu der Rolle des mittellosen Ex-Knackis passt Gibsons bulliges, leicht verkommendes Aussehen wie die Faust aufs Auge. Und auch darstellerisch zeigt Gibson einmal mehr, was noch in ihm steckt. Sowohl in den ruhigen Momenten mit seiner Filmtochter als auch in den Actionszenen weiß der inzwischen 61-Jährige nach wie vor zweifellos zu überzeugen.

Letztere hätten dabei ruhig etwas zahlreicher vorkommen dürfen. Dass Regisseur Jean-François Richet packende Actionthriller inszenieren kann, hat er mit dem mehr als nur gelungenen Remake „Das Ende – Assault on Precinct 13“ bewiesen. In „Blood Father“ hingegen hält Richet sich mit der Action (zu) stark zurück und rückt stattdessen das angespannte Verhältnis zwischen Vater und Tochter in den Vordergrund. Dadurch wird der Film zwar alles andere als langweilig, doch hatte ich des Öfteren das Gefühl, als bekäme ich hier lediglich eine Light-Version dessen zu sehen, was bei der Prämisse möglich gewesen wäre. Zumal das Tempo erst im letzten Drittel ordentlich anzieht und in einem überraschend inkonsequenten konsequenten (ja, dieser scheinbare Widerspruch ist gewollt) Finale mündet.

Wer sich auf einen Film mit leicht angezogener Handbremse einstellt, wird von „Blood Father“ nicht enttäuscht werden. Und als Mel-Gibson-Fan macht man hier sowieso nichts verkehrt, zumal trotz der düsteren Geschichte sogar sein komödiantisches Talent ab und an durchblitzt. Einen Knaller wie „Taken“ aka „96 Hours“ solltet ihr aber nicht erwarten.

Mein Fazit

Nicht überwältigende, aber durchaus gelungene Mischung aus Drama und Actionthriller, der ein wenig mehr Tempo und Action nicht geschadet hätten. Auf jeden Fall lässt sich festhalten: Mel Gibson kann’s noch!

Meine Wertung: 7/10

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