Review: Underworld – Aufstand der Lykaner

Hauptplakatjpeg_494x700 Fortsetzungen. Sie werden geliebt. Sie werden gehasst. Sie bieten den Machern die Möglichkeit, bekannte Charaktere weiterzuentwickeln. Sie bieten dem Publikum die Freude, neue Abenteuer mit bereits liebgewonnenen Figuren zu erleben. Allerdings müssen sich viele Fortsetzungen auch eine gewisse Innovationsarmut unterstellen lassen, da sie oftmals nach dem Größer-Schneller-Lauter-Prinzip aufgebaut sind. Und handelt es sich bei der “Fortsetzung” dann auch noch um ein Prequel, sind die Meinungen geteilter als das legendäre Rote Meer. Ob die in “Underworld – Aufstand der Lykaner” erzählte Vorgeschichte dem Underworld-Universum neue Aspekte hinzufügt oder nicht, durfte ich letzten Samstag in Erfahrung bringen …

Worum geht’s

Als Erster seiner Art, verfügt Werwolf Lucian (Michael Sheen) über die Fähigkeit, seine Gestalt kontrolliert verwandeln zu können. Nur aus diesem Grund ließ Vampirfürst Viktor (Bill Nighy) ihn als Kind am Leben.  Lucians Blutdurst nutzend, züchtete Viktor eine neue Rasse von Werwölfen: Die Lykaner. Für die Sklaverei geboren, dienen sie den Vampiren als Leibwächter und Arbeitskräfte. Doch Lucian möchte sich mit seinem Schicksal nicht abfinden. Gemeinsam mit den anderen Lykanern und seiner Geliebten, Viktors Tochter Sonja (Rhona Mitra), plant er die Flucht …

Szenenbild_06jpeg_700x468 Meine Meinung

Um die Frage, ob der dritte Teil der Underworld-Trilogie (es heißt übrigens nicht “Triologie” … gaaanz wichtig!) der Geschichte neue Aspekte hinzufügen kann, gleich zu Beginn zu klären: Nein, das kann er nicht. “Underworld – Aufstand der Lykaner” bläht die in “Underworld” bereits in Rückblenden erzählte Geschichte zu einer 90-minütigen Mischung aus Horror, Action, Fantasy und Liebesdrama auf. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger.

Handwerklich orientiert sich Regisseur Patrick Tatopoulos bei seinem Debüt an den von Len Wiseman inszenierten Vorgängern. Demzufolge bestimmen erneut düstere Videoclip-Ästhetik und schnell geschnittene Actionszenen das Geschehen, wodurch man sich als Underworld-Fan auch im Mittelalter sofort heimisch fühlt. Die Actionszenen sind gut choreografiert und flott inszeniert, leiden jedoch ein wenig unter den teils hektischen Schnitten. Wirklich unübersichtlich wird es zwar nicht, aber ein wenig mehr Ruhe hätte der Action durchaus gut getan. Obwohl … andererseits vertuschen die schnellen Schnitte die teils unterdurchschnittlichen Computereffekte, die besonders bei den CGI-Werwölfen negativ auffallen. Dennoch: Handwerklich geht der Lykaner-Aufstand durchaus in Ordnung und lässt dank der flotten Inszenierung keine Langeweile aufkommen.

Szenenbild_08jpeg_700x465 Leider patzt Tatopoulos auf anderer Ebene: Trotz der interessanten, an “Romeo und Julia” erinnernden Thematik, berührt das Schicksal des tragischen Liebespaars nicht im Geringsten. Die Charaktere bleiben blass und oberflächlich, sämtliche Emotionen werden im Keim erstickt. Weder wird die Liebesgeschichte zwischen Lucian und Sonja, noch werden Viktors Gewissenskonflikt oder das Sklavendasein der Lykaner genutzt, um den Figuren Tiefe und Profil zu verleihen. Und das ist bei den Möglichkeiten, die die Geschichte geboten hätte, mehr als nur enttäuschend.

Immerhin überzeugen erneut Michael Sheen und Bill Nighy als erbitterte Gegner, wobei Nighy dezent am Overacting kratzt und seine blauen Kontaktlinsen ein Szenenbild_13jpeg_465x700 wenig zu übertrieben in die Kamera hält. Rhona Mitra gibt überzeugend die für ihre Liebe kämpfende Amazone. Sie ist zwar keine zweite Kate Beckinsale, kann sie im Rahmen ihrer beschränkten Rolle aber durchaus würdig vertreten.

Mein Fazit

Solide und ohne große Längen inszeniert, befriedigt “Underworld – Aufstand der Lykaner” zwar die Actionbedürfnisse, enttäuscht jedoch auf emotionaler Ebene. Schade um das verschenkte Potenzial der tragischen Geschichte und um die gute Besetzung.

Meine Wertung: 6/10

7 Gedanken zu “Review: Underworld – Aufstand der Lykaner

  1. Na das unterschreibe ich doch mal so zu 100%. Habe in etwa die gleichen Worte und Kritikpunkte genannt, wie du auch. Nur hab ich mal wieder länger gebraucht um das gleiche zu sagen. ;-) Hat es dich auch erstaunt, wie wenig man eigentlich Beckinsale vermisst hat? (eigentlich gar nicht) Zumindest ging es mir so…

  2. Was soll ich sagen – ich bin einfach kein Mann vieler Worte. ;) Andererseits frage ich mich manchmal schon, ob ich nicht ein wenig mehr pro Film schreiben sollte. Doch dann sage ich mir immer, wer mehr lesen möchte, kann einfach dich oder Flo besuchen. ;)

    Jupp, ich war auch sehr positiv überrascht davon, dass Kate Beckinsales Fehlen sich nicht negativ ausgewirkt hat. Allerdings muss ich dazu sagen, dass ich, im Gegensatz zu vielen Anderen, Rhona Mitra gerne auf der Leinwand sehe …

  3. Die ersten beiden Underworld Teile waren ja auf einer Handlungs Ebene. Das heißt der erste Teil legte bereits eine Fortsetzung fest.
    Das ist bei dem Prequel leider nicht der Fall, denn man erfährt nicht wirklich mehr über die Geschichte und das ist sehr schade da ich immer ein großer Fan der Underworld Filme war.

  4. Pingback: Hollywoodschund im Kurzverriss | Texturmatsch

  5. Rhona Mitra hat bei mir ja auf alle Zeit den Lara-Bonus inne, auch wenn ich sagen muss: Hat sie sich vielleicht einmal zuviel unter’s Schönheits-OP-Messer gelegt? Ihr Gesicht sah mir jedenfalls danach aus.. ^^

    Meine Meinung zum Underworld-Prequel: Ganz nett gemacht, aber leider halt komplett überflüssig. Der bekannten Geschichte wird nichts neues hinzugefügt und dass man genau weiß wie die Sache mit Sonja enden wird hilft da auch nicht unbedingt weiter – ganz im Gegenteil.

    Na ja was soll’s, sooo überragend waren die Beckinsale-Teile ja auch nicht. *g*

    Gruß,
    Thommy

  6. Also ich konnte nicht Besonderes (im OP-Sinne) an ihrem Gesicht feststellen – aber vielleicht war ich auch zu sehr von ihren Beinen abgelenkt … ;)

    Was genau meinst du?

  7. Pingback: Underworld: Aufstand der Lykaner (2009) | Film-Blogosphäre

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