Mit „Carrie – Des Satans jüngste Tochter“ schuf Regisseur Brian De Palma 1976 eine der meiner Meinung nach besten Stephen-King-Verfilmungen aller Zeiten. Und einen Film, der aufgrund seiner zeitlosen Geschichte auch heute noch ohne große Abstriche hervorragend funktioniert. Morgen startet die mit Chloë Grace Moretz und Julianne Moore prominent besetzte Neuverfilmung in unseren Kinos. Ob sich der Kinobesuch lohnt oder ihr euer Geld lieber in die frisch erschienene Blu-ray des Originals investieren solltet, erfahrt ihr, wenn ihr weiterlest …

Worum geht’s

Die 16-jährige Carrie White (Chloë Grace Moretz) lebt ohne Vater bei ihrer dominanten Mutter Margaret (Julianne Moore), einer religiösen Fanatikerin. Ihre weltfremde Unbeholfenheit und ihre Verschlossenheit lassen Carrie oft zum Spott ihrer Mitschüler werden. Als Carrie nach dem Schulsport in der Dusche ihre erste Periode bekommt, gerät sie in Panik, worüber sich ihre Mitschülerinnen rücksichtslos lustig machen. Lediglich Sue (Gabriella Wilde) zeigt nach dem Vorfall Mitgefühl und überzeugt ihren Freund Tommy (Ansel Elgort) davon, Carrie zum Schulball einzuladen. Gegen den Willen ihrer Mutter, die in Carries Entwicklung zur Frau die pure Sünde zu erkennen glaubt, sagt Carrie zu. Als sie auf dem Ball Opfer eines geschmacklosen Streiches wird, brechen all die Demütigungen und der Zorn der letzten Jahre über Carrie herein – und entladen sich in Form telekinetischer Fähigkeiten, die seit jeher in Carrie schlummern …

Meine Meinung

Ich kenne nur wenige Geschichten, die das Drama und den Horror so gekonnt vereinen wie Stephen Kings „Carrie“. Davon profitiert auch Kimberly Peirces Neuverfilmung, die zwar wenig neues zu bieten hat, der man sich als Mensch mit schlagendem Herzen aber dennoch nur schwer entziehen kann. Ganz ehrlich, wer mit Carrie White kein Mitleid hat, sollte sich dringend auf seine Menschlichkeit hin untersuchen lassen. Selbst im Finale, in dem sie zum tödlichen Racheengel mutiert, kann man Carrie ihre Taten nicht wirklich übelnehmen, da ihre Reaktion auf die tragischen Ereignisse nur allzu menschlich ausfällt.

Chloë Grace Moretz, die bereits in „Let Me In“ bewiesen hat, dass ihr solche Charaktere liegen, versteht es auch hier eindrucksvoll, der verletzlichen und unsicheren Carrie Leben einzuhauchen. Im Gegensatz zu Sissy Spacek, deren Carrie eher durch Mimik zu beindrucken wusste, betont Chloë Grace Moretz ihre anfänglich verschlossene, später dann schon fast dämonische Körperhaltung, was insbesondere im Finale für eindrucksvolle Bilder sorgt.

Auch Julianne Moore weiß zu begeistern und bekommt als Margaret White glücklicherweise deutlich mehr Leinwandzeit zugesprochen als Piper Laurie in der 76er-Version. Moores Margaret ist nicht nur eine religiöse Fanatikerin, sondern eine durchaus liebende Mutter mit wahren Gefühlen für ihre Tochter, die sich aus ihrem Wahn jedoch nicht befreien kann. Eine hin und her gerissene Psychopathin, die von Julianne Moore gewohnt fantastisch gespielt wird.

Nein, bezogen auf die Darsteller muss sich die Neuverfilmung nicht vor dem Original verstecken. Und auch die Inszenierung, die größeren Wert auf den Mutter-Tochter-Konflikt legt, geht prinzipiell in Ordnung. Leider übertreibt es Regisseurin Kimberly Peirce jedoch etwas bei den Effekten, was nicht zuletzt den heutigen Sehgewohnheiten geschuldet sein dürfte. Carrie setzt ihre telekinetischen Fähigkeiten nicht nur weitaus häufiger ein als noch im Original, auch fallen die Ergebnisse während ihres Rachefeldzugs deutlich expliziter aus. Zu einem Splatterfest verkommt der Film glücklicherweise zwar nie, doch auf die eine oder andere optische Spielerei hätte durchaus verzichtet werden dürfen.

Nichtsdestoweniger ist „Carrie“ eine durchaus gelungene Neuverfilmung des Stephen-King-Klassikers, die dezent andere Schwerpunkte setzt und dadurch auch für Fans des Originals einen Blick wert ist.

Mein Fazit

Düsteres Horrordrama mit zwei fantastischen Hauptdarstellerinnen, einem packenden Finale und gelungenen Effekten, die leider ein wenig zu häufig zum Einsatz kommen.

Meine Wertung: 7/10

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