Quentin Tarantino hat wieder zugeschlagen. Eigentlich als Grindhouse-Double-Feature mit dem von seinem Kumpel Robert Rodriguez inszenierten „Planet Terror“ geplant, läuft „Death Proof“ mit dem (un)sinnigen Untertitel „Todsicher“ einzeln in den deutschen Kinos. Immerhin dürfen wir uns an einer verlängerten Fassung des Films erfreuen.

Worum geht’s

Eigentlich möchten die drei Freundinnen Julia, Arlene und Shanna nur ein wenig feiern, trinken und flirten, haben jedoch nicht mit Stuntman Mike (Kurt Russel) gerechnet. Dieser lauert jungen Frauen auf und nutzt sein umgebautes Stuntfahrzeug dazu, seine Opfer durch spektakuläre Fahrmanöver zu töten. Nach erfolgreicher Dezimierung der Gruppe geraten die attraktive Abernathy (Rosario Dawson) und ihre Freundinnen ins Visier des Serienkillers. Doch diesmal hat sich Stuntman Mike die falschen Opfer ausgesucht: Kim (Tracie Thoms) und Zoe (spielt sich selbst: Zoe Bell) sind selbst Stuntfrauen – und schlagen erbarmungslos zurück…

Meine Meinung

Ganz ehrlich: „Death Proof“ macht es mir nicht gerade leicht: Dürfte ich nur die erste Hälfte bewerten, würde mein Text äußerst euphorisch klingen. Doch da ist auch noch die zweite Hälfte, welche zwar weiß Gott nicht schlecht ist, mich aber trotz der hervorragend inszenierten Action ein wenig gelangweilt hat.

Woran das liegt, ist gar nicht so einfach zu sagen. Oder doch, eigentlich schon: In der ersten Hälfte präsentiert uns Tarantino drei ebenso sympathische wie attraktive junge Frauen. Als wäre dies für das eine oder andere männliche Wesen nicht bereits genug, gibt es zusätzlich noch einen diabolisch-coolen Kurt Russel, der hier seine beste Vorstellung seit Snake Plissken gibt. Hinzu gesellen sich eine gleichzeitig ausgelassene wie bedrohliche Atmosphäre, spaßige Gastauftritte, zahlreiche lässige Dialoge und ein Lapdance, für den man Kurt Russel nur beneiden kann. Höhepunkt der ersten Hälfte ist dann ein vierfach gezeigter Autocrash, der uns, hervorragend gefilmt, zeigt, was mit den jeweiligen Beteiligten passiert.

Nach einem weiteren Gastauftritt und dem Dialog zweier Polizisten beginnt die zweite Hälfte des Films. Diesmal präsentiert uns Tarantino vier junge Frauen, leider weniger sympathisch und weniger attraktiv als die ersten Opfer. Wieder dürfen wir den Dialogen der Frauen beiwohnen, doch gestalten sich diese weitaus uninteressanter als die der ersten Runde. Und Kurt Russel? Nun, von dem ist in der zweiten Hälfte nur noch wenig zu spüren. Viel mehr, als sein Fahrzeug zu lenken, darf er ab sofort nicht mehr machen. Zoe Bells Ritt auf der Motorhaube und die finale Verfolgungsjagd sind zwar furios, und ich meine furios, inszeniert, können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Film zu diesem Zeitpunkt aufgrund der schwächeren Charaktere bereits enorm an Unterhaltungswert verloren hat. Die letzten Minuten laden noch einmal zum herzhaften Lachen und Grölen ein, so dass man den Film trotz einiger Schwächen befriedigt verlässt.

Hinweis im CinemaxXUm dem Grindhouse-Kino der 60er und 70er gerecht zu werden, hat Tarantino „Death Proof“ künstlich altern lassen: Bild- und Tonaussetzer, Kratzer im Filmmaterial, Bildsprünge, Schwarz/Weiß-Bild – alles ist vorhanden. Doch ist eines „leider“ ganz klar: Der Film an sich ist viel zu gut für eine echte Grindhouse-Vorstellung. Selbst bzw. gerade die zweite Hälfte ist derart professionell inszeniert, dass man Vergleiche mit den Filmen aus den 60ern und 70ern gar nicht erst ziehen sollte. Dennoch stellen die absichtlich platzierten Fehler eine gelungene Hommage dar und sorgen für den einen oder anderen Schmunzler.

Mein Fazit

Wem die bisherigen Tarantino-Filme gefallen haben, der wird auch an „Death Proof“ seine helle Freude haben. Tarantinos Liebe zu Filmen ist seinem jüngsten Streich jederzeit anzumerken. Allen Anderen sei gesagt, dass alleine Kurt Russel den Kinobesuch rechtfertigt – auch wenn der Film in der zweiten Hälfte an Charme verliert, ist das Eintrittsgeld gut angelegt.

Meine Wertung: 7/10

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