** Achtung Spoiler **

Als ich damals aus „Matrix Reloaded“ kam, war ich stinksauer darüber, was die Macher aus dem hervorragenden Potenzial gemacht hatten – doch es hieß von überall her „Das ist nur Teil einer Trilogie und als Ganzes zu betrachten!“, „Die Story ist so wahnsinnig vielschichtig und tiefschürfend, sie kommt nur noch nicht richtig zum Vorschein weil der dritte Teil fehlt“ oder „Du vergleichst ihn mit dem ersten Teil und hast zu hohe Ansprüche“, usw. usw.

Also gut, hier ist nun der dritte Teil. Meine Ansprüche waren durch „Matrix Reloaded“ auf Kellerniveau gesunken und die Vorstellung, dass alle Figuren sich weiterhin in der Matrix befinden und Neo nur ein Programm ist (so wie es in Reloaded schien), gefiel mir gar nicht so schlecht.

Und was ist? Nichts! Über 2 Stunden inhaltlich gähnende Leere, schwachsinnige Nebenplots und Actionszenen, die mir schon nach 1 Minute gehörig auf den Geist gingen!

Interessante Fragen wie „Wieso kann Neo in der Realität die Maschinen aufhalten?“ werden mit einem einfachen „Na, weil er der Auserwählte ist!“ beantwortet. Andere Fragen wie „Warum kann Smith aus der Matrix in die Realität wechseln?“ werden lieber erst gar nicht beantwortet…man fragt sich, ob sich die Macher überhaupt richtig mit dem Stoff befasst haben. Dass interessante Storyentwicklungen möglich gewesen wären, beweisen die zahlreichen Theorien, die nach „Matrix Reloaded“ von den (noch verbleibenden) Fans aufgestellt wurden.

Doch der Reihe nach:

Der Film beginnt damit, dass Neo sich immer noch im Koma befindet und in einer Zwischenwelt gefangen ist, die vom Merowinger beherrscht wird. Wieso Neo, der ja gar nicht mit der Matrix verbunden ist, in selbiger gefangen sein kann, wird nicht erklärt. Stattdessen gibt es mal wieder pseudo-philosophische Gespräche, einen kurzen Besuch beim Orakel (mitsamt schwachsinniger Erklärung, wieso das Orakel von einer anderen Schauspielerin gespielt wird) und eine (aus „Matrix“ geklaute) unnötige Action-Szene. Was dieser gesamte (unnötige) Nebenplot soll, wissen höchstwahrscheinlich nicht einmal die Macher selbst.

Nachdem Neo erfolgreich befreit wurde, gibt es einen weiteren Abstecher zum Orakel, in dem Neo erfährt, wieso er auch in der Realität die Maschinen kontrollieren kann. Spätestens jetzt verfliegt jegliche Hoffnung auf eine intelligente Geschichte, denn die Erklärung „Weil du der Auserwählte bist…“ zeugt nicht gerade von Kreativität.

Also auf zum Hauptplot: Neo und Trinity machen sich, weil Neo darin sein Schicksal sieht, auf in die Maschinenstadt. Währenddessen fliegen Morpheus und Niobe mitsamt der Crew zurück nach Zion, um beim anstehenden Angriff zu helfen.

Eben diese Schlacht um Zion ist es, die man als Zuschauer die nächsten 30 Minuten „bewundern“ darf. Tricktechnisch sicherlich auf der Höhe der Zeit, langweilt auch diese Actionszene, da kein Charakter mitkämpft, zu dem man im Laufe der Filme eine Beziehung aufgebaut hat. Dass es eine unnötige Schlachtrede (mitsamt lächerlicher „Roboterarme-in-die-Höh-Szene“) gibt, verwundert sicherlich niemanden, genau so wenig wie die Tatsache, dass dieser Kampf letzten Endes durch 2 Frauen und 1 Teenager gewonnen werden kann, während die ausgebildeten Soldaten wie die Fliegen fallen.

Neo hat inzwischen sein Augenlicht im Kampf mit dem in die Realität gewechselten Smith verloren, hat aber immer noch die Fähigkeit, seine Umgebung in einer Art Flammenoptik wahrzunehmen. Woher er diese Fähigkeit nimmt, wird natürlich ebenso wenig erklärt wie die Tatsache, dass der im Menschen steckende Smith in Neos Wahrnehmung eine Sonnebrille trägt.

So oder so: Neo besiegt den menschlichen Smith-Klon und kommt mit Trinity in der Maschinenstadt an (Neo hält mal eben mit der Hand ein paar Bomben auf). Dort verursachen die beiden aber einen Crash, dem Trinity zum Opfer fällt. Oder sagen wir: Sie hätte ihm mal zum Opfer fallen sollen! Denn statt einfach zu sterben, führt sie, mit mehreren Metallstäben im Körper, noch mal eben einen kitschigen 5-Minuten-Monolog, der an Nervigkeit kaum zu überbieten ist. Übrigens: Wieso Neo, wo er doch sonst alles in der Umgebung wahrnimmt, nicht sehen kann, dass seine Geliebte halbtot vor ihm liegt, wird, richtig geraten, nicht erklärt.

Neo spaziert also zur Obermaschine und schlägt vor, den inzwischen außer Kontrolle geratenen Smith aufzuhalten, sofern die Maschinen den Krieg gegen die Menschen einstellen. Natürlich schlägt die Maschine in den Handel ein (und hält sich auch daran, obwohl die Maschinen ohne die Menschen als Batterie gar nicht existieren können) und befördert Neo wieder in die Matrix, wo er sich ein letztes Mal Smith stellen muss.

Der nun folgende Kampf ist schlicht und ergreifend lächerlich und kein bisschen mitreißend. Neo und Smith bekämpfen sich fliegend wie weiland Superman in „Superman 2“ und nehmen dem Film damit das letzte bisschen Würde. Letzten Endes besiegt Neo Smith, indem er sich einfach opfert (wieso eigentlich nicht gleich so???) und somit den Menschen zum Frieden verhilft.

Zum Ende gibt es dann noch einen herrlich kitschigen Sonnenaufgang und die Voraussagung, dass wir Neo wiedersehen werden. Ich für meinen Teil hoffe, dass sich das Orakel wenigstens dieses eine Mal geirrt hat…

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