Klassische Thrillerelemente sind out, harte Brutalität ist in. Oder? Schaut man sich die Einspielergebnisse von „Saw 3“ und „Hostel: Teil 2“ an, keimt die Vermutung auf, dass das Publikum sich langsam aber sicher an der nackten Gewalt sattgesehen hat. Doch ist es auch schon bereit für die Rückkehr des altmodischen Thrillers?

Worum geht’s

Das in Scheidung lebende Ehepaar Amy und David Fox (Kate Beckinsale, Luke Wilson) befindet sich auf der Heimreise von einer Familienfeier. Als sie mit einer Panne liegenbleiben, beschließen die beiden, die Nacht in einem Motel zu verbringen. Kaum eingecheckt, entdecken Amy und David ein paar Videokassetten mit brutalen Folter- und Mordszenen. Als sie begreifen, dass diese Szenen in dem von ihnen bewohnten Zimmer aufgenommen wurden und sie selbst die Stars im nächsten Film werden sollen, ist es bereits zu spät…

Meine Meinung

Wer hofft, in „Motel“ auf brutale Gewalt zu stoßen, wird das Kino definitiv enttäuscht verlassen. Entgegen des noch immer anhaltenden Trends inszenierte Regisseur Nimród Antal „Motel“ trotz seiner Snuff-Thematik altmodisch und schon beinahe zurückhaltend. Enge Gänge, düstere Umgebungen, eine stets spürbare Bedrohung sowie klassische Schockmomente sorgen für eine Spannung, die kein Blut benötigt, um den Zuschauer zu fesseln. Hierbei werden zwar auch viele Klischees bedient, doch nutzt Antal diese im späteren Verlauf geschickt aus, um sie gegen das Publikum zu richten und es an der Nase herumzuführen. Clever gemacht.

Leider schmeckt das Ende des Films zu sehr nach Hollywood, was dem Film unnötigerweise seine Glaubwürdigkeit und ihm dadurch viel Sympathie kostet. Mit einem konsequenteren Ende wäre meine Wertung noch einen Tick höher ausgefallen. Wie heißt es doch gleich so schön: Man kann nicht alles haben. Warum eigentlich nicht?

Um die Spannung in einem Thriller halten zu können, sind sympathische Charaktere unabdingbar. Nichts ist schlimmer, als einen Film zu sehen, dessen Protagonisten einem am Allerwertesten vorbeigehen. Kate Beckinsale und Luke Wilson leisten hierbei tolle Arbeit und verleihen den Figuren eine Menschlichkeit, die einen als Zuschauer mitfiebern und die Daumen drücken lässt. Selten wirkten zerstrittene Film-Ehepartner auf mich so real, natürlich und sympathisch wie in diesem Film.

Außerdem erwähnenswert sind, so blöde es klingt, der Vor- sowie der Abspann, deren einfache Musik und Machart schon beinahe nostalgische Gefühle wecken. Toll gemacht!

Mein Fazit

Wem Filme wie „Joyride – Spritztour“, „Unbekannter Anrufer“ und „Red Eye“ gefallen, der wird auch mit „Motel“ zufrieden sein. Auch wenn das Ende enttäuscht, bietet der Film dennoch 80 Minuten klassisch-spannende Unterhaltung, wie sie heute leider viel zu selten vorkommt.

Meine Wertung: 7/10

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