Im Kino gesehen: The Amazing Spider-Man 2: Rise Of Electro

Ruhig geworden in meinem Blog es ist. Und einen Grund dafür es gibt. Unglaublich, aber wahr: Ich war knapp vier Wochen lang nicht im Kino. Doch keine Angst, ich lebe noch. Und es geht mir gut. Ich hatte in letzter Zeit lediglich mehr Lust auf Videospiele als auf Kinofilme. Doch in den letzten vier Tagen war ich endlich wieder fleißig und habe insgesamt vier Filme geschaut, zu denen es nun nach und nach die dazugehörigen Reviews geben wird. Los geht’s mit „The Amazing Spider-Man 2: Rise Of Electro“ …

Worum geht’s

Peter Parker (Andrew Garfield) hat mit der Vergangenheit zu kämpfen. Sein Versprechen gegenüber dem verstorbenen Captain Stacy, Abstand zu dessen Tochter Gwen (Emma Stone) zu halten, belastet die Beziehung der beiden stark. Und auch das Verschwinden seiner Eltern lässt Peter keine Ruhe. Seine Ermittlungen führen ihn Schritt für Schritt in Richtung Oscorp. Dort hat inzwischen Peters Jugendfreund Harry Osborn (Dane DeHaan) die Leitung übernommen. Harry leidet unter derselben tödlichen Krankheit, die bereits seinem Vater Norman das Leben kostete und hofft, dass ihm dessen Forschungen das Leben retten können. Harry vermutet, dass die Lösung in Spider-Mans Blut liegen könnte. Um dieses zu bekommen, verbündet er sich mit Max Dillon (Jamie Foxx), der seit einem schweren Unfall die Fähigkeit besitzt, Elektrizität zu absorbieren und für seine Zwecke zu nutzen …

Meine Meinung

Puh, es ist gar nicht einfach, zu beschreiben, worum es in „The Amazing Spider-Man 2: Rise Of Electro“ geht, ohne zu viel zu schreiben und vor allem zu viel zu verraten. Und damit komme ich ohne große Umschweife auch gleich zu dem großen Problem, das ich mit dem Film habe: Er ist, trotz seiner Laufzeit von immerhin 142 Minuten, einfach viel zu überladen. Im Laufe des Films werden so viele Handlungsstränge aufgebaut, dass irgendwann nicht mehr klar ist, worum es nun eigentlich genau geht. Das Schicksal von Peters Eltern und Oscorps Beteiligung daran? Harrys tödliche Krankheit und dessen Suche nach einer Heilung? Max Dillons tragische Verwandlung vom unbedeutenden Niemand zum Superschurken Electro? Die Beziehung zwischen Peter und Gwen, die unter Peters Doppelleben zu leiden hat? Oder geht es doch eher um den generellen Umgang mit Macht, Verantwortung und Trauer? Letztlich hängt wie so oft zwar alles irgendwie zusammen, doch dadurch, dass versucht wird, so viele Handlungsstränge gleichberechtigt unter einen Hut zu bringen, scheitert der Film an seiner eigenen, allerdings nur scheinbaren, Komplexität. Denn letztlich bleibt der Film ironischerweise erschreckend oberflächlich. Besonders deutlich wird dies an den beiden Superschurken, deren Entstehung nicht nur viel zu schnell vonstattengeht, sondern die auch jegliche charakterliche Tiefe vermissen lassen. Beide werden als tragische Figuren eingeführt, dann wird einfach ein Schalter umgelegt und klick, ist die Figur abgrundtief böse. Für die inneren Kämpfe, die einen Superschurken üblicherweise nach dessen Verwandlung begleiten, ist hier schlicht kein Platz. Ganz ehrlich, das haben der erste Teil und vor allem Sam Raimi in seiner Trilogie wesentlich besser hinbekommen.

Doch versteht mich bitte nicht falsch, „The Amazing Spider-Man 2: Rise Of Electro“ ist kein Totalausfall. Der Film ist sogar äußerst unterhaltsam. Die Action wurde spektakulär inszeniert, ist tricktechnisch auf dem neuesten Stand und bietet einige wirklich beeindruckende Schauwerte. Der Humoranteil wurde deutlich ausgebaut und bietet genau die richtige Mischung aus Spider-Mans typischen Albernheiten und gelungener Situationskomik. Die Darsteller, allen voran natürlich Andrew Garfield als Peter Parker und Emma Stone als Gwen Stacy, passen nach wie vor wie die Faust aufs Auge. Und dank seiner zahlreichen Handlungsstränge und Nebenkriegsschauplätze ist sichergestellt, dass immer irgendwo irgendwas passiert und der Film trotz seiner Laufzeit nie langweilig wird.

Und dennoch ist der Film nicht viel mehr als ein Sammelsurium vieler gelungener Einzelszenen, die für sich betrachtet durchaus unterhaltsam und interessant sind, aber leider niemals so recht ineinander greifen und ein großes Ganzes ergeben wollen. Ich hoffe, dass der für 2016 bereits angekündigte „The Amazing Spider-Man 3“ eine bessere Mischung findet.

Mein Fazit

Unterhaltsame Comicverfilmung mit sympathischen Darstellern und beeindruckenden Effekten, die mehr erzählen will, als es die Laufzeit zulässt. Und letztlich genau daran scheitert.

Meine Wertung: 6/10

Im Heimkino gesehen: Trollhunter

Wie ihr wisst, bin ich stets auf der Suche nach gelungenen Genrebeiträgen. Hierbei stoße ich in letzter Zeit immer häufiger auch auf norwegische Filme. „Dead Snow“ zum Beispiel ist eine äußerst unterhaltsame Splatter-/Zombiekomödie, während „Cold Prey – Eiskalter Tod“ und „Cold Prey 2 Resurrection – Kälter als der Tod“ zwei der besten Slasher sind, die mir in den letzten Jahren in den Blu-ray-Player gewandert sind. Mit „Trollhunter“ hat Regisseur André Øvredal sich 2010 dem Found-Footage-Genre angenommen. Ob auch dieser Genrebeitrag aus Norwegen überzeugen kann?

Worum geht’s

In Vestlandet fallen immer wieder Bären einem mutmaßlichen Wilderer zum Opfer. Drei Studenten möchten eine Dokumentation über diesen Wilderer drehen und stoßen dabei auf den wortkargen Eigenbrötler Hans (Otto Jespersen). Wie sich herausstellt, ist Hans gar kein Wilderer, sondern ein Jäger, der im Auftrag einer geheimen staatlichen Behörde Trolle ausfindig macht, die ihr Revier verlassen haben und dadurch eine Gefahr für die Einwohner darstellen. Um die Existenz von Trollen endlich publik machen und vor allem beweisen zu können, lässt Hans sich von den Studenten bei seiner Arbeit filmen. Sehr zum Missfallen seines Vorgesetzten Finn (Hans Morten Hansen), der die Veröffentlichung des Materials unter allen Umständen verhindern möchte …

Meine Meinung

Hach, was tut es doch gut, ab und zu mal einen Found-Footage-Film zu sehen, der nicht von Geistern oder Dämonen handelt. „Trollhunter“ bleibt im Rahmen seiner Geschichte erstaunlich bodenständig und präsentiert die Trolle nicht als übernatürliche Wesen, sondern als Tiere, von deren Existenz nur eine Handvoll Eingeweihter weiß. Für fast alles im Film gibt es eine biologische oder organisatorische Erklärung, so dass „Trollhunter“ zuweilen wie die Entstehung einer typischen Dokumentation aus dem Tierreich und weniger wie ein Fantasyfilm wirkt. Bei der Gestaltung der Tiere Trolle ließen die Norweger ihrer Kreativität freien Lauf und bieten gleich mehrere Arten, die sich in Größe, Aussehen und Verhalten stark unterscheiden. Die Effekte bewegen sich hierbei auf solidem bis hervorragendem Niveau, so dass die Trolle trotz ihrer Herkunft aus dem Computer durchaus realistisch und je nach Situation mal bedrohlich und mal knuffig wirken.

Doch zum echten Hit reicht es leider nicht, denn obwohl die Geschichte interessant ist und die Mensch-vs-Trolle-Actionszenen durchaus beeindrucken, keimt Spannung nur in wenigen Situationen auf. Nicht zuletzt, da die blassen Figuren im Laufe des Films kaum Profil erhalten. Lediglich Hans wird etwas mehr charakterliche Tiefe zugestanden, über die Studenten erfährt man so gut wie nichts. Die Vernachlässigung der Figuren ist allgegenwärtig und gipfelt in einer Szene, in der einer der Beteiligten den Tod findet und die Gruppe statt zu trauern nach einem geeigneten Ersatz sucht, um den Film beenden zu können. Wenn sich nicht mal die Beteiligten füreinander interessieren, wieso sollte es dann der Zuschauer tun?

Außerdem hinterlassen die (wenn auch wenigen) offenen Fragen ein unbefriedigendes Gefühl. Weder wird die Frage geklärt, wieso die Regierung unbedingt verhindern möchte, dass die Existenz von Trollen publik gemacht wird, noch gibt es eine Erklärung dafür, wieso Trolle Christen wittern können und Jagd auf sie machen. Auch wenn ich beileibe nicht für alles eine Erklärung erwarte, hätten ich mich in diesem Fall über eine Auflösung dann doch gefreut. Vielleicht gibt es ja eines Tages eine Fortsetzung, in der die noch offenen Fragen geklärt werden …

Mein Fazit

Originelle Found-Footage-Variante mit tollen Effekten und kreativem Kreaturdesign, die letztlich an ihren blassen Figuren und der nicht vorhandenen Spannungskurve scheitert. Einen Blick wert ist der Film aber allemal!

Meine Wertung: 6/10

Weitere Meinungen aus der deutschen Filmblogosphäre:

Equilibriumblog.de
Medienjournal – Das Film- & Bücher-Blog
wieistderfilm.de

Im Heimkino gesehen: Jonah Hex

Bereits die Entstehung der Comicverfilmung „Jonah Hex“ lässt Böses erahnen. Ursprünglich waren die Drehbuchautoren Mark Neveldine und Brian Taylor („Crank“) als Regisseure vorgesehen, doch „künstlerische Differenzen“ sorgten dafür, dass stattdessen Jimmy Hayward („Horton hört ein Hu „) das Ruder in die Hand nahm. Es überrascht nur wenig, dass der abgedrehte Film nicht den Vorstellungen entsprach. Es kam zum Nachdreh, in Folge dessen der Film mehrfach umgeschnitten wurde. Letztlich blieben lediglich 81 Minuten übrig. Beziehungsweise 73, zieht man den Abspann ab. 73 Minuten, in denen so ziemlich alles falsch gemacht wurde, was falsch gemacht werden kann …

Worum geht’s

Aus Rache für den Tod seines Sohnes ließ Quentin Turnbull (John Malkovich) die Familie von Jonah Hex (Josh Brolin) vor dessen Augen verbrennen, entstellte sein Gesicht und ließ ihn tödlich verwundet zurück. Indianer retteten Jonah das Leben und gaben ihm dadurch eine Chance auf Rache. Diese sollte sich jedoch nie erfüllen, da Turnbull bei einem Brand ums Leben kam, ehe Jonah ihn ausfindig machen konnte. Seitdem stillt dieser seinen Durst nach Rache als gnadenloser Kopfgeldjäger. Unerwartet erhält Jonah einen Auftrag von Präsident Grant (Aidan Quinn): Eine Hightech-Waffe wurde gestohlen und soll gegen das noch junge Amerika eingesetzt werden. Und zwar von dem Mann, der einst Jonahs Familie tötete und angeblich unter den Toten weilt: Quentin Turnbull …

Meine Meinung

Lasst mich zuerst über die positiven Eigenschaften des Films berichten: „Jonah Hex“ ist bis in die kleinste Nebenrolle überraschend gut besetzt. Josh Brolin spielt den Antihelden erhofft kaltschnäuzig, John Malkovich ist als Bösewicht bekanntlich immer eine Freude und Megan Fox erwartungsgemäß nett anzuschauen (auch wenn ich besser gleich dazuschreibe, dass es insgesamt nur wenig von ihr zu sehen gibt). Michael Fassbender darf als fieser Handlanger allen ein wenig die Show stehlen und in weiteren (wenn oft auch sehr kleinen) Rollen gibt’s dann noch Aidan Quinn, Michael Shannon, Wes Bentley und Jeffrey Dean Morgan zu sehen. Ja, die Darsteller können sich wirklich sehen lassen. Leider waren sie es damit dann auch, die positiven Eigenschaften.

Der Rest ist gefühlt irgendwo zwischen einer Enttäuschung und einer mittleren Katastrophe angesiedelt. Die Figuren sind flacher als ein Bierdeckel, verfügen über so gut wie keine Hintergrundgeschichte und bleiben daher komplett uninteressant. Die Action ist zwar solide inszeniert, beinhaltet jedoch nicht eine einzige Szene, die länger als 30 Sekunden in Erinnerung bleibt. Und die Effekte bewegen sich irgendwo zwischen „ach ja, ganz nett“ und „och nö, sieht das künstlich aus“. Am schlimmsten wiegt jedoch, dass die Geschichte absolut hanebüchen ist und über keinen stimmigen Erzählrhythmus verfügt. Die Handlung springt unkoordiniert von A nach B und zurück, ergibt zu keiner Zeit wirklich Sinn, wirkt nie wie ein großes Ganzes und hinterlässt den Eindruck, als hätten die Beteiligten mitten im Dreh vergessen, worum es in dem Film eigentlich geht. Was bleibt, ist nicht viel mehr als ein zusammengestückeltes Flickwerk, dessen wahres Potenzial sich nur noch mit ganz viel Phantasie erahnen lässt …

Mein Fazit

Gute Darsteller und ein Film, der nicht mehr als die untere Mittelmäßigkeit zu bieten hat und dessen roter Faden während der Dreharbeiten offenbar nach wenigen Minuten verloren ging und nie wieder gefunden wurde.

Meine Wertung: 3/10

Im Kino gesehen: Hänsel und Gretel: Hexenjäger

Märchen sind grausam. Nicht alle, aber viele. Grausam und oft auch brutal. Nicht selten frage ich mich, ob Menschen, die Horrorfilme als brutalen Schund bezeichnen und nicht mal Erwachsenen den Spaß an diesem Genre gönnen, ihren Kindern jemals Märchen vorlesen würden. Und wieso aus mir, zumindest Stand heute, kein geisteskranker Serienmörder geworden ist, obwohl ich sowohl mit Märchen als auch mit Horrorfilmen groß geworden bin. Sei’s drum, ich werde es wohl nie erfahren. Dafür weiß ich seit heute, wie der in der grimmschen Märchenwelt verankerte Horror-Actionfilm Hänsel und Gretel: Hexenjäger geworden ist. Und wenn ihr artig weiterlest, wisst ihr es auch gleich …

Worum geht’s

Als Kinder wurden Hänsel und Gretel von ihrem Vater in einem dunklen Wald ausgesetzt und wären fast Opfer einer schwarzen Hexe geworden. Nur knapp konnten sie dem Tod entrinnen und die Hexe in ihrem eigenen Ofen verbrennen. Inzwischen sind Hänsel (Jeremy Renner) und Gretel (Gemma Arterton) erwachsen, haben ihre Erfahrungen aus der Kindheit zum Beruf gemacht haben und streifen als professionelle Hexenjäger durchs Land. Als in Augsburg mehrere Kinder von Hexen entführt werden, beauftragt der Bürgermeister die berühmten Geschwister mit der Rettung der Kinder. Bei ihren Ermittlungen stoßen Hänsel und Gretel auf ein uraltes Hexenritual. Und auf die mächtige Hexe Muriel (Famke Janssen), die mehr über Hänsels und Gretels Vergangenheit zu wissen scheint …

Meine Meinung

Nach dem Trailer von „Hänsel und Gretel: Hexenjäger“ hatte ich eine ziemlich genaue Vorstellung von dem, was ich im Kino zu sehen bekommen würde. Ein lässiges Geschwisterpaar, zahlreiche böse Hexen, übertrieben moderne Waffen und überdurchschnittlich blutige Action. Um es kurz zu machen: Genau das habe ich auch bekommen. „Hänsel und Gretel: Hexenjäger“ ist genau die kurzweilige Mischung aus Action und Horror geworden, die man erwarten durfte. Leider nicht mehr, zum Glück aber auch nicht weniger. Jeremy Renner ist cool wie eh und je, Gemma Arterton cool und attraktiv wie eh und je und der in einer größeren Nebenrolle auftretende Peter Stormare schmierig-abstoßend wie eh und je. Die Story ist zwar nicht besonders innovativ und recht leicht zu durchschauen, verkauft den Zuschauer aber immerhin nicht für blöd. Außerdem dient sie größtenteils eh nur als Bindeglied zwischen den einzelnen Actionszenen. Diese sind ebenso zahlreich wie abwechslungsreich und für einen FSK-16-Kinofilm erstaunlich blutig, so dass „Hänsel und Gretel: Hexenjäger“ ohne Übertreibung in einem Atemzug mit dem Begriff „Funsplatter“ genannt werden darf.

So weit, so positiv. Leider hat der Film auch Schwächen, die einer besseren Wertung eindeutig im Weg stehen. So ist die Action nicht nur erfreulich abwechslungsreich, sondern auch unerfreulich unübersichtlich. So unübersichtlich, dass es mir oftmals schwer fiel, dem Geschehen zu folgen. Die Schnitte ungünstig gesetzt, die Kamera zu nah am Geschehen – so schnell lässt sich eine an sich tolle Actionszene ruinieren. Außerordentlich bedauerlich finde ich zudem, dass die Macher zwar tolle Masken entworfen, in den entscheidenden Momenten der Action dann aber doch auf Computereffekte vertraut haben. Und machen wir uns nichts vor: Splatterszenen, die ganz offensichtlich aus dem Computer stammen, will nun wirklich niemand sehen. In solchen Momenten sollen Latexmasken platzen, Kunststoffknochen brechen und übertrieben rotes Kunstblut spritzen!

Auch lässt sich nicht leugnen, dass der Film trotz seiner knappen Laufzeit von gerade mal 88 Minuten in der Mitte einen kurzen Hänger überbrücken muss. Und dass die Nebenfiguren und somit auch deren Darsteller komplett verschenkt werden. Was gerade angesichts der bezaubernden Pihla Viitala eine echte Schande ist …

Mein Fazit

Kurzweilige Mischung aus Action, Fantasy, Horror und Funsplatter mit coolen Hauptdarstellern und abwechslungsreichen Actionszenen. Wären eben diese Actionszenen ein wenig übersichtlicher und die Effekte ein wenig handgemachter, wäre der Film glatt eine Empfehlung wert. So reicht’s nur für ein „Kann man gut gucken, muss man aber nicht“.

Meine Wertung: 6/10

Weitere Meinungen aus der deutschen Filmblogosphäre:

ChristiansFoyer

Wieso „Der Hobbit – Eine unerwartete Reise“ für mich eine Enttäuschung ist

Da der Film bereits seit einer gefühlten Ewigkeit im Kino läuft, verzichte ich heute auf eine Review und beschränke mich stattdessen auf die Kritikpunkte, die mir unmittelbar nach dem Film durch den Kopf schossen. Und bevor jetzt sämtliche Tolkien-Fans nur aufgrund der Überschrift auf mich einprügeln: Nein, ich halte „Der Hobbit – Eine unerwartete Reise“ nicht für einen schlechten Film! Er ist durchaus unterhaltsam, in der letzten halben Stunde sogar recht spannend und für Fantasy-Fans vielleicht sogar ein Pflichtfilm. Dennoch habe ich den Kinosaal enttäuscht verlassen. Wieso? Weil …

… die Zwerge zu reinen Witzfiguren und Statisten degradiert wurden. Vom Anführer Thorin abgesehen, gewinnt keiner der Zwerge so recht an Kontur. Oft wirkte es auf mich gar so, als bestünde die einzige Daseinsberechtigung der Zwerge darin, sich möglichst einfältig anzustellen und ab und zu für einen Lacher zu sorgen. Und mit solchen Figuren soll ich mitfiebern? Wohl eher nicht …

… Peter Jackson es nicht geschafft hat, eine funktionierende Balance aus Humor und Ernst zu finden. Anders formuliert: Für Erwachsene ist der Film teilweise zu infantil, für Kinder jedoch teilweise zu düster. Das mag der Vorlage geschuldet sein, doch im Film hat diese Mischung aus albernem Humor und brutalen Kämpfen für mich leider nicht funktioniert.

… der Film zu viel CGI enthält. Setzte Peter Jackson bei „Der Herr der Ringe“ noch auf wunderbare Masken und Miniaturbauten, so scheint „Der Hobbit“ zu gefühlten 90% dem Computer entsprungen zu sein. Die Computertechnik hat sich zwar weiterentwickelt, doch an die gute alte Handarbeit kommt sie noch immer nicht ran. Und so wirkt „Der Hobbit“ leider wesentlich künstlicher als der große Bruder namens „Der Herr der Ringe“.

… HFR noch nicht ausgereift ist (und es vielleicht auch niemals sein wird). Für Landschaftsaufnahmen mag die Verdopplung der Bildrate von Vorteil sein, doch sobald Bewegungen ins Spiel kommen, ist es mit der Freude über das klare Bild vorbei. Diese sehen dank HFR aus, als würde der Film mit 1,5-facher Geschwindigkeit abgespielt werden. Je schneller die Bewegungen, desto stärker fällt dieser Effekt auf. Besonders die Kampszenen wirken dadurch wie ein Computerspiel und rissen mich mehrmals komplett aus dem Film. Meiner Meinung nach ist das Experiment HFR gründlich schiefgegangen.

Wie oben bereits geschrieben, ist „Der Hobbit – Eine unerwartete Reise“ deshalb kein schlechter Film. Mehr als eine 6/10 wird er von mir jedoch vermutlich nicht bekommen, wobei ich mich mit meiner Wertung zurückhalten werde, bis ich irgendwann die 2D-Fassung ohne HFR gesehen habe. Erst dann werde ich ein abschließendes Urteil fällen …

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