Liebes CinemaxX in Kiel, ich bin dir untreu gewesen. Und ja, es ist deine Schuld! Hättest du nicht vor Urzeiten die Sneak Preview abgeschafft, hätte ich mich nicht nach Alternativen umsehen müssen. Nun saß ich gestern nicht in einem deiner Säle, sondern im STUDIO. Voller Hoffnung, dort in der Thrill Sneak das „Tanz der Teufel“-Remake „Evil Dead“ sehen zu können. Was soll ich sagen: Mein Fremdgehen wurde belohnt …

Worum geht’s

Nachdem sie beinahe an einer Überdosis gestorben wäre, fährt Mia (Jane Levy) gemeinsam mit ihren Freunden und ihrem älteren Bruder David (Shiloh Fernandez) zu einer einsam im Wald gelegenen Hütte. Dort möchte sie sich ihrer Drogensucht mit einem kalten Entzug stellen. In der Hütte angekommen, nimmt Mia sofort einen schwachen Verwesungsgeruch wahr. Unter einem Teppich entdeckt die Gruppe eine blutverschmierte Falltür, die David und Eric (Lou Taylor Pucci) zu einem Keller voller toter Katzen und einem in Stacheldraht eingewickelten Buch führt. Als Eric laut aus diesem Buch vorliest, erwacht das Böse im Wald. Erst nimmt es Besitz von Mias Körper, dann breitet es sich nach und nach in der Gruppe aus. Ein blutiger Kampf auf Leben und Tod beginnt …

Meine Meinung

Die Bedenken waren groß, als bekannt wurde, dass der Frischling Fede Alvarez bei dem Remake des legendären „Tanz der Teufel“ Regie führen würde. Dass mit Sam Raimi, Robert G. Tapert und Bruce Campbell drei alte Bekannte als Produzenten mit an Bord waren, galt nur als schwacher Trost. Die Fans hatten schlicht gehofft, dass Sam Raimi das Ruder auch beim Remake selbst in die Hand nehmen würde. Um es klar zu sagen: Sämtliche Bedenken waren vollends unbegründet. Denn auch wenn „Evil Dead“ vermutlich nicht den Kultstatus des Originals erreichen wird, ist Alvarez mit diesem Film nichts anderes als das beste Remake seit einer gefühlten Ewigkeit gelungen.

Wie schon „Tanz der Teufel“ lebt auch „Evil Dead“ nicht von einer originellen Handlung, ausgefeilten Charakteren oder außergewöhnlichen Darstellern. Zwar sind sowohl die Geschichte als auch die Figuren bedingt durch den Drogenhintergrund der Protagonistin etwas komplexer als im Original, doch eine für den Film entscheidende Rolle spielt dies nicht. Nein, damals wie heute geht es schlicht um eine Gruppe von Menschen, die von der Außenwelt isoliert mit dem puren Bösen konfrontiert wird und mit allen Mitteln ums eigene Überleben kämpfen muss. Und damals wie heute geht es dabei nicht besonders tiefgründig, dafür aber höchst atmosphärisch und herrlich blutig zur Sache. So blutig, dass man als Zuschauer oft nicht weiß, ob man schockiert sein, sich ekeln oder befreiend lachen soll.

Der für einen Kinofilm ungewöhnlich hohe Gewaltgrad ist für Horrorfans eine wahre Freude. Nicht zuletzt, da auf den Einsatz von CGI so gut wie verzichtet wurde. Stattdessen setzen die Macher literweise das gute alte Kunstblut sowie zahlreiche handgemachte Masken und Prothesen ein, was ich ihnen gar nicht hoch genug anrechnen kann. Egal ob die Körper mit einem Teppichmesser, einer Nagelpistole, einem Elektromesser oder einer Kettensäge malträtiert werden, hier wirkt nichts künstlich. Was zur Folge hat, dass sich die zugefügten Schmerzen unmittelbar auf den Zuschauer übertragen. Wer einen empfindlichen Magen hat, sollte sich den Kinobesuch dementsprechend gut durch den Kopf gehen lassen. Vor dem Kartenkauf.

Echte Schwächen leistet sich Alvarez nicht. Wer unbedingt die Nadel im Heuhaufen suchen möchte, darf sich gerne an dem etwas zu professionellen Look des Films stören und die leicht deplatziert wirkende Vulgärsprache kritisieren. Aber das ist Jammern auf extrem hohen Niveau.

Mein Fazit

Fede Alvarez ist gelungen, was wohl nur die wenigsten für möglich gehalten hätten: Ein würdiges „Evil Dead“-Remake zu drehen, das eigene Wege beschreitet, sich gleichzeitig vor dem Original verbeugt und den teils absurd-brutalen Splatter-Horror von damals gekonnt in die heutige Zeit transportiert. Falls ihr es zwischen den Zeilen noch nicht rausgelesen haben solltet: Ja, ich bin begeistert. Richtig begeistert. Um es in einem Wort zusammenzufassen: Groovy!

Meine Wertung: 9/10

Kleiner Tipp zum Schluss: Der wahre „Tanz der Teufel“-Fan wartet selbstverständlich den Abspann ab …

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