Bei dem Namen John McClane dürften jedem Action-Fan die Augen leuchten, begründete er doch 1988 die Geburt einer neuen Art von Helden. Dominierten bis zu seinem ersten Einsatz noch unkaputtbare Muskelberge wie Schwarzenegger und Stallone das Genre, konnte sich Bruce Willis als Held wider Willen, der jederzeit einen zynischen Spruch parat hatte, wohltuend von der Masse absetzen. Dem Überraschungserfolg folgten 1990 und 1995 zwei äußerst erfolgreiche (von nun an folgt kein „folg“ mehr, versprochen) Fortsetzungen, dann wurde es ruhig um McClane – bis heute.

Worum geht’s

Mal wieder bzw. noch immer hat John McClane Stress mit den Frauen: Diesmal ist es seine Tochter Lucy (Mary Elizabeth Winstead), die auf ihren Vater sauer ist, weil er ihren Nicht-Freund während einer Knutscherei unsanft aus dem Auto gezogen hat. Noch bevor McClane die Wogen glätten kann, erreicht ihn ein Funkspruch seines Vorgesetzten, mit der Bitte, für das FBI den Hacker Matt Farrell (Justin Long) aus seiner Wohnung in die Zentrale zu chauffieren. Was niemand ahnt: Farrell half unwissentlich dem Cyber-Terroristen Thomas Gabriel (Timothy Olyphant) bei dessen just gestartetem Angriff auf die digitale Infrastruktur des Landes und steht nun auf der Abschussliste der Terroristen – und schon bald ist McClane wieder zur falschen Zeit am falschen Ort…

Meine Meinung

Es gab viele Bedenken zum vierten Teil der Stirb-Langsam-Serie: Len Wiseman („Underworld“) wurde als Regisseur für nicht würdig erachtet und die Tatsache, dass der Film auf ein PG-13 (sprich weniger Gewalt und Schimpfworte) ausgelegt wurde, trieb vielen Menschen Falten auf die Stirn. Um es mit McClanes Worten zu sagen: Alles Bullshit, ihr Sesselfurzer!

Natürlich hat die Serie sich weiterentwickelt, doch bereits die erste Konfrontation zwischen McClane und dem Killerkommando zeigt genau das, was man von einem Film der Stirb-Langsam-Reihe erwartet: Wilde Schießereien, harte Stunts und coole Oneliner. Wiseman hat die Action zum Glück herrlich altmodisch inszeniert, lediglich eine Kampfjet-Szene macht deutlich, dass wir uns im Jahre 2007 befinden und dürfte dem Einen oder Anderen schwer im Magen liegen. Von dieser einen Szene (ich persönlich hätte sie mir wesentlich schlimmer vorgestellt) abgesehen, gibt es in dem Film alles, was das Old-School-Action-Herz begehrt: Schießereien, Prügeleien, Verfolgungsjagden – und alles ohne große CGI-Effekte.

In all dieser Action läuft Bruce Willis einmal mehr zur Höchstform auf: Trotz seines Alters nimmt man ihm den Action-Helden zu jeder Minute ab, niemals lässt er Zweifel daran aufkommen, der Rolle nicht mehr gewachsen zu sein. Zu seiner körperlichen Präsenz gesellen sich die für McClane typischen Sprüche sowie eine Mimik, die schon fast alleine den Kinobesuch rechtfertigt.

Justin Long als Computerfreak ist entgegen aller Befürchtungen kein nervender Sidekick, sondern die Schnittstelle zwischen dem altmodischen McClane und der heutigen Zeit sowie die Quelle einiger äußerst gelungener Gags (Stichwort „Action-Figur“ oder „Airbag“).

Timothy Olyphant kann erwartungsgemäß nicht mit Alan Rickman oder Jeremy Irons (mein persönlicher Lieblingsschurke) mithalten, passt aber perfekt zu seiner Rolle als kriminelles Computergenie.

Wo viel Licht ist, da ist meistens auch irgendwo (zumindest ein wenig) Schatten. Neben der oben bereits angesprochenen Jet-Szene ist dies in diesem Fall der nicht besonders stark ausgeprägte Spannungsbogen. Der Film wird dank zahlreicher Actionszenen zwar niemals langweilig, aber wirklich spannend geraten ist er auch nicht. Vielleicht liegt das auch einfach nur daran, dass man im Endeffekt ja eh weiß, wie der Film endet…oder doch nicht?

Mein Fazit

Ich fasse es so kurz wie möglich zusammen: Len Wiseman hat es geschafft! Und damit meine ich nicht, mich als Stirb-Langsam-Fan zu verprellen, sondern die Serie in die heutige Zeit gerettet zu haben, ohne sie zu verraten. Es gibt Action wie in der Achtzigern, Sprüche wie in den Neunzigern und einen Helden, der definitiv noch nicht zu alt für den Scheiß ist! Für Action-Fans im Allgemeinen und Stirb-Langsam-Fans im Speziellen ein absolutes Muss!

Wertung 8/10

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