Bevor ich mit der eigentlichen Review beginne, muss ich zwei Fragen loswerden, die mir schwer auf dem Herzen liegen:

1. Wieso bezeichnen so viele Zuschauer „28 Weeks Later“ und den Vorgänger „28 Days Later“ als Zombiefilme, obwohl in beiden Filmen kein einziger Zombie auftaucht?

2. Wieso müssen so viele Zuschauer blutige Szenen mit einem unpassenden Gröhlen oder einem pseudo-coolen Spruch wie „So muss das sein!“ quittieren?

Für Antworten bin sehr dankbar. Und nun:

Worum geht’s

Als die Seuche in England ausbricht, können sich Donald Harris (Robert Carlyle) und seine Frau Alice (Catherine McCormack) in ein fremdes Haus retten. Als die Infizierten in das Haus eindringen, lässt Donald seine Frau in Panik zurück und flieht. 28 Wochen später scheint die Seuche besiegt. Die Infizierten sind allesamt verhungert und die Wiederbesiedlung Londons hat begonnen. Unter den Heimkehrern befinden sich auch Donalds Kinder Tammy (Imogen Poots) und Andy (Mackintosh Muggleton). Als die beiden vom Tod ihrer Mutter erfahren, brechen sie aus der Sicherheitszone aus, um Fotos aus ihrem alten Haus zu holen. Dort treffen sie auf Alice, die den Angriff vor 28 Wochen unbeschadet überlebt zu haben scheint. Militär-Medizinerin Scarlet (Rose Byrne) findet heraus, dass Alice infiziert ist, das Virus bei ihr jedoch nicht ausbricht. Allerdings bedeutet das nicht, dass sie es nicht auf Andere übertragen kann…

Meine Meinung

Schade. Wirklich sehr schade. Danny Boyles Vorgänger aus dem Jahr 2002 gefällt mir richtig gut, doch bei „28 Weeks Later“ will der Funke nicht überspringen. Dabei beginnt der Film sehr vielversprechend. Die Eröffnungssequenz reicht zwar nicht an Zack Snyders Dawn-Of-The-Dead-Remake heran, ist aber dennoch packend inszeniert und erzeugt einen ordentlichen Riss in der sonst so heilen Familienwelt. Die Bilder vom ausgestorbenen London schaffen eine düstere Atmosphäre und der nicht zu vermeidende Ausbruch der Seuche sorgt für die nötige Verzweiflung aller Beteiligten. So versucht das Militär zu Beginn noch, nur die Infizierten zu liquidieren, doch bereits kurze Zeit später folgt die Freigabe, auf alles zu schießen, was sich bewegt. Auch wenn der Film einige Ungereimtheiten aufweist, z.B. wird Alices Quarantänezimmer trotz ihres Gefahrenpotenzials nicht bewacht, weiß der Film bis zu diesem Zeitpunkt durchaus zu gefallen.

Was auf die gelungene erste Hälfte folgt, ist die Flucht der wenigen Überlebenden aus dem tödlichen London. Die Flucht vor den Infizierten und die Flucht vor dem Militär, das Befehl hat, alles auszulöschen, was auf zwei Beinen steht. Dass diese Flucht es nicht geschafft hat, mich zu packen, liegt zum größten Teil daran, dass alle Charaktere so dermaßen blass und oberflächlich gezeichnet sind, dass ich keine Beziehung zu ihnen aufbauen konnte. Oder anders formuliert: Es war mir egal, wer hops geht und wer nicht. Hinzu kommt, dass die Flucht, von dem blutigen Einsatz eines Helikopters abgesehen, nichts Neues zu bieten hat. Dies gilt auch für das Ende, welches der aufmerksame Zuschauer bereits nach 15 Minuten erahnen kann.

Bei der Inszenierung bleibt Regisseur Juan Carlos Fresnadillo, dessen hoch gelobtes Werk „Intacto“ ich schon seit Monaten hier liegen, aber immer noch nicht gesehen habe, dem Stil Danny Boyles treu. Grobe Bilder, verwackelte Aufnahmen und schnell geschnittene Actionszenen dominieren den Film. Besonders letzteres passt zwar zum Stil, lässt es aber manchmal an Übersicht fehlen. Ein Lob gebührt der musikalischen Untermalung des Films, die hervorragend zur jeweiligen Situation passt und die Atmosphäre perfekt unterstützt.

Mein Fazit

„28 Weeks Later“ ist beileibe kein schlechter Film, lässt aber die Unabhängigkeit des Vorgängers vermissen und kommt über den Status einer uninspirierten Fortsetzung nicht hinaus. Neben einigen Logikschwächen sind es vorallem die flachen Charaktere, die eine bessere Wertung verhindern.

Wertung: 6/10

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