Bevor ich mich dem aktuellen Teil der Transformers-Reihe widme, gebe ich euch zur Orientierung noch mal einen kurzen Rückblick auf meine Meinung zu den bisherigen Filmen: „So sehr ich auch darüber nachdenke, mir will einfach nichts einfallen, was ich „Transformers“ negativ ankreiden könnte.“ schrieb ich damals über den ersten Teil – und dazu stehe ich auch heute noch. „Transformers“ ist für mich nach wie vor perfektes Blockbuster-Kino und unterhaltsam von der ersten bis zur letzten Minute. Dann kam der zweite Teil, der an Peinlichkeiten (auf Menschen pinkelnde Transformers, Transformers mit baumelnden Geschlechtsorganen) und nervigen Figuren (die beiden „Beavis-and-Butthead“-Transformers) kaum zu überbieten war und dessen Actionszenen nicht mehr wohl dosiert, sondern nur noch ausufernd waren und dadurch letztlich langweilten. Meine Güte, was war ich enttäuscht. Und sauer. Im dritten Teil wurde der Fremdschämfaktor glücklicherweise wieder zurückgefahren, allerdings auch noch weniger Wert auf eine schlüssige Geschichte und dafür noch mehr auf die Action gelegt. Mit dem Ergebnis, dass in den ersten 75 Minuten so gut wie nichts (sinnvolles) passierte und die übrigen 80 Minuten komplett aus technisch zwar gelungenen, jedoch selten originellen und sich dafür oft wiederholenden Actionszenen bestanden. Immerhin habe ich mich über den dritten Teil nicht mehr ärgern müssen, sondern war von ihm „nur noch“ gelangweilt. Womit ich auch gleich den perfekten Übergang zu „Transformers: Ära des Untergangs“ formuliert habe …

Worum geht’s

Seit dem verheerenden Kampf in Chicago, der unzähligen Menschen das Leben kostete, werden die noch lebenden Transformers wie Terroristen gejagt. Durch Zufall gerät der Erfinder Cade Yeager (Mark Wahlberg) an einen alten Truck, der sich als verletzter Optimus Prime entpuppt. Kurze Zeit später stehen Agenten der CIA auf Cades Grundstück und bedrohen nicht nur ihn, sondern auch seine junge Tochter Tessa (Nicola Peltz). Dank Optimus Prime und Tessas Freund Shane (Jack Reynor) können sie fliehen, werden nun jedoch nicht nur von der CIA, sondern auch von dem außerirdischen Kopfgeldjäger Lockdown gejagt. Ihre Flucht führt die ungleiche Gruppe zu dem Wissenschaftler Joshua Joyce (Stanley Tucci), der es geschafft hat, eigene Transformers zu bauen. Und dabei einen folgenschweren Fehler begangen hat …

Meine Meinung

So langsam muss sich Michael Bay die Frage gefallen lassen, ob er sein Publikum noch ernst nimmt. Und wir als Publikum uns die Frage, ob Filme wie „Transformers: Ära des Untergangs“ wirklich das sind, womit wir unsere Freizeit füllen möchten. Denn außer dass der Film kein pubertierender Totalausfall wie „Transformers: Die Rache“ ist und die Effekte abermals äußerst gelungen sind, lässt sich kaum etwas positives über den vierten Teil der Reihe sagen.

Der Aufbau folgt schon beinahe sklavisch dem dritten Teil. Wieder gibt es einen zähen und viel zu langen Einstieg, dessen Inhalt auch in wesentlich kürzerer Zeit hätte erzählt werden können. Und wieder besteht die zweite Hälfte des Films aus endlos aneinander gereihten Actionszenen, die jegliche Dramatik und Originalität vermissen lassen und nach kürzester Zeit langweilen. Okay, statt aus einem umstürzenden Hochhaus (die einzig sehenswerte Szene des dritten Teils) müssen unsere Helden dieses Mal aus einem startenden Raumschiff entkommen, aber ansonsten bietet „Transformers: Ära des Untergangs“ nichts, was nicht bereits in den vorherigen Teilen zu sehen war. Sich stets aus denselben Kameraperspektiven wahlweise vor, neben oder hinter Explosionen auf dem Boden rollende und dabei schießende Transformers, gerne auch in Zeitlupe, und die Bay-typischen Kamerafahrten auf Figuren zu oder um Figuren herum dominieren komplett das Geschehen. Wie Michael Bay sich selbst kopiert, lässt sich schon als frech bezeichnen. Erinnert ihr euch an die Szene in „Transformers 3“, in der Bumblebee und Sam einem Hindernis ausweichen müssen, Bumblebee sich dazu in Zeitlupe transformiert und Sam mit sich schleudert? Exakt dieselbe Szene dürft ihr im vierten Teil noch mal bewundern, dieses Mal jedoch mit einem anderen Transformer und drei statt einem Menschen. Hut ab vor so viel Einfallsreichtum. Und selbstverständlich, wie sollte es auch anders sein, begeht Michael Bay erneut den großen Fehler, die Actionszenen nicht von Mal zu Mal größer werden zu lassen, sondern schöpft von Anfang an aus dem Vollen, so dass keine Steigerung mehr möglich ist und der Wow-Effekt im späteren Verlauf des Films völlig ausbleibt.

Wobei, ich tue Michael Bay vielleicht ein wenig Unrecht. Es ist nämlich nicht so, dass gar keine Steigerung erkennbar wäre. Was Logiklöcher, Anschlussfehler und Product Placement angeht, hat sich Bay im vierten Teil wahrlich selbst übertroffen. Hier ergibt so gut wie nichts mehr einen Sinn, verleitet aber immerhin zum Kauf von Beats-Lautsprechern und Victoria’s-Secret-Unterwäsche. Einzelne Szenen (z.B. der komplette Anfang) haben für den Film keinerlei Bedeutung und Figuren tauchen immer dort auf, wo Bay sie für die nächste Actionsequenz gerade benötigt – auch wenn das im Widerspruch zu der unmittelbar zuvor gezeigten Szene steht. Ein schlüssiges Gesamtbild will nie aufkommen, wobei insbesondere der Einbruch in ein Firmengelände negativ auffällt. Ohne zu viel verraten zu wollen, werden unsere Helden beim Einbruch und sogar bei der Zerstörung von Firmeneigentum erwischt, was für den weiteren Verlauf der Szene jedoch komplett ohne Konsequenzen bleibt. Dass Erklärungen und Regeln, die in den Vorgängern aufgestellt wurden, ebenfalls keinerlei Bedeutung mehr haben, überrascht da irgendwie auch nicht mehr.

Wer sich in den bisherigen Teilen über die hektische Art Shia LaBeoufs geärgert hat, darf aufatmen. Mark Wahlberg geht seine Rolle typbedingt wesentlich ruhiger an, darf dafür aber auch nur einen eifersüchtigen Klischee-Vater spielen und bleibt letztlich genauso austauschbar wie alle anderen menschlichen Hauptfiguren. Die neuen Nebenfiguren spielen so gut wie gar keine Rolle und werden zudem schneller fallen gelassen als sie eingeführt werden. Als Zuschauer mit diesen Figuren mitzufiebern, ist schlicht nicht möglich. Und vermutlich nicht mal vorgesehen.

Mein Fazit

Als Science-Fiction-Actionfilm getarnte, monotone Technikdemo ohne Sinn und Verstand, die nicht mal geringste Ansprüche an einen Film (im Sinne eines schlüssigen Gesamtwerkes) zufriedenstellen kann. Optimus Prime bewahre uns vor dem fünften Teil!

Meine Wertung: 3/10 (aus Respekt vor den Special-Effects-Verantwortlichen, sie sich sichtlich ins Zeug gelegt haben)

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